Maja Nowak und die unsäglichen Theorien der Rudelstellungen bei Hunden

Foto: Elke Vogelsang https://www.facebook.com/elke.vogelsang/

Ich werde seit Ewigkeiten immer wieder gebeten, etwas zu dem unsägliche Thema “Rudelstellungen” zu sagen. Ich habe es nicht getan, weil mir das Ganze zutiefst widerstrebt, ich die ganze Theorie so unglaublich an den Haaren herbeigezogen finde (und sie wirklich ALLEN Untersuchungen von Verhaltenswissenschaftlern widerspricht, ganz abgesehen von meinen eigenen Erfahrungen), dass ich diesem Unsinn einfach keinen Raum geben wollte.

Jetzt muss ich es auch nicht mehr; eine andere Bloggerin hat einen wunderbaren – wenn auch verstörenden – Beitrag zu Frau Ertls persönlicher Rudelstellungs-Theorie und ihrem medienwirksamen Sprachrohr Maja Nowack geschrieben. Und zwar hier: http://serendipity-le.blogspot.de/2014/06/maja-nowak-und-die-vererbte.html

Wer sich über den sagenhaften Unsinn selber informieren möchte, der möge sich auf der Seite von Frau Ertl informieren: http://www.rudelstellungen.eu/

Ich kann nur sagen: Ich halte seit Jahrzehnten Hunde in größeren und kleineren Gruppen. Es kommen immer wieder welche dazu, andere gehen, wenn sie sterben, manche waren nur Pflegehunde und von vorneherein hur “auf Zeit” hier. Niemand, der meine Hunde je gesehen hat, hatte je das Gefühl sie seien nicht ausgeglichen, nicht fröhlich, nicht zufrieden in ihrer Situation. Sie akzeptieren alle Besuchshunde, machen keinen Ärger und kümmern sich umeinander (der Einzige, der manchmal unzufrieden ist, ist Harry, aber das hat mit der seiner Meinung nach total unzureichenden Ernährung zu tun. Ich glaube nicht, dass das etwas mit seiner verkannten Rudelstellung zusammenhängt). – Und das, obwohl ich mit meinen Hunden leise rede, nie herumschreie, sie nicht beschimpfe, weg sperren muss oder ihnen Kadavergehorsam abverlange. Ich habe noch ein ein Teletak eingesetzt – eine normale Hundepfeife sehr wohl (wie jeder weiß, der mit mir spazieren gegangen ist und schlagartig auf dem rechten Ohr taub wurde, wenn er beim Pfeifen direkt neben mir stand). Und das alles, obowohl ich mich noch nie damit beschäftigt habe, wer wann wo und an welcher Stelle geboren wurde.

In einem fabelhaften Statement von Thomas Baumann (www.dogworld.de) kommt er zu folgendem Fazit:

“Ich habe mittlerweile den Eindruck gewonnen, dass nicht wenige Mehrhundehalter aufgrund eigener Rat- und Hilflosigkeit im Gruppenmanagement froh sind, über die RUDELSTELLUNGEN endlich eine Lösung für ihre Probleme bekommen zu haben. Die Frage ist nur: Sind wir wirklich unfähig geworden, den Doppelbesatz eines Hun-derudels durch kluges und geschicktes Gruppenmanagement zu kompensieren. Sind wirklich viele Mehrhundehalter Tierquäler, nur weil sie Modelle und Lösungen finden, trotz Doppelbesatz glückliche Hunde zu haben? … “

(Hier das ganze Statement: Rudelstellungen (1))

23 Kommentare

  1. Uff. Sie sprechen mir aus der Seele. Ich habe die erste Staffel der “Hundeflüsterin” gesehen und war angetan davon, dass dort Hunde leise geführt werden, unerwünschtes Verhalten abgebrochen wird und nicht 100 Mal der Futterbeutel ins nächste Gebüsch fliegt. Auf die diesjährige Staffel hatte ich mich auch wirklich gefreut. Nette Unterhaltung am Sonntag eben…
    Und dann: Passiert eigentlich gar nichts mehr. Der Hund wird eingestuft und braucht entweder einen Zweithund – oder eben auch nicht oder er soll immer hinter dem Besitzer laufen und das war´s dann. Laaangweilig.
    Ich habe in diesem Jahr selber ein Seminar bei einer Trainerin gemacht, die sich im Dog-Institut fortgebildet hat und u.a. nach dieser Methode führt. Das Seminar war super, die Trainerin freundlich, bestimmt, logisch nachvollziehbar und sie ging individuell auf die 5 Teilnehmer ein. Sie distanzierte sich sehr deutlich von der Stellungstheorie als Allheilmittel, weil auch sie der Ansicht war, dass diese dem Wesen des Hundes und seiner Anpassungsfähigkeit nicht gerecht wird. Außerdem seien Stellungstheorien eh in Frage zu stellen, weil die Hunde bei uns derart häufig untereinander verpaart würden (ohne Rücksicht auf eine mögliche Stellung der Elterntiere im Rudel), dass die Positionen rein von der Vererbung her immer mehr aufweichen würden.
    Ich habe in dem Seminar gelernt, noch mehr auf meinen Hund zu hören und ihm den kontakt zu vielen Artgenossen zu ersparen, wenn er diesen nun mal nicht sucht. Außerdem habe ich nun “quasi schriftlich”, dass er sich meinen Schutz wünscht, wenn ein großer Hund auf ihn zustürmt, weil ihn das im ersten Augenblick einfach sehr ängstigt (wir hatten auch mal eine unschöne Begegnung mit einem Dobermann). Gut, mache ich. Da war ich mir halt immer unsicher, weil er nun mal mein erster Hund ist… Und das funktioniert, auch ohne Rudel und ohne mein Wissen über seine Stellung.
    Obwohl: eigentlich ist seine Stellung hier kaum zu übersehen. Immerhin ziehe ich nun in eine Wohnung mit Garten. Und den Garten möchte ich ganz bestimmt nicht für mich und meinen definitiv fehlenden grünen Daumen 😉
    Ihnen alles Liebe, Tina.
    P.S. Wie geht es eigentlich George? Von dem haben wir schon so lange nichts mehr gehört…

  2. Wie Sophie Strodtbeck so schön schreibt: “..da springen viele auf den Zug ins Nirgendwo, bevor er mit Karacho entgleist”.
    Ja, die Unsicherheit der Hundehalter wird gnadenlos kommerzialisiert. Gute Hundetrainer dürfen dann später oft die Scherben wieder auffegen.
    Im Freundeskreis machen wir damit mittlererweile Scherze und beschreiben unsere jeweilige Gruppe mit: Vordere Zickenhündin, mittlerer Bindevielfraß, hinteres Verschlußherrchen usw.
    Man müsste sich ja sonst über diese neueste Sau die durchs Dorf getrieben wird, aufregen, nicht wahr?!

  3. Die Theorie ist doch total klasse:

    klingt neu und läßt sich gut verkaufen.

    Sein eigenes Verhalten muß in keinster Weise an irgendeinem Punkt überdacht werden…da ja der Hund Schuld bzw. die Rudelstellung Schuld ist.

    Interessant finde ich noch, irgendjemand hat mal versucht zu recherchieren wann und von wem Frau Ertl das gelernt haben will….

    Mir fällt noch viel mehr dazu ein, lasse es aber mal lieber.

    Liebe Grüße

    Mali

  4. Melanie Ruoss

    ein toller Beitrag und tolle Kommentare!!!
    Zum Glück gibt es genügend Hundehalter, die auf ihre Hunde “hören”, sie lesen und sich daran orienterien, was die Hunde brauche und welche Signal sie aussenden!

    Ich habe drei Hunde, und wenn überhaupt mal eine Hierarchie auftaucht, dann geht es allerhöchstens um Ressourcenverteidigung. Meine Liebe zu ihnen wird gleichmässig verteilt, gekuschelt wird nach Bedürfnis der Hunde und Futter bekommen alle gleichzeitig, auch auf die Bedürfnisse aufgeteilt.

    Draussen auf den Spaziergängen haben wir den Luxus, dass die drei meistens frei laufen können und zwar so wie sie es wollen und sicher nicht im Entenmarsch hinter mir.

    Und übrigens mit einem grossen Schmunzeln ein Tipp für Harry Futter-Unzufriedenheit: wenn ich als Kind gemault habe übers Essen, hiess es immer, denk an die armen Negerlein in Afrika, die haben gar nichts. Du sollst zufrieden sein mit dem was du bekommst. Hilft das nicht auch bei Harry 🙂 ????

    Liebe Grüsse, Melanie

  5. Hallo Melanie,

    ich glaube Harry ist nicht mäkelig…er hat einfach immer ein Loch im Bauch….

    LG
    Mali

  6. Vielen Dank für diese Infos. Beim Lesen der ausführlichen Seminarbeschreibung wurde mir mehr als übel. Solchen Menschen gehört meiner Meinung nach das Handwerk gelegt. Unvorstellbar, dass sowas in unserem Land möglich ist. Hier geht es nur darum anderen Menschen auf Kosten deren Tiere mit irgendwelchen “Phantasiemethoden” das Geld aus der Tasche zu ziehen. Viel schlimmer aber ist die Tatsache, dass Hundebesitzer ohne weiteres bereit sind, ihre Hunde einfach so wegzugeben nur weil ein völlig fremder Mensch, der diese Tiere gerade mal kurz gesehen hat der Meinung ist, sie passen nicht in das Rudel. In was für einer verrohten Welt leben wir eigentlich.

  7. Wenn es nicht so traurig wäre, man müsste sich kaputtlachen. Selten so einen Blödsinn wie diese “Rudelstellungstheorie” gehört.

  8. Bei diesem Durcheinander an Erziehungsmethoden, welche heute von allen tollen Hundetrainern angeboten werden, ist es wohltuend und back to basic einer Maike Maja Nowak zuzsehen. Wir erziehen unsere Hunde heute wie Affen im Zirkus. Bringen ihnen Kunststückchen bei, leben unseren eigenen Egoismus aus, in dem wir sie stundenlang auf irgendwelchen Plätzen in Unterordnung bringen, sie über Geräte hetzen und sonstigen neuen Mist erfinden. Machen Sie mal einen Schritt zurück, lassen Sie den Hund Hund sein, begleiten Sie ihn durchs Leben und vor allem begegne Sie anderen mit Toleranz und nicht kompletter Engstirnigkeit. Leider ist es heute noch so, wie vor 1000 Jahren – was der Mensch nicht kennt, das macht ihm Angst. Übrigens: die Theorie der Rudelstellung geht schon über 100 Jahre zurück!
    Schade, dass K. von der Leyen auch auf diesen Zug des Nichttollerierens aufspringt. Von einer kosmopolitischen Frau hätte ich mehr erwartet.

    • Katharina

      Es hat nicht mit dem “Zug des Nichttolerierend” zu tun, wenn eine einzige Frau – nämlich Frau Ertel – eine Theorie verbreitet, die für die Hunde schädlich ist, sondern mit berechtigter Kritik an einer zweifelhaften “Bewegung”.Frau Ertel reißt Hunde aus ihrem Rudel heraus, sie hat in ihrem Forum eine Tauschbörse für Hunde, damit man den richtigen Hund aus einer anderen in eine eigene Gruppe holen kann. Den Hundezüchter, auf den sie sich beruft, gibt es nicht. Sie behauptet, es sei der Begründer der Eurasien gewesen – das stimmt nicht, das war ein Herr Wipfel. Niemand außer Frau Erteil darf beurteilen, welcher Hund an welcher Stelle im Geschwisterrudel steht, sie gibt dieses Wissen nicht weiter. Man darf bei ihren Seminaren auch nicht mitschreiben. In ihrem Rudelstellungswahn geht sie so weit, dass sie, wenn sie in einem neugeborenen Geschwisterrudel eine “Doppelbelegung” zu erkennen meint, die Welpen im Alter von drei Tagen trennt, so dass die arme Hündin die ganze Zeit hin- und herspringen muss. Und Frau Novak unterstützt das. Das macht sie in meinen Augen unseriös.
      Rudelstellungen gibt es, ganz klar. Aber die haben etwas mit der Aufgabenverteilung in der jeweiligen Gruppe zu tun, in der der Hund lebt – sie sind nicht angeboren. Diesen Geschwisterblödsinn, den Frau Erteil und Frau Nowak verzapfen, unterstützt kein EINZIGER Verhaltenswissenschaftler in keinem anderen Land. Auch kein EINZIGER anderer Trainer – und nein, nicht, weil sie “neidisch” sind, sondern weil Frau Ertel und Frau Nowak mit der Verbreitung dieser Theorie den Hunden etwas antun.
      Ich habe fünf Hunde völlig unterschiedlicher Herkunft. Sie leben ausgesprochen friedlich miteinander, sind so gut erzogen, dass hier jeder fremde Hund hereinkommen kann, und sie mich überallhin in Redaktionen und auf Besuche begleiten können – und wiederkommen dürfen. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wer wann an welcher Stelle geboren wurde, und es spielt auch überhaupt keine Rolle. Ich arbeite mit ganz einfachen, auf Körpersprache basierenden Signalen. Man kann eben nicht jeden Hund gleich erziehen, und nicht jeder Mensch kommt mit jeder Erziehungsmethode klar. Aber die Hunde grundsätzlich einfach “umzutauschen”, anstatt zu versuchen, erzieherisch einzugreifen, finde ich unmenschlich und nicht tiergerecht.

  9. Ja, dem stimme ich zu. Frau Ertel darf und muss man auch anraten: leben und leben lassen. Mag sein, dass vieles davon noch nicht erwiesen ist und sich vielleicht auch als Schuss in den Ofen herausstellen wird – aber das ist die Homöopathie auch nicht. Würde man mal überall das Beste aus den ganzen Erziehungsmethoden und Theorien herausnehmen, käme vielleicht sogar was dabei heraus. Ich finde Maike Nowak in dem ganzen Hundetrainerkuchen trotzdem herzerfrischend und in vielen Bereichen anspornend. Meine drei Hunde sind auch frei zusammengewürfelt und es macht Spass sie nicht zu Tode zu erziehen sondern sie natürlich zu führen, mit Grenzen und Einschränkungen, aber ohne sitz, platz, sitz – ein grosser Unterschied – obwohl ich zugeben muss, dass drei Hunde, die einer Hühnerschar nachjagen alles andere als erfrischend sind. Das würden sie aber auch machen, wenn ich sie täglich sinnlos mit Unterordnung quälen würde – das und die ganzen Bücher von Millan, Baumann, Friedrich, Grewe, Fichtlmeier und Co. habe ich alles hinter mir und Spass hat es definitiv niemandem gemacht. Klar gibt es überall ein paar gute Ansätze aber am Ende heisst es überall Unterordnen, Zwang und Kommandieren. Unsere Hunde sind doch Tiere und keine Werkzeuge – sehen wir sie als wundervolle Begleiter

    • Ich bin grade über die Seite gestolpert und sehr irritiert darüber, dass jemand auf die “Unterordnung” schimpft, aber im nächsten Satz impliziert, dass das eigene Rudel Hühner jagt?
      Um es überspitzt zu sagen: ich habe noch keinen Hund gesehen, der zu Tode erzogen wurde, wohl aber einige die zu Tode kamen, auf Straßen durch Autos, im Wald durch Jäger.
      Wir erziehen unsere Hunde 24/7. Hund lernen immer-in jeder Sekunde.
      Der Begriff Unterordnung nebenbei, ist auf vielen, veralteten Plätzen selbsterklärend.
      In der heutigen Zeit sehe ich jedoch immer mehr Plätze, die “Unterordnung” im Sinne des Hundes ausführen: indem man die Besitzer trainiert, fair und verantwortungsvoll zu führen, ein gutes Timing zu erlernen und ein Gefühl für die Konzentrations- und Lernphasen sowie Pausenzeiten zu bekommen. Man kann das nicht mehr mit dem typischen SV von 1980 vergleichen. Der Begriff ist veraltet und ich nenne das ganze “Teamtraining Hund Mensch”.

      Hundetraining ist in den meisten Fällen Besitzertraining.
      Ich finde nicht, dass jemand erfrischend ist nur weil er es anders macht.
      Erfrischend ist für mich jemand, der mit neuen Erkenntnissen alte Vorurteile umwirft und einem auf eine nachvollziehbare Weise das Neue näherbringt und erklärt.
      Sicher, manchmal ist Neues eher Altes, aber neu definiert.
      Man denke an den Alpha-Wurf…erfrischend war Bloch, der es als Fehlinterpretation revidierte.
      Woran liegt es dass diese Tatsache kaum jemand weiß, aber alle von dem Alphawurf reden?
      Weil es einfacher ist Theorien zu folgen, die man dritten nicht mehr erklären muss.

      Meine Hunde sind wunderbare Begleiter-weil Sie gut erzogen sind. Regeln geben den Rahmen zur Sicherheit, das lässt sich auch ohne Kommandos umsetzen. Hunde finden schnell die richtige Lösung.
      Menschen haben das Gefühl dafür oftmals leider verloren.

  10. Ich hab gerade wieder eine, wohl zusammenfassende, Folge im ZDF gesehen und bin mehr als entnervt. Hab gesucht und Anläufe gefunden, das ZDF davon abzubringen, diese Rudelstellungsnummer weiter zu verbreiten, das ZDF kann nicht erkennen, dass daran was falsch sein sollte. Hab weitergeguckt, bin aufs Tierheim Zwickau gestoßen, dass sich in Sachen Schäferhund Prinz mit der “Hundeflüsterin” angelegt hat.
    In den Hundezeitungen ist das Thema auch schon gelandet, gerade ein Artikel von Thomas Riepe. Und in der anderen, die ich heute kaufte, schreibt Günter Bloch jenseits dieses Themas ganz wunderbar über Regeln im Zusammenleben von Hund – Mensch (und ggfs Hund – Hund – Hund).
    Kann man nicht die Leute, die qualifiziert sind (Sie, Riepe, Bloch, das Tierheim) und die vielen Engagierten irgendwie zusammenkriegen, um diesem Unfug entgegenzutreten und das ZDF dazu zu bewegen, sich von dieser Nummer zu verabschieden?
    Der Tierheim-Hund Prinz wäre beinahe nicht adoptiert worden, weil diese Person was von Doppelbesetzung gefaselt hat. Dass sich die Beteiligten – das Tierheim, ein Hundetrainer und die aufnahmewillige Familie – nicht an ihre Ansage gehalten hat, hat die Dame offenbar zu ziemlich unfreundlichen Kommentaren / Anweisungen, wenn man es nicht Drohung nennen möchte, geführt. Das geht doch nicht!

  11. Ich bin auch der Meinung dass man alles immer kritisch betrachten sollte, aber sich zumindest mal darauf ein lassen, um sich selbst eine Meinung zu bilden. Frau Ertel schreckt mich auch sehr ab, aber ich bin der Meinung man sollte Maja Nowak da nicht mit reinziehen, ich finde Ihre Stellungnahme zu den Rudelstellungen sehr hilfreich, gerade Ihre Distanzierung von den Interpretationen Ertels. Viele neue Dingen wurden durch Beobachten und Erfahren geschaffen, und vielleicht hilft diese eine Theorie irgendwann einfach Hunde wieder mehr zu beobachten also einfach “nur” zu Clickern und zu konditionieren und damit doch etwas positives in die Hunde und Menschen Welt gebracht zu haben.

    Grüße aus Berlin,

    Moritz

    http://www.maike-maja-nowak.de/#!resuemee/c1693

    • Lieber Moritz,
      Maja Nowaks Distanzierung kommt sehr spät: Sie hat Frau Ertel ja erst einmal gepusht, was das Zeug hielt – dass die Dame, die ihre absurden Theorien ja schon seid vielen Jahren verbreitet, jetzt plötzlich so eine Aufschwung hatte, lag ganz allein an Frau Nowak. Nachdem jeder einzelne Verhaltenswissenschaftler sich gegen diesen Unsinn ausgesprochen hat und es Frau Nowak einfach genug Kunden gekostet hat, schreibt sie nun eine wohlklingende, aber trotzdem fadenscheinige Erklärung. Niemand hindert sie daran, sich die Geburtswurfstellungen genau anzusehen. ich habe sie mir vor ein paar Jahren schon ganz genau angeschaut – aber trotzdem keine Seminare daraus gemacht, niemandem Rudelstellungs-Kurse aufgezwungen, die dachten, sie bekämen Frau Nowak, und dann war es Frau Ertel, mit der sie sich auseinandersetzen mussten. Inzwischen haben die beiden Frauen sich wahrscheinlich einfach furchtbar gestritten – das passiert nämlich den meisten Leuten, die näher mit Frau Ertel zu tun haben. Insofern nehme ich ihr dieses “Resumée” schlicht nicht ab.
      Aber ich bin völlig Ihrer Meinung, dass zu einem Zusammenleben mit Hunden mehr gehört als Konditionierung – meiner Meinung nach ruht richtige Hundeerziehung auf drei Säulen: Führung, Training und Erziehung. Allein mit Klickern – also Trainieren – kommt man ziemlich weit, nur bedeutet es nicht, dass der Hund sich “im Ernstfall” wirklich auf den Menschen verlässt, der ihn bisher nicht geführt hat. Wer nur führt – wie beispielsweise Cesar Millan -, der scheitert, sobald sich ein diffiziles Problem auftut wie etwa ein Angsthund oder ein aggressiver Hund (was nicht weit entfernt ist von einem Angsthund: Ein Hund, der schnell beißt, hat gelernt, dass er dann in Ruhe gelassen wird, ist aber weder erzogen, noch geführt und hat erst recht nicht gelernt, sich auf seinen Menschen zu verlassen). Aber das ist ein weites Feld…

  12. ruth albers

    Hallo, warum giftet denn da jemand gegen das Konzept dieser Frau???
    Man kann doch – sofern man den geschichtlichen Huntergrund Majas kennt!! – durchaus diese Thesen respektieren und für sich reflektieren:
    Inwieweit lässt sich in der eigenen Lebenssituation und angesichts der Individualität der eigenen Hunde, die ihre Lebensgeschichte mitbringen ( so wie Menschen verschiedener Völker bzw. Staaten) der eine oder andere Gesichtspunkt beobachten und umsetzen???
    Bei meinen drei Hunden, die sehr verschieden sind, wurde und werde ich immer wieder auch mit der Stellung untereinander, mit den Eigenheiten und Besonderheiten konfrontiert und herausgefordert. Es braucht eben Bewusstheit, Zeit, Platz und Zuwendung! Die moderne Lebensweise, die Landwirtschaft u.a. verlangen oft genug persönliche Einschränkungen.
    Die Bücher habe ich alle sehr reflektiert gelesen und weiß: Jeder Tag ist ein neues Erlebnis,
    wobei Freude und Leid dicht beieinander liegen.

    • Katharina

      Lesen Sie doch bitte zuerst einmal den Beitrag, der hier verlinkt wurde, bevor Sie den Beitrag infrage stellen. “Gegiftet” wurde nicht – nur totales Unverständnis ausgedrückt. Angesichts der Tatsache, dass sich bereits Tauschbörsen für Hunde gebildet haben, die angeblich nicht ins Rudelkonzept passen und angesichts der Tatsache, dass Maja Nowak sich von diesem – von keinem Verhaltensbiologen der Welt bestätigten und, im Gegenteil, zb. von Dr. Feddersen-Petersen widerlegten – Blödsinn der “vererbten Rudelstellung” mittlerweile mit etwas lahmen und fandenscheinigen Argumenten distanziert hat, darf an das nicht unkommentiert stehen lassen.

  13. MEIN SENF : Seit vielen Jahren arbeite ich als Hundesitterin, Dogwalkerin, Hundebetreuerin und Trainerin. Zwangsläufig ist auch mir die Lehre von der vererbten Rudelstellung nicht entgangen. In meinem Beruf lerne ich sehr viele Hunde unterschiedlichster Couleur kennen. Ich vergesellschafte sie jeden Tag, wenn man so will. Die Reise ins „Universum Hund“ nenne ich es für mich und beobachte sie mit Freude in ihrem Verhalten und ihrer Gruppendynamik.

    Meine Hundegruppen strukturieren sich jeden Tag neu. Besonders fällt dies auf, wenn Gasthunde in die jeweilige Gruppe kommen. Sofort beginnen die „Stammhunde“ in Eigenregie mit dem „Scannen“ und Einordnen des neuen Hundes. In der Regel entwickelt sich daraus angemessenes Rollenverhalten, die Hunde zeigen dabei keinerlei Stress oder Unwohlsein. Besonders faszinierend ist ihre hohe soziale Kompetenz, wenn z.B. ein verhaltensauffälliger Hund in die Gruppe integriert wird.

    Natürlich muss ich Neuzugänge in den Gruppen „vorstellen“ und dabei Klarheit vermitteln. Dass sie mich in meiner Verantwortung akzeptieren, ist die Grundvoraussetzung für eine klare Struktur, innerhalb der sich jeder bewegen kann, wie er möchte, um sich wohl und sicher zu fühlen. Hunde passen sich in ihrem Verhalten an, um für sich eine Basis des Wohlfühlens, der Sicherheit zu schaffen. Die meisten Hunde wollen zusammen sein. Geschmeidig und achtsam gehen sie miteinander um, wenn Deutlichkeit nötig ist, auch sehr grob.

    Es gibt Hunde, die ich als Einzelgänger bezeichne, die in der Gruppe „ihr Ding“ alleine machen, für sich sein möchten. Auch das wird von den anderen akzeptiert. Mobbing-Situationen habe ich selten erlebt. Sie lassen sich durch Klarheit, ruhige verbale Korrektur gut handeln. Wenn etwas in einer Hundegruppe nicht klappt, dann hat das nichts mit Genetik zu tun oder weil ein Hund Typ AAA, BBB oder CCC ist. Hunde brauchen und wollen kompetente Führung. Es ist von Vorteil, wenn man dafür einen Blick hat und situationsbedingtes Verhalten richtig einschätzt und wertet.

    Wenn Hundehalter keinen Ausweg mehr wissen, nachdem sie Hundeschulen ohne Erfolg besucht haben, klammern sie sich an alles Neue, was so „natürlich-hündisch“ klingt und ihre Probleme im Umgang mit dem Hund so einleuchtend erklärt. Der Leidensdruck ist bei vielen Hundehaltern enorm, und in einer Gruppe von Anhängern fühlt man sich sicher und geborgen. Man kann sich darin einrichten und alles, was man erlebt, bequem nach dem gemeinsamen Bilde zurechtbasteln.

    IMG_6821Natürlich gibt es „Hundetypen“ bzw. Kommunikationstypen. Das ist nichts Neues. Ob man das nun als menschliche Berufsbezeichnungen (Wächter) oder als tabellarische Buchstabenanordnung (OMG) interpretiert, ist doch jedem überlassen, so lange kein Hund zu Schaden kommt. Ihre flexiblen Strategien erlauben es Hunden, seit Tausenden von Jahren in allen möglichen Gruppenstrukturen zusammen und an unserer Seite zu leben. Starre Stellungen hätten da fatale Folgen, damit hätten sie sicher nicht so lange überlebt. Alles in allem – Hunde sind für mich wahre Evolutionswunder! Sie haben sich so gut angepasst, gerade an den Menschen, der ja die größte Herausforderung für sich selbst und für andere Spezies darstellt.

    Ich könnte viele Fallbeispiele nennen und möchte nur eines schildern, um zu verdeutlichen, wie Hunde in kürzester Zeit ihr Verhalten ändern können. Ein Tibet Terrier Rüde, der seit vielen Jahren in meiner Betreuung ist, reagiert bei seinen Haltern auf andere Rüden sehr aggressiv. Wenn er aber morgens zu mir an das Auto zum Auslauf gebracht wird, ich die Leine übernehme, ist er wie ausgewechselt. Obwohl die anderen Rüden im Auto um ihn herum sind, gesellt er sich gern dazu, zeigt nicht einmal Meideverhalten. Im weiteren Tagesverlauf ist er mit souveräner Leichtigkeit dabei, keine Aggression, keine auffälligen Verhaltensweisen, er integriert sich vollkommen normal.

    Am Nachmittag bei Abholung der Hunde die gleiche Situation: Die Hundehalterin übernimmt die Leine ihres Hundes, und dieser geht sogleich äußerst aggressiv auf die anderen los, mit denen er zuvor problemlos unterwegs war. Ich nenne es das Jekyll- und Hyde-Verhalten. Ich möchte damit nur unterstreichen, wie extrem Hunde ihr Verhalten an die Situation und an die „Führungsperson“ anpassen. Der Hund wechselt sofort in seine neue Rolle, kennt dabei genau die Inszenierung und folgt präzise ihrer Dramaturgie.

    Mein Resümee

    IMG_8368Für mich gibt es keine festen Rudelstellungen. Andernfalls hätte ich meinen Beruf längst vor lauter Verzweiflung an den Nagel gehängt. Denn ich wäre nicht Tag für Tag mit Hundegruppen in ständig wechselnder Besetzung unterwegs, wenn ich sie unsäglich leidend erleben würde. Ich erlebe sie stattdessen in GESUNDER BALANCE!

    Das Einschätzen und Interpretieren von Hunden gehört zu meiner Tätigkeit, daraus mache ich keine Wissenschaft, weil ich keine Wissenschaftlerin bin. Um wirkliches Wissen zu erwerben, ist Demut erforderlich, der Austausch mit Weggefährten und mit seriösen Kanidenforschern. Ich bilde mir ein, von und über Hunde viel gelernt zu haben, und dennoch weiß ich, dass ich nichts weiß.

    Der Versuch, mit Hunden nach festen „Rudelstellungen“ umzugehen, wird bei vielen Haltern zu bösem Erwachen führen. Für die betroffenen Hunde kann es ein schmerzhafter und trauriger Prozess werden. Wir sollten Hunde in ihrer individuellen Entwicklung unterstützen und nicht in menschengemachte Schubladen zwängen. „Universum Hund“ – eine gemeinsame Reise dahin kann wertvoll und schön sein!

    Jeder Hund ist ein Buch OHNE sieben Siegel! Viel Freude beim Blättern und Lesen!

    Petra Keil

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*