Lange Geschichte – Krallenpflege beim Hund

Überlange Krallen verändern die Standposition und das Gangwerk des Hundes. Sie können sogar Lahmheiten und Verletzungen auslösen, weil der Hund versucht, sich irgendwie so zu bewegen, dass nicht jeder Schritt unangenehm für ihn ist.

So sehr wir alle auf die Gesundheit unserer Hunde achten, uns darum sorgen, ihr glänzendes Fell und elastische Haut zu wahren, so sehr meiden die meisten das Thema der Krallenpflege beim Hund; sogar Tierärzte versuchen, sich um diese Aufgabe möglichst zu drücken. Ich persönlich bin möglicherweise ein bisschen besessen von dem Thema, aber Tatsache ist: Ich sehe an beinahe jedem Hund zu lange Krallen – vor allem denen, die vornehmlich auf weichem Boden, d.h. Wald- und Sandboden laufen. Zu lange Krallen können brechen oder einreißen, echte orthopädische Probleme verursachen oder auch „nur“ Schmerzen beim Laufen. Aussteller und Hundesportler wissen, dass Krallenpflege ultra-notwendig für ihre Hunde ist – aber auch alle anderen Hunde profitieren von kurzen, gepflegten Nägeln.

Die Pfoten unserer Hunde sind voller Nerven, die ihnen bei der Tiefenwahrnehmung helfen: Wo sein Körper sich eigentlich im Raum befindet und wie ihre Relation zum Boden ist (will heißen: Wo ist z.B. oben, wo unten). Wenn die Krallen des Hundes zu lang sind, kommen diese Botschaften im Gehirn allerdings durcheinander und verändern seinen Gang und seine Haltung. Ein Hund mit langen Krallen kann nicht mehr so stehen, dass seine Beine senkrecht auf den Boden treffen. Stattdessen wird er eine Haltung wie eine Ziege auf einem Felsen annehmen, bei der die Vorderläufe hinter der Senkrechten stehen und seine Hinterläufe unter ihm stehen, damit er nicht noch vorne überfällt.
Unterhält man sich mit Hunde-Physiotherapeuten oder – Orthopäden, bestätigen diese im allgemeinen, dass das Krallenschneiden ganz oben auf ihrer Liste steht.

Nicht ok! Das Weisse nach dem durchschimmernden rosa Blutgefäß ist deutlich zu lang

Nicht ok! Das Weisse nach dem durchschimmernden rosa Blutgefäß ist deutlich zu lang

Aus Gründen, die ich nie verstehen werde, behaupten viele Tierärzte immer wieder, die Nägel des betreffenden Hundes seien „noch ok“, auch wenn sie es längst nicht mehr sind. (Vielleicht liegt es daran, dass das Krallenschneiden mit manchen Hunden zu einem echten Ringkampf ausartet und dafür die Bezahlung im Verhältnis so gering ausfällt).
Dabei gibt es ganz sichere Zeichen, an denen man erkennt, ob es an der Zeit ist, die Krallen Ihres Hundes zu schneiden:

  • Die Krallen Ihres Hundes berühren den Boden, wenn er steht
  • Wenn Sie die Pfote Ihres Hundes hochhalten, ist die Kralle länger als der Ballen des dazugehörigen Zehs
  • Wenn Ihr Hund auf glatten Oberflächen läuft wie Parkett, Beton oder Kacheln, hören Sie bei jedem Schritt seine Krallen klicken
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Jeder Hund läuft seine Krallen unterschiedlich ab. In unserem Fall muss Fritz spätestens alle zehn Tage die Krallen geschnitten bekommen, Pixel alle zwei Wochen, Gretel und Harry alle drei Wochen, und Pflegehund Nano ist ein eigener Fall. Als ich ihn übernahm, stand er mit den Vorderläufen da wie eine Ente: Mit extremen Plattfüßen, die er nach außen stellte. Das sei bei Galgos sehr häufig so, wurde mir gesagt. Als ich mir seine Pfoten genauer ansah, fiel mir auf, dass die – rabenschwarzen – Krallen sehr lang waren. Galgos leben häufig auf Beton, in Nanos Fall der Fußboden einer Garage. Um die Krallenpflege kümmert sich kein Mensch: Je länger die Krallen auf hartem Boden werden, desto mehr verlagert der Hund sein Gewicht auf den hinteren Ballen – während er normalerweise auf allen Zehen und Ballen gleichmäßig steht. Seit sieben Wochen schneide ich seine Krallen nun regelmäßig zurück, und siehe da: Seine Haltung hat sich verändert, seine Plattfüße sind etwas besser geworden, sein Vorderbein trifft nun senkrecht auf den Boden auf.
Obwohl man häufig hört, dass Krallen nur einmal im Monat geschnitten werden müssen, ist es bei den meisten Hunden besser, sie alle zwei Wochen zu kürzen. Wer einen Stadthund hat, der viel auf Asphalt läuft, mag das Glück haben, dass dieser sich die Krallen von alleine „abläuft“ – aber sehen Sie einmal genau hin, ob es nicht nur einzelne, bestimmte Krallen sind, die sich „ablaufen“, und die anderen dennoch zu lang sind. Sowieso scheinen die Krallen der Hinterläufe langsamer zu wachsen als die der Vorderpfoten.

Wo fängt das Leben in der Kralle an?

Das Grauen der meisten Hundebesitzer ist das Blutgefäß in der Kralle, das zusammen mit dem Nerv in der Krallenmitte liegt und die Kralle mit Blut versorgt. Wenn man hineinschneidet, kann das kurz weh tun und außerdem einigermaßen stark bluten. Wer einen Hund mit weißen Krallen hat, kann das Blutgefäß rosa schimmern sehen.

Bei Hunden mit schwarzen Krallen ist es unmöglich, das Blutgefäß aus dieser Perspektive zu erkennen. Wenn man die Kralle allerdings in kleinen Scheibchen schneidet und von vorne darauf sieht, kann man eine Veränderung des „Materials“ erkennen, je näher man dem „Leben“ kommt: Bei hellen Krallen erkennt man einen hellen oder rosa Punkt in der Mitte, bei schwarzen oder dunklen Krallen ist er grau oder schwarz.

In der Mitte der Kralle sieht man ein rosa Pünktchen - hier nicht mehr weiter schneiden

In der Mitte der Kralle sieht man ein rosa Pünktchen – hier nicht mehr weiter schneiden

Grauer Punkt in der Mitte zeigt an, dass bald das Blutgefäß anfängt

Der graue Punkt in der Mitte zeigt an, dass bald das Blutgefäß anfängt

Je öfter man die Krallen schneidet, desto weiter ziehen sich die Blutgefäße in der Kralle zurück. Das bedeutet also, dass man auch sehr, sehr lange Krallen (von Hunden, die z.B. aus Katastrophen-Haltungen stammen) mit regelmäßiger Pflege wieder in einen normalgesunden Zustand bekommen kann.

Auf Werkzeug und Technik kommt es an

Die am weitesten verbreiteten Werkzeuge zur Krallenpflege sind Krallenzangen und elektrische Krallenschleifgeräte.
Bei Krallenzangen ist es wichtig, dass sie sehr scharf sind und gut in Ihrer Hand liegen.

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Krallenzange

Gerade das „scheibchenweise“ Schneiden ist mit diesen Dingern sehr einfach (wenn die Krallenschere auch wirklich scharf ist!).

Wenn man einen Hund hat, der beim Krallenschneiden herumzappelt, ist dagegen die Guillotine-artige Krallenschere schwieriger zu handhaben,  weil man die einzelne Kralle ersteinmal durch die Öse schieben muss. Das macht es komplizierter, „scheibchenweise“ zu arbeiten.

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Guillotin-artige Krallenzange; etwas schwieriger zu bedienen

Für manche Hunde ist das Allerbeste ein Krallenschleifgerät:

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Krallenschleifer

Anfangs mag es ein bisschen kitzeln, aber viele Hunde (wie Fritz, der Krallenschneiden für eine perfide ausgedachte chinesische Foltermethode zu seinen Ehren hält) ist es die schnellste, sanfteste und effizienteste Methode.

 

Es gibt keine „richtige“ Stellung, um einem Hund die Krallen zu schneiden: Sie müssen ausprobieren, was am besten klappt. Bei kleineren Hunden klappt es meistens ziemlich gut, sie auf den Schoß zu nehmen, die Pfote in der einen Hand zu halten und die jeweilige Kralle zwischen Daumen und Zeigefinger. Bei anderen Hunden wartet man, bis sie müde und entspannt sind; wieder andere kann man nur „bändigen“, indem einer den Hund hält und mit Leberwurst füttert, während Sie ihm die Krallen schneiden.

Tipps zum Schneiden mit einer Krallenschere

  • Bevor Sie anfangen, legen Sie sich einen so genannten „Höllenstein“ aus Silbernitrat zurecht, um im Falle eines Falles die Blutung zu stillen (Silbernitrat besitzt antiseptische und adstringierende Eigenschaften), oder ein anderes, stärkehaltiges Puder/Pulver wie z.B. Mehl, Stärke oder ein Stück Seife. Auf die blutende Stelle aufgetragen wirken sie sofort. Sollten Sie eine Blutung verursachen, regen Sie sich nicht auf. Streuen Sie schnell das jeweilige Pulver auf die offene Stelle. Ihr Hund wird es überleben, und Sie auch!
  • Halten Sie die Pfote Ihres Hundes nicht zu fest – sonst tun Sie ihm noch weh, und er zieht seine Pfote zurück, weil ihm das Festhalten unangenehm ist – nicht die eigentliche Prozedur.
  • Beginnen Sie damit, die offensichtliche Überlänge mit einem groben, senkrechten Schnitt abzuschneiden – nicht in dem 45 Grad-Winkel, der üblicherweise gemacht wird.Bei einem schwarzen Nagel wie beschrieben in kleineren Scheibchen, bis Sie den grauen oder schwarzen Punkt in der Mitte sehen können.
  • Runden Sie die Ecken mit kleinen Schnitten ab. Ohne Scheu: Das Blutgefäß liegt, wie beschrieben in der Mitte. Sie können Ihren Hund an den Kanten der Kralle nicht verletzen.
  • Manche Leute verwenden gerne zuerst die Krallenschere für den ersten, groben Schnitt, und runden die Sache anschließend mit dem Krallenschleifgerät ab.
  • Vorsicht beim Einsatz des Krallenschleifgeräts bei langhaarigen Hunden! Ein guter Trick ist es, die Pfote durch ein Stück Nylonstrumpfhose zu stecken, dann verwickeln sich die Haare nicht um den rotierenden Schleifstein.
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Da laufen sie wieder!

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25 Kommentare

  1. Wenn Sie wüßten, was Krallenschneiden bei Filou bedeutet… Eine kaum zu lösende Aufgabe, will man mehr als eine auf einmal schneiden. Auch bei der Ersten sollte der erste Schnitt sitzen.

  2. Poodlemania

    Wie wahr! Ich stelle täglich das Gleiche fest. Zu lange Krallen bei allen Hunden die wir antreffen. Als Groomerin schleife ich bei unseren zwei Pudeln die Krallen alle zwei Wochen. Sie sind es gewohnt, auf dem Schertisch seitlich zu liegen und so geht es wunderbar. Absolut kein Kampf. Beim Schleifen besteht auch kaum die Gefahr einer Verletzung. Man kan sehr nah ans Blutgefäss gehen. Man muss es aber auch von klein auf tun, wie das Baden, Föhnen und Scheren. Aber die meisten Hundehalter sind da sehr Beratungsresistent. Eine Kundin hat sogar behauptet, dass ihr Hund mit gekürzten Krallen nicht auf dem glatten Fussboden gehen will oder dass die Krallen deswegen einreissen. Was für ein Unsinn!

  3. Hallo liebe Frau von der Leyen.
    Was für ein Thema. Das höre oder lese ich hier zum ersten Mal und bislang war das auch nirgendwo ein Thema!!!
    Meine Trainerin schneidet ihren Hunden nie die Krallen und behauptet, dass das eigentlich auch nicht nötig sei, der TA hat´s auch noch nie angemerkt bzw. kontrolliert, die Friseure, bei denen wir früher waren (inzwischen schere ich meinen Pudel allein) haben nie ein Wort darüber verloren. Wieder was gelernt. Ich schneide bislang etwa alle 2 Monate, und bisher auch nur die Krallen an den Vorderpfoten. Da Momo aber bei jedem Schritt auf dem Laminat „klackert“, werden sie wohl zu lang sein…
    Es ist also kein Problem, mal ein bisschen ins Leben zu schneiden? Ich fühlte mich bisher immer wieder ein grausamer Hundequäler, wenn das mal ansatzweise passiert ist! Der Pudel guckt allerdings auch entsprechend 😉
    Ok, dann nun zum Zähneputzen auch noch regelmäßige Krallenpflege… Das wird Momo Ihnen nie verzeihen!
    Liebe Grüße, besonders an Nano, wir warten gespannt auf jeden Bericht und jedes neue Foto. Schönes Wochenende, Tina.

  4. Manuela

    Super, diese sehr vernachlässigte und doch so wichtige Thema anzusprechen.
    Unsere Hunde leben auf dem Land nahe dem Wald und laufen sich die Krallen also kaum ab und auch ich als Züchterin von Kleinhunden bin immer wieder verwundert über die Beratungsresistenz vieler Hundehalter bzw der unglaubliche Kulanz der Tierärzte (Krallenlänge) wenn es um dieses Thema geht. Ja und ich kenne auch die ganz schwierigen Hunde……die um sich beißen,sich so aufregen dass sie bald in Atemnot kommen, aber mit Konsequenz, Ruhe, Sicherheit einer zweiten Person und Liebe haben wir in der Familie jeden Hund dazu gebracht das lästige Krallen schneiden zumindest ohne großes Theater zu akzeptieren.

  5. Josy Aurora

    Oh, gut das sie es anschreiben. Meine Pudeldame läuft ihre Krallen nicht frontal, sondern von unten ab, da ihre Krallen etwas nach oben hinaus in die Luft wachsen. Ich dachte, es wäre eine normale Stellung der Krallen, Pudel haben ja auch einen völlig anderen Gang als andere Rassen. Das werde ich jetzt bei meinem Tierarzt mal abchecken lassen. Hoffentlich kennt er sich damit so gut aus, wie sie 🙂

  6. „Da Momo aber bei jedem Schritt auf dem Laminat “klackert”, werden sie wohl zu lang sein“
    Das „klackern“ macht meiner auch. Seit 4 Jahren (seit ich ihn habe) obwohl wir jeden Tag bis zu 15km laufen, AllTerrain, oft viel „Strasse“ (Teer/Beton). Ich schneide bisher nur die „Daumen“nägel der Vorderläufe.
    Erscheint mir auch logisch, denn ablaufen tut sich nur der Teil, der physischen Kontakt zum „Schleifmittel“ (Strasse,…) hat. Es wird immer etwas „überstehen“ und „klackern“.

    Als diesbezüglicher Laie dachte ich immer „es ist eben keine Katze“, aber Frau vdL ist eingeladen, mich zu korrigieren…

  7. Hm, .kürzen tu ich auch nur vorne die „Daumenkrallen“ , damit er nicht irgendwo hängen bleibt. Beim Rest war es bisher nicht nötig, er läuft sie sich soweit von selbst ab. Und da wir Parkett haben, hab ich auch die Kontrolle: nix klackert beim Drüberlaufen :-).Das wird vermutlich auch nicht anders als bei den Menschen sein: manche haben harte Nägel, manche weiche, manche splittern usw…

  8. Gordon

    Unser Vet sagt, das Krallenschneiden sei für Hunde ausgesprochen unangenehm und so verhalten sie sich auch. Bei Huftieren ist eine regelmäßige Fußpflege essentiell und auch bei uns Menschen scheint sie angebracht.

    Der Zeitrahmen (alle 2 – 4 Wochen) überrascht mich allerdings doch. Nicht annähern so häufig geht es bei uns zur Sache und bisher läuft es gut.

    • Katharina

      Ich glaube, dass das Krallenschneiden nur für die Hunde unangenehm ist, die es nicht kennen oder einmal verletzt wurden. Mein Zitteraal Harry, der sich ja nun gerne mal vor allem fürchtet, hält mir die Pfoten sogar hin, wenn es um Pediküre geht – hat auch noch nie etwas Blödes diesbezüglich erlebt. Ebenso der Galgo Nano, in dessen Leben sich bisher ja niemand die Mühe machte, sich um seine Befindlichkeiten zu kümmern: Also steht er der ganzen Sache auch völlig unvoreingenommen gegenüber. Pixel dagegen muss bei seiner Züchterin irgendeinen Schreck erlebt haben, denn er stellt sich wahnsinnig an. Ich glaube eher, dass es Ihr Tierarzt ist, der die ganze Sache ausgesprochen unangenehm findet… 🙂

  9. Ute Schmalfuß

    Liebe Frau von der Leyen,

    regelmäßig lese ich Ihren Blog und freue mich an Ihren Artikeln. Heute möchte ich Ihnen auch einmal einen Gruß hinterlassen und mich herzlichen für diesen praktischen Mutmach-Artikel bedanken, der mich dazu bewogen hat, endlich einmal selbst die schwarzen (!) Krallen meines Hundes zu schneiden. Auch wir sind „Landeier“ und Lungs Krallen laufen sich auf den weichen Böden kaum ab. Dementsprechend klackert es auch auf dem Parkett. Vor zwei Tagen haben wir „es“ getan und ich kann stolz verkünden: „Es hat gar nicht weh getan! Das machen wir wieder!“ 🙂

    Herzliche Grüße und viele Streichler für die Langnasen (ganz besonders für Nano, dem ich ein so schönes Dauer-Zuhause wünschen, wie er es bei Ihnen hat)

    Ute Schmalfuß mit „Lung“

  10. Hallo Frau von der Leyen

    die Krallen meines Schäferhundes, 10 Jahre alt, sind viel zu lang, was ich jetzt kapiere.
    Sie sind schon ein bißchen geschnitten, aber ich denke, wir müssen uns langsam vorarbeiten.
    Wie lange warten, damit sich die Blutgefässe zurückziehen können? Meine zweite Frage:
    Die Krallen der Vorderfüße sind nach unten geöffnet, sehen teilweise hohl aus, und auch brüchig,
    was bedeutet das?

    Carmen Treuner mit Warros

    • Katharina

      Liebe Frau Treuner, wenn die Krallen hohl sind, sind sie schon richtig zu lang – eigentlich laufen si ja spitz zu. Wenn sie nach vorne offen sind, gibt es diesen Zustand schon sehr lange.
      Die Blutgefäße ziehen sich nicht richtig zurück, wenn sie erst einmal so lang werden durften über viele Jahre, das ist aber nicht so schlimm. Ich würde die Krallen jetzt schneiden bis zu dem „Punkt“ in der Mitte der Kralle, der anzeigt, dass danach das Blutgefäß kommt. – Jetzt bei gefühlten 200 Grad im Schatten ist Ihr Hund wahrscheinlich so müde und platt, dass ihm das Ganze hoffentlich egal ist. Es wird ihm das Laufen sehr, sehr erleichtern, weil es seine Schultern entlasten wird. Darum würde ich lieber gleich loslegen.
      Ich würde ihm etwas Silicea ins Futter geben gegen die brüchigen Krallen, und zweimal in der Woche ein Eigelb (ohne Eiweiß) wegen des Biotins. Ältere Hunde haben häufig ein Kalzium-Absorptionsproblem – wie ältere Menschen ja auch oft.
      Herzlice Grüße! Katharina von der Leyen

      • Liebe Frau von der Leyen,

        ich bedanke mich jetzt schon mal für diese schnelle Antwort. Mein Hund ist der allerliebste und hat mit Krallen schneiden überhaupt kein Problem, er liegt völlig entspannt auf der Seite,weil er mir total vertraut.
        Wir hatten vor vier Tagen geschnitten, seitdem hebt er , obwohl man keine Blutgefässe sieht,
        nach ca. 300m das linke Bein an und fiept. Da man nichts anderes sieht, denke ich, das eine der Krallen jetzt trotzdem etwas empfindlich ist, habe keine andere Erklärung.

        Ich warte noch ein bißchen ab, dann lege ich los, voll motiviert durch ihre Antwort,
        nochmal danke

        Mit ganz liebem Gruß
        Carmen Treuner

        • Katharina

          Liebe Frau Treuner,
          könnte auch sein, dass er jetzt ein bisschen anders auftritt als vorher, und die Pfote dementsprechend anders belastet wird – und ihm das unbehaglich ist. Insofern haben Sie Recht, wenn Sie es ein bisschen langsamer und vorsichtiger angehen lassen. Sie haben es gut – die meisten Hunde tun ja so, als wolle man ihnen den Fuß amputieren, wenn man die Krallenschere nur in die Hand nimmt!

          Sehr herzlich, KvdL

  11. Hallo Katharina,

    ich habe heute entdeckt, dass bei unserer 12-jährigen Hündin die Krallen viel zu lang sind und die Enden alle hohl sind. Ich weißnicht ob es Dreck ist, was darin steckt, oder der Nerv? Mit einer Taschenlampe durchleuchtet, sehe ich, dass das „Leben“ bis ganz vorne in der Kralle zu sehen ist, wenn ich das richtig deute. Deswegen traue ich mir nicht mit der Krallenschere zu schneiden. Ich wollte nun jeden 2.Tag etwas herunterfeilen.

    Wir haben Probleme, weil sich unser Hund nur noch von Teppich zu Teppich hangeln möchte und das Parkett nicht betreten möchte. Deswegen wollte ich ihr die Krallen kürzen. Unsere Tierärztin fand es beim letzten Besuch wieder nicht erforderlich. Wenn ich Ihre Ausführung über Krallenpflege allerdings hier lese, dann quälen wir sie ja schon länger, denn die Krallen machen schon lange Getrippel auf dem Parkett.

    Ich habe mich heute nur getraut ein bisschen zu feilen (mit meiner Nagelfeile). Wenn ich das richtig verstehe, ist der Zustand nun schon zu lang, als dass sich das Leben wieder zurückzieht?

    Ich muss zugeben, dass ich etwas sauer auf unsere TÄ bin, da sie jedes mal, wenn ich frage, es nicht für nötig hält die Krallen zu schneiden und ich jetzt denke, dass die langen Nägel die Ursache ist, für Angst beim Laufen über unser Parkett.

    Ich weiß, das Thema ist schon etwas älter, aber gibt es noch eine Möglichkeit, wie ich die Krallen kürzer bekomme?

    • Wenn die Krallenenden „hohl“ sind, kann das Leben eigentlich nicht bis ganz vorne reichen. Aber der grund, warum die Dame nicht auf dem Parkett gehen möchte, ist ganz bestimmt, dass ihr die Füße weh tun. Die Menschen-Feile funktioniert nicht, weil Krallen zu dick sind. Sicherer als mit der Krallenschere wäre es in Ihrem Fall wahrscheinlich, einen Dremel zu verwenden (http://www.amazon.de/Oster-82453-kabelloser-Krallen–schleifer/dp/B002B5HG68/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1451434494&sr=8-1&keywords=Krallen-Dremel), dass dauert zwar länger, Sie laufen aber nicht Gefahr, dem Hund weh zu tun und Blut zu vergießen 🙂 – sofern die Hündin sich nicht vor komischen Geräuschen fürchtet. Ansonsten suchen Sie einen Hundefrisör, die machen das meistens sehr gut und sind auch tapferer als die meisten Tierärzte. – Ich verstehe auch nicht, warum so viele Tierärzte sich davor drücken, Hunden die Krallen zu schneiden – selbst meine macht es ungern und ist selig, dass ich es immer selber mache (sie hat die schärfere Krallenschere und den hohen Tisch 🙂 ), und sie ist von mir ja Einiges gewohnt. Bitte, bitte tun Sie es – selbst WENN es blutet, ist das nicht halb so schmerzhaft und unangenehm, wie mit viel zu langen Krallen herumzulaufen. Sie könnten sich für diesen Fall (vorher) aus der Apotheke einen einen Alaun-Stift besorgen, mit denen man Rasier-Blutungen stoppt. (Alaunstifte hat schon mein Grossvater erfolgreich benutzt, man muss nur etwas über die Anwendung wissen: Den Stift aus der Hülse ziehen und leicht anfeuchten. Dann den Stift einige Sekunden auf die blutende Kralle halten. Anschließend den Stift mit einem Kleenex tupfend säubern und trocknen und zurück in die Röhre. Macht man das nicht, ziehen die Kristalle die Feuchtigkeit weiter, ähnlich wie beim Zuckerwürfel. Der Stift wird in seiner Gesamtheit brüchig und kann innerhalb der Röhre verkleben. Alaun ist ein kristallisiertes Salz.)

      Das müsste klappen. Dann wird die Hündin auch wieder lieber laufen und hat sicherlich auch weniger Rückenweh, weil sie nicht mehr in Schonhaltung gehen muss.
      Ich wünsche viel Glück und Erfolg! Herzlich, Katharina v.d. Leyen

  12. Sonja Müller

    Hallo, toller Artikel!
    unser Hund hat zu lange Krallen. Ich habe gestern alle um 1,5mm gekürzt. Trotzdem sind sie vorne noch zu lang. Wann kann ich sie erneut kürzen bzw. wann hat sich das „Leben“ etwas zurück gezogen?

    Um eine Antwort bin ich ganz dankbar.

    Vielen Dank.
    Viele Grüße

    • Katharina

      Liebe Sonja, Sie können immerzu weiter kürzen, bis Sie zu dem beschriebenen „Punkt“ kommen – das ist die Stelle, wo der „neue“ Nagel bzwl das Blutgefäß anfängt. Wie weit sich die Blutgefäße wirklich zurückziehen, ist nicht verbürgt – Tatsache ist aber auf jeden Fall, dass die Blutgefäße länger werden, wenn man sich um die Krallen nicht kümmert. Wenn der Hund bei jeder Krallenkürzerei übrigens ganz besondere Kekse bekommt (irgendwas, was es sonst nie gibt), wird er den Anblick der Krallenschere übrigens großartig finden!

  13. Vielen Dank für diesen Post mit den ausführlichen Erklärungen! Ich bin seit Januar wieder Hundemama einer verhätschelten achtjährigen Keinerweißgenauwasdrinsteckt-Hündin, die meinem Freund gehört. Leider hat sich in dem Leben der Hündin keiner wirklich um ihre Erziehung gekümmert, alle fanden es immer nur „niedlich“ wenn sie sich wie ein Kleinkind verhalten hat. Ich habe ihr in wenigen Monaten Sitz, Platz, Bleib und Pfote geben beigebracht, und alle staunen jetzt nur, wie klug sie ist… Aber das nur am Rande. Weil diese Hündin eben nur geknuddelt wurde, sind Sachen wie das Krallenschneiden komplett zu kurz gekommen. Das erste Mal ist jemand gekommen und hat das für uns erledigt, danach haben wir uns eine Krallenschere gekauft, weil wir nicht eingesehen haben, immer so viel Geld für etwas zu bezahlen, was wir auch selbst machen können. Leider zappelt sie so dolle, dass ich jedes Mal einen kleinen Herzinfarkt bekomme, wenn es ans Krallenschneiden geht. Ich versuche immer gegen das Licht zu gucken, wo der Nerv anfängt, aber sie lässt sich mittlerweile nicht mal mehr die Pfoten anschauen, ohne mir in die Hand beißen zu wollen. Aber beim Lesen Deines Artikels habe ich immer nur genickt, denn ich weiß, dass die Krallen zu lang sind, seit Wochen klackert es, wenn sie auf unseren Fließen herumläuft.
    Hast Du vielleicht einen Tipp für mich, wie wir beide das Schneiden der Nägel seelisch besser verkraften können, ohne uns zu beißen oder die Geduld zu verlieren? Und kann es sein, dass sie sich vor dem Geräusch erschreckt, dass die Schere beim Schnitt macht und nicht vor Schmerzen wegläuft?
    Vielen Dank für Deine Antwort!

    • Katharina

      Liebe Ute,
      ich fürchte, da muss man richtig mit Clicker und Wiener Würstchen gegenarbeiten :). Erst die Krallenschere hinlegen, und wenn sie sie anschaut: Klick – Würstchen. Dann mit der Krallenschere über ihr Bein streichen – Klick – Würstchen. Dann den Hund in den Arm nehem, die Krallenschere daneben legen, Klick – Würstcen. Usw. Wenn Hunde sich so „anstellen“, kann man das nur an langer hand vorbereiten, sonst wird es immer schlimmer.
      – Vielleicht wurde ihr schon einmal richtig weh getan? Außerdem darfst Du nicht vergessen: Dieser Hund hat gelernt, dass ihr „Theater“ dazu führt, dass sie in Ruhe gelassen wird. Also macht sie das, was sie kann: Theater, sobald ihr etwas nicht gefällt. Krallenschneiden tut wirklich nicht weh. Nur werden die Pfoten/Krallen natürlich nur selten von uns bearbeitet, deshalb bleibt das Gefühl wahrscheinlich ungewohnt. Es gibt auch kleine Kinder, die sich wahnsinnig beim Nägelschneiden anstellen, obwohl man ihnen noch nie etwas getan hat.

      Viel Erfolg und Mut!

  14. Hallo,

    danke für den tollen Artikel, das hat auch mir weiter geholfen. Mein Hund ist da leider recht scheu, was das Schneiden betrifft, aber wenn man viel Zeit aufbringt klappt es ganz gut.

    LG

  15. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass meine Hunde (Whippets und Windspiele) bei der Krallenschneideprozedur am liebsten stehen umd ich beim Schneiden die Pfote nach hinten abwinkle (wie bei der Hufpflege beim Pferd). Ich habe früher immer im Liegen bzw auf dem Schoß geschnitten – da gab es viel mehr Gezappel.
    Ich habe den Eindruck, dass bei Windhunden die Krallen schneller wachsen. Bei den Hunden anderer Rassen, die ich früher hatte, ist mir zumindest nie aufgefallen, dass die Krallen auffällig zu lang wurden.

  16. Meine Polly hat auch so lange Krallen. Leider ist mein Tierarzt auch genauso wie Sie es beschreiben… im November waren wir im Urlaub auf Sylt beim Tierarzt und diese meinte auch, die Krallen wären ja lang, aber sie könnte die leider gar nicht kürzen, da die Blutgefäße bis zur Spitze gehen. Ich werde mich auch einmal über das Feilen informieren

  17. Ich arbeite nun seit 8 Jahren als Hundefrisörin, neudeutsch „Groomer“ und gefühlt möchte ich zum Thema Krallen am liebsten bei jedem zweiten Hund laut schreien.
    Es ist in dem Artikel und den Kommentaren schon alles gesagt worden, außer …
    Ich versuche, meine Kunden jedes Mal einer kleinen „Gehirnwäsche“ zu unterziehen, indem ich sie an Folgendes erinnere:
    „Falls Ihr Hund mal in die Narkose muss, sei es wg. eines Unfalls oder Zahnstein, dem Tierarzt immer sagen, dass er auch die Krallen nach Schulbuch kürzen soll.“
    Wie schon in dem oberen Text erwähnt wurde, ist eine blutige Kralle für den Besitzer und den Tierarzt dramatischer, als für den Hund selbst. Wir stoppen eine Blutung mit Pülverchen oder Stiften (der Hund schaut zu); der Tierarzt verödet. Da der Hund in der Narkose liegt, bekommt er nichts mit und unblutig vom Tisch. Ab da hat man durch regelmäßige Pflege eine sehr gute Möglichkeit, die Krallen auf gesunder Länge zu halten.
    Aus meinem Berufsleben kann ich berichten, dass ich die Groomer verstehe, die nach dem amerikanischen Prinzip arbeiten: Hund morgens bringen lassen und nachmittags abholen. Alle Kunden möchten, dass ihr Hund fachkundig gepflegt wird. Aber wenn der Hund dann jault oder gar blutet oder Frauchen noch einen Termin hat und ungeduldig wird, versagen die Nerven. Hunde haben da ganz feine Antennen. Ab da wird die Arbeit dann sehr risikoreich. Umso mehr der Hund zappelt, umso größer die Verletzungsgefahr. Und beim nächsten Mal dann noch mehr Theater. Die Groomer wissen eigentlich, was zu tun ist. Mit viel Ruhe und Geduld, guten Nerven und kleinen Tricks kann man (fast) alle Hunde dazu bringen, dass alle Beteiligten die Prozedur ohne Herzinfarkt überstehen. Wenn man mit dem Hund allein ist, kann man ganz entspannt komplett bei dem Hund sein und die ganze Arbeit ist sehr viel angenehmer und leichter, besonders für den Hund. Und als allerletzte Handlung der kompletten Behandlung auf dem Tisch sind die Krallen dran. Danach kommen die Hunde sofort vom Tisch runter und bekommen ein Leckerchen und ganz viel Lob und Streicheleinheiten. Selbst wenn es also an einer Kralle bluten sollte, verbindet der Hund das nach 2 bis 3 Besuchen nur mit „Jetzt ist es vorbei und ich darf vom Tisch und es gibt jetzt ein tolles Leckerchen und die finden mich alle ganz toll. Und da ist auch gleich mein Frauchen!“
    Auch Groomer schicken ein stilles Hallelujah nach oben, wenn es bei allen Krallen unblutig geklappt hat! Aber dennoch sind die meistens nicht so zögerlich (sollten es zumindest nicht sein). Kennen Sie den Spruch aus Norddeutschland „wat mutt dat mutt“? Wer Kinder hat, musste vielleicht eine ähnliche Erfahrung machen wie ich mit unserem Sohn, wenn es um Fußnägel schneiden ging. Da haben wir ja auch nicht gesagt: „Na gut, dann eben nicht, wenn du das nicht willst“. Wat mutt dat mutt! Wenn da alle ganz entspannt drangehen und die Nerven und einen langen Atem behalten oder einfach rausgehen und dem Profi vertrauen und bereit sind, dafür einen angemessenen Preis zu zahlen, sollte man das irgendwann bei allen Hunden hinkriegen. Wer selber mal ein Problem am Fuß/Zehnagel hatte und deshalb zu einer medizinischen Fußpflege, oder gar zum Chirurgen musste, weiß, dass es nicht ein Wellness-Trip ist- aber danach geht es besser. Ich habe in den Kommentaren herausgelesen, dass es wohl nicht so leicht ist, einen Profi zu finden, dem man bei dem Thema „Krallen“ blind vertrauen kann. Das finde ich schade und traurig, kann es aber gut nachvollziehen. Wer möchte schön, dass sich die Leute beim Gassigehen erzählen: „Wenn du zu dem und dem Hundefrisör/Tierarzt gehst, kommt dein Hund da unter Garantie mit blutigen Krallen raus!“ Leider verstehen die wenigsten Leute, dass das nur passieren konnte, weil sie selbst sich nicht ausreichend um die Krallenpflege kümmern. Ich wünsche Ihnen Allen, dass Sie jemanden finden, dem Sie da vertrauen können! Solche Leute findet man oft bei (Hobby-) Züchtern. Vielleicht ist jemand in Ihrer Nähe und Sie fragen einfach dort nach Unterstützung. Manchmal müssen wir einfach nur über unseren eigenen Schatten springen -vorausgesetzt, wir wissen genau, was zu tun ist- und beherzt handeln, so wir wir dass auch bei den Kindern tun.
    Alles Gute!

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