It’s my yard and I bark if I want to

_NM50124Ich beneide meine Hunde immer für ihr luxuriöses Leben, so frei von Sorge und Verantwortung. Ich hätte auch gerne so ein Leben. Stattdessen habe ich lauter Hunde, die sich vollkommen auf mich verlassen, was die Zubereitung ihrer Mahlzeiten, ihres Entertainments und ihres seelischen Ausgleichs betrifft. Ihre einzige Aufgabe besteht darin, sich von mir (und noch ein paar anderen) lieben zu lassen.

Wenn ich meine Hunde betrachte, sieht ihre Arbeitsplatzbeschreibung ungefähr so aus:

  1. Früh aufwachen. Alle anderen im Haus wecken.
  2. In den Garten gehen. Pieseln nach Belieben. Bellen je nach Laune.
  3. Frühstücken (angedünstetes Frischfleisch mit Hüttenkäse an Apfel-Bananen-Karottenpüree, beträufelt mit Lachsöl). Schnauze am nächsten verfügbaren Menschen abwischen.
  4. Wenn möglich, ein paar Rehe, Fasanen oder Fahrräder jagen oder sich wenigstens in einem toten Maulwurf wälzen.
  5. Schlafen.
  6. Aufwachen. Ein bisschen herumgucken. Am Fenster stehen und bellen.
  7. Mensch begrüßen, der nach Hause kommt. Ihm zu Ehren ein möglichst müffeliges Spielzeug anschleppen.
  8. In den Garten gehen. Pieseln nach Belieben. Bellen je nach Laune.
  9. Wenn möglich, sich jetzt in dem vormittags verpassten toten Maulwurf wälzen.
  10. Nach Hause kommen. Abendessen (Frischfleisch auf einem Bett aus Amaranth mit Rote-Beete-Püree). Schnauze am nächsten verfügbaren Menschen abwischen.
  11. Spielen bis zur Erschöpfung.
  12. Gebrauchtes Tempotaschentuch finden und aufessen.
  13. In den Garten gehen. Pieseln nach Belieben. Bellen je nach Laune.
  14. Sich in meinem Bett breit machen. Schlafen.

Nach einem längeren Gespräch mit meinem sehr wichtigen Windspiel Harry (der, wäre er ein Mensch, Kanzler von Deutschland wäre), weiß ich inzwischen aber, dass dieses Leben aus Sicht der Hunde gar nicht so luxuriös ist – aus seiner Sicht hat er unglaublich viel zu leisten.

  1. Als Erster aufstehen und sicherstellen, dass alle Mitglieder des Haushalts geschützt sind vor drohenden Gefahren wie Eichhörnchen, Mäusen, Silberfischchen, Müllautos oder raschelndem Laub. Alle anderen aufwecken um sie wissen zu lassen, dass sie in Sicherheit sind.
  2. In den Garten gehen. Den gesamten Bereich sorgfältig absuchen um sicherzustellen, dass über Nacht dessen Unversehrtheit gewahrt geblieben ist. Die Präsenz von etwas Unheimlichem rechtzeitig erspüren und so lange bellen, bis es verschwindet.
  3. Mahlzeit schnell beenden, denn man weiß nie, ob nicht etwas dazwischen kommt, wenn man trödelt. Oder ob es jemals wieder etwas zu essen gibt.
  4. Den Menschen auf dessen rituellen Morgenrunde begleiten und dafür sorgen, dass der Weg frei und gefahrlos ist. Territorium weiträumig markieren und den Schnöseln aus der Nachbarschaft zeigen, wer hier das Sagen hat.
  5. Körperpflege nicht vergessen. Ein Hund muss nun einmal tun, was ein Hund tun muss. Schlafen, um wieder Energie für kommende Herausforderungen des Tages zu tanken.
  6. Von bedrohlichen Geräuschen von draußen aufgeweckt werden. Am Fenster so lange bellen, bis der Jogger endlich verschwindet. Ohne drohendes Gebell hätte der Jogger garantiert irgendwelche Missetaten begangen. War knapp.
  7. Den heimkehrenden Menschen wissen lassen, dass alles in Ordnung ist. Unmissverständlich einfordern, dass man in den Garten gelassen wird für eine erneute Überprüfung der Sicherheitsbedingungen.
  8. Alle im Umkreis von neun Kilometern darüber informieren, dass eine Maus es gewagt hat, über ein Blumenbeet zu tippeln.
  9. Herumliegenden Unrat aufessen. Sieht besser aus und fühlt sich auch so an.
  10. Auf jeden Fall sicherstellen, dass man gegenüber dem Colliemischling am Ende der Straße das letzte Wort hat. Der Kerl mischt sich in alle Gespräche ein, das darf man ihm nicht durchgehen lassen. Und wenn es die ganze Nacht dauert.
  11. Im Haus noch einmal durch jedes Zimmer patroullieren, um sicherzustellen, dass sich in der Zwischenzeit keine Fremden eingeschlichen haben. Nebenbei kontrollieren, dass auf dem Küchenboden nichts Verderbliches liegen geblieben ist.
  12. Im Bett durch sorgfältiges, rituelles Drehen, Wenden und den Menschen ein Stück wegschieben dafür sorgen, dass für alle optimaler Schlafkomfort garantiert ist, zumindest für den Hund. Was für ein Tag.

 

 

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