Unter die Haut

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Vor zwei Wochen übernahm ich die Pflege eines achtjährigen Labradorrüden. Er litt seit ein paar Monaten unter einem schweren Ekzem, wodurch sich die Haut im Genick, am Hals, am Rücken und um den Po herum furchtbar entzündet hatte.

Der Bericht des eigenen Tierarztes war diffus und schwer verständlich. Der Hund hatte zwischen dem 7.7. und 20. 7. die Antibiotika Baytril, Duphamox und Clavaseptin erhalten, außerdem Kortison (Dexadreson fort). Er war mit Ivomec eingeprüht worden, mit Purivet und Engemycin-Spray (Blauspray). Er hatte fünf Tage lang ein juckreizlinderndes Medikament namens Alpoquel bekommen, allerdings nur ¼ der notwendigen Dosierung.

Als wäre das alles noch nicht genug, hatte der Tierarzt innerhalb dieser Behandlung zusätzlich auch noch mit Milprazon entwurmt und ihm zwei Wochen später, als der ganze Hund bereits von einer harten, stinkenden Kruste überzogen war, noch ein orales Zeckenmittel eingegeben.

Weil das alles natürlich nichts half, wurde den Besitzern gesagt, sie sollten dem Hund von nun an nur noch Kartoffeln füttern. Was das für einen Vorteil haben sollte, verstand niemand, und damit wurde den Besitzern auch langsam klar, dass der Tierarzt offenbar blind herum tastete und keine Ahnung hatte, was zu tun war.

Erstaunlich. Aus unterschiedlichen Gründen kann ich ihn leider nicht bei der Tierärztekammer anzeigen, was ich nur zu gerne täte.

Auf meine Rückfragen bei den Besitzern stellte sich heraus, dass der Labrador schon seit seiner Geburt eine Baustelle war: Er hatte von Anfang an HD und schon immer die Neigung zu leichten Ekzemen im Frühjahr, allerdings niemals blutig, nur das Fell fiel an einigen Stellen aus. Daraufhin bekam er jedes Mal eine Kortison-Spritze, und danach war für den Rest des Jahres Ruhe.

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Außerdem erfuhr ich, dass das Ganze wohl vom Nacken ausging – ein Milben- oder Pilzbefall schien also wenig wahrscheinlich.

Dann hörte ich, dass der Labrador Ende April zum ersten Mal in seinem Leben das Spot-On Advantix bekommen hatte – und damit setzte sich das Bild langsam zusammen.

Die Besitzer schickten den Hund zu mir, denn zuhause gruselten sich mittlerweile alle vor ihm, nicht einmal der Tierarzt hatte den Hund angefasst, seit der Hund bei ihm in Behandlung war. Die 70jährige Besitzerin wäre auch gar nicht in der Lage gewesen, den großen, schweren Hund in die Badewanne zu hieven – und der seltsame Tierarzt war offenbar auch nicht auf die Idee gekommen, den Hund bei sich in der Praxis einem Bad zu unterziehen.

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Jacks Zustand bei seiner Ankunft

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Die Haut war überall entzündet, dicke Krusten verklebten das Fell und die Wunden darunter

Jack konnte gar nicht so schnell blinzeln, wie er in der Badewanne saß, kaum war er hier angekommen.

In einem einstündigen Bad mit Dermazyme-Losham-Shampoo löste ich ca. einen Eimer Krusten, vermischt mit Blauspray und Haaren. Jack lag mit geschlossenen Augen in der Wanne, so froh, endlich von dem juckenden Zeug auf seiner Haut befreit zu werden (ich trug dabei Gummihandschuhe, um nicht Bakterien von meiner Haut auf ihn zu übertragen – schließlich war er neu hier und auf unsere Bakterien in Haus und Umgebung noch nicht eingestellt).

Anschließend tupfte ich ihn vorsichtig trocken, um die rote, wunde, entzündete Haut nicht noch mehr zu reizen, und sprühte ihn mit Octisept ein, damit keine weiteren Bakterien in die Wunden gerieten.

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Nach dem Bad wurde das Ausmaß der Katastrophe überhaupt erst sichtbar

Erst nach dem Bad wurde das Ausmaß seiner Krankheit richtig deutlich: Am Nacken, dort, wo das Advantix ursprünglich aufgetragen worden war, hatte die Haut eine Art Waffelmuster wie bei einer Verbrennung dritten Grades. Außerdem war sie schwer entzündet, gelbes Wundsekret verklebte die Wunden gleich aufs neue. Unter dem Fell waren lauter weitere kleine Wunden. Die Schmerzen, das Jucken und die Spannung auf der Haut mussten schrecklich sein.

Meine Hunde, die Labradoren gewöhnlich nicht viel abgewinnen können, waren praktisch sprachlos und versuchten nur, dem großen, merkwürdig riechenden Hund aus dem Weg zu gehen und verkrümelten sich in den ersten Stock – außer Barthl, der es als seine Pflicht betrachtete, Jack willkommen zu heißen und ihm erst einmal alles zu zeigen und ihn herumzuführen.

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Verbandswickel mit Manuka-Honig

Am Tag darauf badete ich Jack erneut (was für ein Glück, dass ich hier im Erdgeschoß ein Hundebad habe! Mit seiner Hüfte schafft er es nicht die Treppe hinauf ins „Menschenbadezimmer“) und versorgte die offenen Wunden mit Manuka-Honig, der eine starke antibiotische Wirkung hat und die Wundheilung hervorragend unterstützt (sofern nicht irgendein anderer Hund das Ganze wieder ableckt – meine Hunde mögen glücklicherweise nichts Süßes 🙂 ). Außerdem bekam er von mir die Schüssler-Salze 3, 10, 12 sowie Berberis D4, Okoubaka D30 und Sulfur D6. Schulmedizinische Medikamente wollte ich unbedingt vermeiden, weil er in den vergangenen Wochen von dem behandelnden Tierarzt zuhause ja praktisch vergiftet worden war. Jack brauchte nicht nur eine regelmäßige äußerliche, sondern vor allem eine innere Reinigung.

Bei uns fand er es wahnsinnig spannend: Zuhause lebt er auch auf einem sehr großzügigen Anwesen, allerdings ist dort sehr viel los mit vielen Kindern, kranken Verwandten, lauter Unglücksraben, die ständig bei seiner Besitzerin Hilfe und Unterschlupf suchen, so dass er eher „so mitläuft“. IMG_6694Hier dagegen wird er ständig befummelt, gesalbt, gebadet, betrachtet und gekrault, der riesige Garten, die vielen Hunde, die Ströme an hunde-affinen Besuchern und meine Nachbarn, die mit ihrem Vieh ganz andere Sachen gewohnt sind und sich überhaupt nicht anstellen, ihn anzufassen: So viel Aufmerksamkeit hatte Jack wahrscheinlich noch nie in seinem Leben. Er liebt unser Futter, obwohl er hier knallhart auf Diät gesetzt wurde: Er ist deutlich zu schwer, was sicherlich daran liegt, dass er sich aufgrund seiner schweren HD und der Arthrose vorne links nur schlecht bewegen kann. Allerdings hat er hier Barthl als seinen Personal Trainer, der den ganzen Tag im Liegen Ringkämpfe mit ihm veranstaltet und sich sehr gut um ihn kümmert. Die Spaziergänge sind sehr, sehr langsam – fast schon spazierenstehen -, was für die Windhunde auch mal eine fabelhafte Entschleunigung ist.

Mein Tierarzt Dr. Menzel machte ein Blutbild, um herauszufinden, ob Jack möglicherweise außerdem/gleichzeitig an einer Stoffwechsel-Erkrankung litt und gab mir ein Shampoo, das üblicherweise vor OPs eingesetzt wird und stark desinfizierend wirkt. Damit sollte Jack täglich gebadet und anschließend geföhnt werden, damit er wirklich trocken war, bevor ich auf die Wunden das Wundgel Lavanid auftrug.

Sogar das Föhnen läßt der rührende Hund sich anstandslos gefallen

Sogar das Föhnen läßt der rührende Hund sich anstandslos gefallen

Nach ein paar Tagen dieser Behandlung merkte ich allerdings, dass das desinfizierende Shampoo die Haut auch stark austrocknete, so dass die Wunden immer wieder aufrissen. Stattdessen verwendete ich nun im Wechsel eine stark rückfettende Ekzem-Seife von Joveg aus Pflanzenölen und ölte ihn anschließend mit dem Bio-Hautöl von Leovet ein, das Bioschwefelfluid, Ringelblume, Karotte und Johanniskraut enthält, bei Pferden mit Sommerkezem angewandt wird, die kaputten Hautstellen regeneriert und den Haarwuchs anregt. Damit löste ich gleichzeitig auf sanfte Art alle Krusten und konnte ihn massieren, ohne seine Haut erneut zu reizen. Tagsüber bekommt trägt er einen Body, um seine rohe Haut vor den noch immer sehr starken UV-Strahlen zu schützen, und der seiner Figur sehr schmeichelt. 🙂

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Taillenbetont im dunkelblauen Body

T-Shirts sind, wie wir festgestellt haben, nicht so praktisch, weil sie aufgrund seines breiten Brustkorbes XL sein müssen, was dann wiederum ein Problem ist, wenn er sein Bein hebt, denn so große T-Shirts hängen dann eher wie ein Nachthemd an ihm dran. Knoten lösen sich immer, und Gürtel verrutschen.

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Das T-Shirt muss hochgebunden werden, sonst wird es zur Robe

Die allerbesten Bodys sind die von hundumschick. Annette Vogel näht sie sofort, wenn der Auftrag eingegangen ist, und auch so, dass sie auch für langen Gebrauch einsetzbar sind: Mit einem Reißverschluss am Rücken (sehr gut für einen Hund mit Arthrose, der sich schwer tut, in einen Pullover einzusteigen), und einem Ausschnitt für die Teile, die üblicherweise für den Toilettengang frei bleiben müssen.

Rundum schick im OP-Body von hundumschick

Rundum schick im OP-Body von hundumschick

 

Mittlerweile, nach zwölf Tagen, geht es Jack sehr viel besser. Tatsächlich hat sich herausgestellt, dass er eine Schilddrüsenunterfunktion hat (daher auch der jährliche Haarausfall, der mit einem Ekzem verwechselt wurde). Seit ein paar Tagen wird er nun mit Forthyron supplementiert, was seiner Heilung zusätzlichen Schub verleihen sollte. Seine Haut hat sich sehr verbessert.

https://youtu.be/42b5p6uyhy8

Sah er vor fünf Tagen noch so aus

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,  ist seine Haut heute nur noch an wenigen Stellen entzündet und gereizt:

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An den dunklen Stellen auf der Haut wächst das Fell bereits nach!

 

Er bekommt jeden Tag den Wunderbrei von DogsCountry, der schon Amali nach ihrem Beinbruch so große Dienste für ihr Immunsystem geleistet hat. Er besteht aus Algen, Pollen und Eierschalenpulver und in Jacks Fall noch aus Silicea-Pulver. Zugefügt werden ein EL Wildlachsöl, ein halber TL Borretschöl, flüssige Kräuterhefe, Sahne und 1 EL Honig.  Die gemahlenen Algen (Ascophyllum nodosum) enthalten Spurenelemente und Mineralstoffe, außerdem können sie sich positiv auf die Pigmentierung der Fellfarbe und der Fellqualität auswirken. Blütenpollen sind ein natürliches Antibiotikum, die Hefe ist wichtig für die Darmflora, die durch den wahllosen Einsatz der verschiedenen Antibiotika vollkommen zerstört wurde, und die Kombination aus allem regeneriert die Haut, motiviert den Stoffwechsel. unterstützt das Fellwachstum und bringt es wunderbar zum Glänzen. Dadurch sieht er ein bisschen aus wie Dr. Jekyll und Mr, Hyde, der irgendwie in seiner Metamorphose stecken geblieben ist: Oben ist kaum noch Fell, aber das Fell dagegen, das noch vorhanden st, glänzt fantastisch.

Ein Haus voller super Krankenschwestern

Ein Haus voller super Krankenschwestern

Die anderen Hunde haben ihn mittlerweile voll akzeptiert. jack hat sogar Aufgaben übernommen: Wenn Amali ein bisschen zu doll mit Barthl spielt, geht er dazwischen (nicht ganz so leicht, weil er ja recht langsam ist, aber er bekommt das schon hin), er trennt auch, wenn sich Amali und Gretel blöd finden, und wenn er ein bisschen zu doll mit Barthl spielt, geht wiederum Nano dazwischen. Jack hat schon ein bisschen abgenommen. Je leichter er wird, desto besser für seine Hüfte und seine Arthrose, je besser er sich fühlt, desto mehr wird er sich bewegen und vermehrt Muskeln aufbauen, was wieder besser ist für seine Knochen, und wenn der ganze Dreck aus seinem System erst einmal ausgeleitet ist, kann er auch Schmerzmittel bekommen, was wiederum seine Bewegungen verbessern wird.

Das Leben wird bald wieder ganz und gar wundervoll sein für den alten Jack.

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34 Kommentare

  1. Danke, Sie sind einfach wunderbar und ein Hundeengel. Ich kämpfe mit Tränen der Rührung. Sie sind Jacks Rettung.
    Ich bin immer wieder entsetzt, wie Ärzte teilweise völlig gedankenlos bei Tieren und Menschen einfach so rumprobieren, obwohl es den Patienten überhaupt nicht besser geht. Bei einer behutsamen Behandlung wird meistens ein rascher Heilungserfolg erzielt, weil man auf den Patienten, egal ob Mensch oder Tier, intensiver eingeht. Gerade bei Hauterkrankungen ist das vonnöten. Ich verstehe überhaupt nicht, dass die Schilddrüsenerkrankung nicht erkannt wurde. Aber alles ist nun nebensächlich, denn Jack hat seine Heilerin gefunden. DANKE

    • Ach, ich weiß gar nicht, ob ich wirklich so engelsgleich bin: Mir tat der Hund einfach so leid (und seine verzweifelten Besitzer auch, obwohl sie sich vor Jacks zustand zu gruselten), und ich habe hier ja wirklich alle Möglichkeiten, die man braucht: Da haben Jack und ich einfach beide Glück. Und er macht es mir wirklich leicht, gibt sich große Mühe, sich anzupassen und ist wirklich ein wunderbarer Hund. Wenn wir ihn so hinkriegen, wie ich mir das erhoffe, hat er noch vier Jahre ohne Schmerzen und größere Probleme. Und das wäre doch wirklich toll.

  2. Hedwig Jost

    Der arme Jack. Mich schmerzt schon der Anblick der ersten Bilder. Umso schöner, wie er jetzt von ihnen versorgt wird. Ich habe das Gefühl, dass Jacks Erleichterung durch den Bildschirm zu spüren ist.

  3. Wow, du bist echt Jacks Engel in der Not. Ich bin froh dass du ihm helfen kannst. Ich drücke die Daumen dass alles so toll weiterläuft wie bisher!

    Liebste Grüße
    Dani mit Inuki und Skadi

  4. Socke-nHalterin

    Es ist müßig zu fragen, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Ich freue mich sehr für jack und bin froh, dass er seinen Weg zu Ihnen gefunden hat….

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

    • Naja, ältere Besitzer, die gleichzeitig wirklich gewaltige, schicksalshafte Aufgaben zu bewältigen hatten- und da fiel der Hund eine Weile lang wohl „hinten `runter“. Und sie glaubten eben ihrem Tierarzt – bis es dann eben völlig offensichtlich wurde, dass der Typ keinen Schimmer hatte, was er da eigentlich machte, sondern nur so vor sich hinpanschte. Ich hatte ihn übrigens angerufen und wollte wissen, was ihn eigentlich geritten hatte, dem Hund nach den ganzen Antibiotika auch noch ein orales Zecken -und ein Wurmmittel zu geben; da wollte er es wirklich auf die Besitzer schieben: Die seien eben beratungsresistent, und der Hund habe bestimmt eine Allergie auf Fleisch. Wirklich unglaublich.

      • Socke-nHalterin

        Herzlichen Dank für diese Informationen. Das ist natürlich eine schlimme Sache, vor allem wenn der Tierarzt…
        Da es jetzt für Jack eine gute Entwicklung und Zuversicht gibt, sollte man die Vergangenheit hinter sich lassen. Ich sende die besten Wünsche

        Sabine mit Socke

  5. Auch wenn Sie nicht engelsgleich sein wollen, ist das, was Sie wieder einmal für ein Bedürftige Tier tun auch ganz und gar wunderbar. Und funktioniert auch offensichtlich wieder mal hervorragend, was ja nicht selbstverständlich ist. Übrigens ist Alepposeife auch sehr mild und bei Hautkrankheiten genial, da sie nur aus verschiedenen Ölen und keinerlei Chemie besteht. Viele Grüße und weiter gute Heilung für Jack

  6. Einfach klasse. Hut ab, dass Sie sich des armen Jack angenommen haben, obwohl Sie auch so schon jede Menge um die Ohren haben.

    • Ach, ich arbeite ja an einem neuen Mantra: „Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluß…. Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluß…“ Wenn ich es mir oft genug vorsage, wird es doch bestimmt irgendwann wahr, oder?

  7. Es ist wundervoll so eine Geschichte zu lesen und zu spüren, dass es so viel Mitgefühl gibt .Katharina, du bist klasse. Gruss von Carola und Miahund , Gordon und Kleinsi.

  8. Dankeschön für diese Geschichte und Ihre Mühe für Jack.
    Nachdem die Kartoffeldiät nichts gebracht hätte, wäre er vermutlich in 2 Wochen eingeschläfert worden oder an einer Infektion gestorben. Der arme Kerl, was muss er gelitten haben.
    Ich wünsche ihm weiterhin gute Besserung und gute Erholung im Hundeparadies!!!
    Liebe Grüße, Tina.

    • Ja, so ganz abwegig ist diese Vermutung nicht. In den Gesprächen fiel mehrmals das Wort „einschläfern“. Aber wenn es so weiter geht, wie ich mir das vorstelle, hat er noch vier fabelhafte Jahre.

  9. Hallo Katharina, ich finde es unglaublich nett von dir, so hilfsbereit zu sein, das sind nicht viele, noch beeindruckender finde ich allerdings dein medizinisches Wissen. Vielleicht solltest du mehr daraus machen?!

    • Liebe Maria, das ist nicht so viel Wissen, als vielmehr Erfahrung und gefühlte 7000 Jahre gemeinsames Leben mit Hunden. Mich interessieren Haut, Ernährung und Heilung von innen so sehr, weshalb ich für alle meine Tierärzte immer so ein anstrengender Klient bin – weil ich immerzu frage und nachfrage und noch mehr frage und Ideen einbringe (aber ich widerspreche nicht; ich habe den Kram schließlich nicht studiert, sondern frage und frage und frage…) und meine Besuche dementsprechend furchtbar lange dauern. Aber die guten Tierärzte lassen sich darauf ein und entwickeln mit mir zusammen Strategien und Pläne, und dadurch kommen immer wieder gute Sachen heraus. – Meine Hunde haben ihrereseits auch Einiges dazu getan: Sie haben nie einfache Sachen (mit Würmern, kleinen Entzündungen oder sowas halten sie sich nicht erst auf), sondern immer irgendwas, wofür man mehrere Professoren gemeinsam bemüühen muss, die dann ihrerseits alle ihre Studenten um sich versammeln, weil die so endlich mal was Ungewöhnliches erleben. 🙂
      Ich wü0te nicht, was ich daraus machen sollte – vielleicht ein Reha-Hotel für Katastrophenfälle? 🙂

      • Ich dachte an eine Praxis, Beratung für „hoffnungslose Fälle“, aber dafür brauchst du in Deutschland eine Zulassung und du hast bestimmt genug anderes zu tun, so ist es auch bestimmt netter, gelegentlich zu helfen und wir können einfach schon durch deine Berichte viel lernen, ich danke dir!

  10. Mal wieder muss ich meine Hochachtung und meinen Respekt ausdrücken, Frau von der Leyen!!!

    Dass Sie so unglaublich leichte und amüsante Texte schreiben können und dabei auch noch sooo viel fachlich wichtiges KnowHow haben, dass Sie einen so schweren Fall von Ekzemen und Behandlungs-Fehlern so schnell helfen können, das alles ist schon wirklich beachtlich und verdient ausgesprochenen Respekt! Meinen haben Sie!
    Eine Schande, dass ein Tierarzt da solange NICHT helfen konnte, sondern im Gegenteil nur verschlimmern.

    Ich wollte gern wegen des Advantix nachhaken, da ich das meinen beiden auch schon dreimal verabreicht habe.
    Einmal vor zwei Jahren ‚vorsorglich‘ gegen Zecken. (Mache ich inzwischen nicht mehr. Zuerst tat’s auch Kokosöl und dann auch einfach gar nichts. Soo viele Zecken haben wir hier wohl gar nicht).
    Dann einmal vorsorglich wegen der Sandfliegen (?) im Urlaub in der Toskana. Dafür würde ich es wohl auch wieder nehmen, da habe ich von noch nichts anderem/ besseren gehört.
    Und das dritte Mal dieses Jahr wegen Flöhen (ich hatte noch Advantix-Rationen übrig).
    Dieses Jahr hatte Lotti allerdings das erste Mal Advantix bekommen und ich meinte nach der zweiten Behandlung (4 Wochen später) bei ihr vermehrtes Jucken darauf zurückzuführen zu können.

    Ich hatte sie dann gründlich gebadet und meinte, es wurde damit besser. Jetzt habe ich noch Exspot hier herumliegen, dass ich aber erstmal nicht mehr auftragen will. Ist zwar nur noch Permethrin, aber immer noch ein Gift-Spot-On.

    Was ist Ihre Meinung zu Advantix? Wieso war das bei Jack für Sie ein Schlüssel-Hinweis?
    Und welche Begandlungs-Methoden gegen Zecken, Flöhe (und leider akut auch Grasmilben) würden Sie empfehlen?

    Meine Tierärztin empfahl das letzte Mal Bravecto gegen Zecken, das oral verabreicht 3 Monate wirken solle. Da schauerte mir ja schon ein bisschen. Was muss da alles durch die Blutbahn gespühlt werden, damit es den Zecken nicht schmeckt?!

    Für Ihre Hinweise und Meinung dazu wäre ich Ihnen sehr dankbar. Paula und Lotti und vermutlich noch viele andere hier bestimmt auch!

    • Danke schön für die großen Worte – aber das mit dem Schreiben ist einfach ein talent, das ich geerbt habe, das ist also Glückssache. Und die Hundenummer ist auch genetisch; meine Großmutter war auch schon völlig gaga, was Hunde und Tiere überhaupt betraf. Eigentlich wollte ich ja Verhaltensbiologin werden, was meine Eltern aber zu verhindern wußten, aber jetzt, mit fortschreitender vergreisung kommt die wissenschaftlich-interessierte Ader halt immer stärker durch :).
      Es gab in der Vergangenheit immer wieder Fälle von schweren Ekzemen nach der Gabe von Advantix. Und nach meinen zahllosen Sherlock Holmes-Fragen wurde irgendwann deutlich, dass die Wurzel des Übels vom Genick ausging – und in der Nähe der Schwanzwurzel, und das macht ja auch Sinn: Einem großen Hund tropft man das Spot-On gewöhnlich ins Genick , und dann noch ein paar Tropfen oberhalb der Schwanzwurzel. und als ich nachfragte, stellte sich ja auch heraus, dass Jack Ende April ein Spot-On bekommen hatte. Wahrscheinlich fing das Ganze mit einem Hot Spot im Nacken an, aber weil er so schwere HD hat, kann er nicht in den ersten Stock – niemand hockt also versonnen beim Fernsehen und krault ihm den Nacken, bis er sich wundert, was das denn da im Nacken ist… Langer Rede, kurzer Sinn: Dass da (ganz bestimmt) etwas war, wurde eben übersehen, und im Gegenteil erst bemerkt, als das Ganze schon ziemlich üble Ausmaße angenommen hatte. Das in Verbindung mit einem Schilddrüsenproblem mulitpliziert die Erkrankung, denn der Hund hat extremen Stress dadurch, was für die Schilddrüse ganz schlecht ist; die Hautgeschichte und der Haarausfall werden immer schlimmer…

      Ich kenne viele „normale“ Hunde, die mit Advantix keinerlei Problem haben. Ich persönlich verwende lieber Parasiten-Halsbänder (Serresto) als Spot-Ons, weil – genau wie bei Bravecto – mir die Vorstellung, was da an Gift durch die Blutbahnen rauscht, unheimlich ist. Allerdings habe ich Nano bei seinem wiederkehrenden Milbenbefall auch Advocate gegeben, was die Milben (die natürlich auch ein Ausdruck von Streß und schwachem Immunsystem waren) dann auch erledigt hat.
      Wenn Lotti gleich mit Juckreiz reagiert hat, würde ich bei ihr auf Spot-Ons verzichten. So lange die Zecken- und Flohsituation nicht übermäßig dramatisch ist, verwende ich das Spray „Ballistol Stichfrei“. Das benutze ich auch selber, weil ich den ganzen Sommer in Shorts und Kleidern herumrenne und immer wieder mal Zecken und gräßliche Bremsenstiche habe.
      Gegen Grasmilben hilft das auch ganz gut, so, wie das Einreiben mit Kokosöl die Haut, die schon auf de blöden Grasmilben reagiert hat, gleich wieder beruhigt (ein anderer Trick ist es, nur auf gemähten Wiesen spazieren zu gehen). Bei Feeprotect.de gibt es eine Mischung aus Neemöl und Kokosöl, die sehr gut hilft, auch zur Abschreckung.

      Gegen Sandmücken hilft übrigens auch das Scalibor-Halsband, das sich auch die ganzen Tierschutzorganisationen immer nach Spanien schicken lassen.Dort ist man aufgrund der vielen immungeschwächten Tiere auch immer sehr vorsichtig mit Spot-Ons. Aber, wie gesagt: Viele Hunde vertragen sie sehr gut.

      ich hoffe, dass Ihnen das weiter hilft… Herzliche Grüße!

  11. Vielen Dank, ja, der Hinweis mit dem Ballistol Öl war gut. Natürlich habe ich davon schonmal gelesen, aber diesmal werde ich mir das besorgen und es ausprobieren.
    Dass mit den gemähten Wiesen hilft uns vermutlich nicht, denn ich glaube Lotti hat sich die Biester genau beim Graben auf einer frisch gemähten Wiese geholt, die wir vorher ganz regelmäßig abgeschritten sind.
    Allerdings kann es natürlich auch gerade jetzt genau die richtige Zeit für die Larven sein.

    Und sollte ich mal wieder in den Süden reisen, bin ich froh zu wissen, das Scalibor da auch wirkt. Das lese ich mir auch nochmal an.

    Vielen Dank für Ihre Hinweise!
    Und weiterhin viel Freude in der halbwegs neuen Umgebung, ich freue mich immer wieder von Ihnen und Ihrem Rudel zu lesen … hier, wie in der Dogs.
    Liebe Grüße

    • NICHT das Ballistol-Öl, sondern das Ballistol-Spray „Stichfrei“. Das Öl versrogt die Haut zwar, stinkt aber auch ziemlich und ist Ungeziefer ziemlich wurscht…

    • Liebe Anke,
      große, schwere Hunde leben ja grundsätzlich nicht so lange wie kleine, drahtige, leichte Hunde. Jack ist physisch recht alt. Er hat seit seiner Geburt schwere HD und vorne links eine so schwere Arthrose, die ihm Traben fast unmöglich macht. Sobald ich den ganzen Antibiotika-Mist ausgeleitet habe, fange ich an, ihm entzündungshemmende Schmerzmittel und MSM zu geben, in der Hoffnung, dass er auch hinten mehr Muskeln aufbauen kann, die seine Gelene entlasten. Ich fürchte aber, dass der Verschleiß seiner Gelenke schon so weit fortgeschritten ist, dass wir keine Wunder erwarten können. Und für einen Labrador ist zwölf wirklich alt, selbst, wenn er sein Leben lang gesund und sehr gut versorgt war.

    • Ach wo.Ich mache das, was jeder machen würde, wenn er den Platz hätte, und zufällig kenne ich mich mit Stoffwechsel-Sachen ein bisschen aus. Sie würden es doch genauso machen, wenn Sie könnten, oder nicht? Und man lernt ja auch so viel von solchen Fällen, was man dann wiederum weitergeben kann, wenn jemand ein ähnliches Problem mit seinem Hund hat.

  12. Ich finde so etwas einfach nur Klasse. Daran sollten sich viel mehr ein Beispiel nehmen. Leider sind die Werte in unserer Gesellschaft verloren gegangen.

  13. Der arme Jack sah ja wirklich übel aus, da kommen einem ja fast die Tränen 🙁
    Schön, dass Du sich seiner so angenommen hast

  14. Ich bin durch Zufall auf diese Seite gestoßen und bin froh das es so Menschen wie sie Frau Katharina von der Leyen gibt!!!!!!!!!!
    Ihr Artikel hat mich sehr gerührt und ich hoffe für Jack das er noch ein paar tolle juckfreie halbwegs schmerzfreie Hundejahre vor sich hat.
    Wie geht es denn Jack heute??? Wie geht es seiner Haut und der Arthrose???

    • Ach, liebe Mel, vielen Dank! Jack geht es wunderbar: Er durfte hier bleiben und sieht mittlerweile phänomenal aus. Können Sie z.B. hier lesen: http://www.lumpi4.de/neues-vom-miniberg/
      An der Arthrose, der ED und der HD können wir leider nichts mehr ändern, aber mittlerweile bekommt er sehr niedrig dosiert Kortison, das ihm sehr hilft, so dass er mit uns spazieren oder baden gehen kann. Er ist unglaublich fröhlich und ein sensationeller Schiedsrichter, wenn die anderen oder Gasthunde zu wild spielen – dann geht er grummelig dazwischen. Wir sind so froh, dass wir ihn haben!

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