Warum es so traurig ist, einen aggressiven Hund zu haben

Es ist nicht so leicht, einen aggressiven Hund zu lieben. Es ist anstrengend, weil man als Hundehalter dauernd  Situationen voraussehen und/oder meiden, verhindern oder managen muss, die den eigenen Hund veranlassen können, aggressives Verhalten zu zeigen – sei es die Futterzeit, die ihn unruhig werden läßt, andere Hunde oder die Ankunft von Besuch. Als Besitzer eines Hundes, dessen Verhalten unzuverlässig ist, sorgt man sich ständig, dass vielleicht etwas passieren könnte, obwohl man ständig auf der Hut ist, um genau dies zu verhindern. Es kann schwierig oder sogar unmöglich sein, sich mit Anderen zum Hundespaziergang zu treffen, eine kleine, schnelle Pieselrunde zu Stoßzeiten im Park zu machen oder die Familie über Weihnachten zu besuchen. Aber das schlimmste daran, einen “aggressiven” Hunde zu haben ist vielleicht, dass andere den “wahren” Hund – den, den man liebt – nicht zu sehen bekommen.

Denn sie bekommen nur den Hund zu sehen, der andere wie verrückt anbellt oder sich wie ein Wahnsinniger an der Leine gebärdet, wenn er andere Hunde oder Jogger sieht. Sie sehen eine knurrende, geifernde, kläffende Kreatur, die irgendwie nur wenig Anlass gibt, sie kennen lernen zu wollen. Sie sehen nicht den weichen, fröhlichen, schmusigen Hund, der abends mit Ihnen auf dem Sofa kuschelt. Sie sehen nicht den Hund, der Sie zum Lachen bringt, wenn er sich selbst sein Plüschtier hochwirft, um es mit absurdem, aber unglaublich charmantem Gesichtsausdruck und akrobatischen Bewegungen wieder aufzufangen, vollkommen begeistert über sich selbst. Sie erleben nie, wie unglaublich artig und wohlerzogen dieser Hund zuhause ist, wie hinreißend mit den Kindern, und dass er alles stehen und liegen läßt, wenn Sie rufen, und angerannt kommt, um alle möglichen Kunststücke zu machen.

Ich habe so, so viele Hunde mit aggressiven Verhaltensweisen erlebt in meinem Leben und wünschte, man könnte ihnen ein Schild umhängen, auf dem steht: “Abgesehen davon, dass ich beiße (oder belle, oder knurre, oder gröle oder schnappe), bin ich normalerweise ein absoluter Engel.” Viele Hunde, die sich in der Öffentlichkeit oder angesichts Fremder oder fremden Hunden nicht gerade als Vorbild präsentieren, sind weich und freundlich und wunderbar in den meisten anderen Situationen und in der Familie, inklusive den Kindern und der Katze. Wenn man einen Hund hat, der immer wieder aggressive Verhaltensweisen zeigt, ist verletzend, dass fremde Leute seine liebenswerte Seite nie zu sehen bekommen und ihn und einen selbst aufgrund seines Verhaltens verurteilen. Denn eigentlich ist auch dieser ein wunderbarer Hund.

 

27 Kommentare

  1. Schön zu wissen, das es anderen Hundebesitzern auch so geht. Danke für die aufbauenden Wort!

  2. Bis auf diese Ausnahme IST sie ein wunderbarer Hund. Und mit meiner Zuversicht, Training und Liebe werden wir aus das wieder hinbekommen. Nur nicht aufgeben auch wenn es schwer ist zuweilen ❤️ Menschen haben auch schwierige Phasen, ich stehe ihnen bei. Immer.

    • ich glaube gerade diese lieben wir; denn sie lehren uns viel viel über uns selbst; wenn man es zulässt und versteht.

  3. ich habe die Einen der auf Aussenreize stark reagiert und der sich schon als Welpe nicht anfassen und pflegen lassen wollte.Wir wollten ihn abgeben es war aber da wo er hinwollte gerade kein Platz frei war haben wir gesagt ok ins TH geht bei uns KEIN Hund also nutzen wir die Zeit abzuchecken was geht und arbeiten dran.Ich muss dazusagen wir haben keine Kinder und alle Erwachsenen waren einvestanden; abgeschnappt mit sichtbarer blutender Wünde hatte nur ich davon getragen.Draussen nur mit MK bis klar war er ist ein unsicherer Hund der eher nach hinten geht.Nach zwei Jahren die nicht leicht waren haben wir einen Hund der sehr verschmust ist; draussen schon lange ohne MK läuft weil er neugierig auf grosse und kleine Menschen zugeht und an Aussenreize inzwischen gut angepasst ist.Er bekommt ein Mineralpäperat und ich achte auf Kohlehydrahte.Gibt es Stress gibt es auch mal was mehr an Futter.Braucht er dann auch
    Seit ich mich FÜR ihn entschieden habe ist er sehr anhänglich.Wo es übergriffig wird achte ich drauf ihm auch Grenzen da zu zeigen.Ich liebe diesen Hund .Noch nie habe ich mir Vertrauen so sehr verdienen müssen.Dennab macht auch viel falsch bei so einem Hund.Noch dazu wen. man poltern und rüpeln mit Selbstbewusstsein verwechselt.Er schmust gern ist mit mir auch körperlich sehr nah.Bestimmte Pflegemassnahmen werden mit MK gemacht zum Schutz für beide Seiten.Denn er hat wenn er sich bedrängt fühlt man ihn festhält beim Bürsten beim Pfotensaubermachen immer noch mangelnde Impulskontrolle.Er löst dann aus und guckt selber erschrocken über sich selbst.Er liebt meine Schwiegermutter heiss und innig.Als die 87 jährige geschwächt aus dem Krankenhaus kam wich er nicht von ihrer Seite .Draussen die ersten Schritte lieg er ganz stolz nebenher.So einen Hund kann man doch nicht weggeben.Er hat auch Kontakt zu anderen Hunden aber ausgewählt.Ich kann ihn gut lesen und wenn ihm ein anderer Rüde Angst macht gehen wir einfach weiter und anderen Rüpeln weichen wir inzwischen aus.Er braucht dabei das Gefühl das ICH das regele .Ich habe viel mit anderen Haltern gesprochen.Die kannten unsere vorherigen 4 Collies nur als lieb und super erzogen.Erzogen ist er auch der hört ; kann frei laufen und kommt zuverlässig.Das war nie das Thema.Ich bin froh das wir von unserem Grundsatz ein Hund der heisst kann nicht bleiben abgewichen sind.Es gibt gute und weniger gute Tage ; seit ich den Hund aber so nehme und sehe wie er ist ; etwas anders als die die ich bisher hatte geht es uns gut.Ich liebe ihn.Und seit er sich unserem Altrüden inzwischen angemessen nähert; kommt es vor das der 11Jahre alt seine Zurückhaltung vergisst und den kleinen Wilden zu ner Toberunde im Wald auffordert.Da geht dann mein Herz auf und es ist wahr geworden was wir wollten als der als Welpe kam LEBEN in unserem kleinen Rudel.Denn der Oldie war sehr krank und zog sich immer mehr zurück.Aber das hat sich Alles gewendet .Aber es waren drei sehr anstrengende Jahre.Wo es hingeht keine Ahnung.Wir nehmen es jeden Tag wie es kommt.Denn das zeigen beide Hunde ganz deutlich.HEUTE ist das was zählt.

    • Hallo, was hast du denn für einen Hund und woher kommt er? Das hört sich 1 zu 1 nach meinem an….. Wir haben die selben Probleme und mir blutet jedesmal das Herz wenn wieder jemand zu mir sagt das er ein aggressiver Beißer ist.
      Da es vor zwei Jahren ein wurf von 11 Welpen war und wir bisher nur ein Geschwisterchen finden konnten wird man bei so einem Text natürlich hellhörig.
      Lieben Gruß

  4. Sorry beim Lesen fallen mir die vielen Fehler auf; bin sehr berührt gewesen beim Schreiben. Hoffe man versteht es trotzdem.Danke.

  5. Cornelia Arnhold

    Ihre Zeilen erinnern mich an 10 lehrreiche Jahre mit meiner Stafford-Hündin Paula. Nach dem Tod des kleinen Volkan in Hamburg führte ich einen Kindermörder an der Leine. Das war nicht angenehm. Aber die einsamen Waldspaziergänge ohne Leine waren wunderbar entspannt , Rehe in Sichtweite konnten weder Paula noch mich aus der Ruhe bringen. Jetzt habe ich Windhunde, 2 Whippets/2 Galgos. Von Besuchern, fremden Kindern und sogar Passanten auf der Straße lassen sie sich gern streicheln und alle beneiden mich um diese freundlichen wunderschönen Hunde. Mit den entspannten leinenlosen Waldspaziergängen ist es allerdings vorbei. Zu Reh,Hase&Co. sind sie gar nicht freundlich. So kommt man vom Regen in die Traufe… :))

    • Weil es ein Foto von einem fröhlichen, spielenden, gutgelaunten Hund ist. Hätte ich einen Schäferhund abgebildet, oder einen Rottweiler, Dobermann, Pekingesen, Schnauzer, ein DeutschDrahthaar, DeutschKurzhaar, Shperherd, Herdenschutzhund oder ähnliches, hätte ich genau den gleichen Vorwurf bekommen. Hätte ich einen Havaneser genommen, wäre ich gefragt worden, was diese Rasse denn mitdem Thema zu tn habe, und ob ich etwa unterstellen wolle… Hätte ich einen Pudel genommen, hätte ich die gesamte Pudel-Community im Nacken gehabt, die sich beschwert hätten, ihre Hunde seien aber gar nicht aggressiv. Egal, was für einen Hund ich abgebildet hätte: Irgendwer wäre beleidigt gewesen. Der Hund auf dem Foto ist toll das ist alles. Es ist ein Foto eines Hundes aus dem amerikanischen Tierschutz, daher die kupierten Ohren. Zum Text haben Sie nichts zu sagen? Der ist doch viel wichtiger.

  6. <3 von Herzen vielen Dank!
    Wie schön, dass Sie uns erinnern, dass wir nicht alleine sind mit diesen doofen Gefühlen!

  7. Katrin Göldner

    Vielen Dank für den Artikel.. so ist es ganz genau.. unser Fiete, wohl Straßenhund, aus Rumänien, kam als ängstlich eingestuft, zu uns. Tatsächlich hat er einen riesen Trauma Rucksack mitgebracht, den er nach kurzer Zeit anfing auszupacken. Er bieß eine Freundin, mich und lief von da an viele Monate nur ausnahmsweise ohne MK. Wir wollten ihn abgegeben, wir konnten uns ein Leben mit ihm, mit seine Unberechenbarkeit nur schwer vorstellen. Unsere anderen Hunde waren ebenfalls sehr verunsichert ob seiner Attacken, seine wilden Angriffen auf alles was uns auf Spaziergängen entgegen kam… Autos, Menschen, Schatten, Wind.. alles gefährlich, alles machte ihm Angst.. und das es Angst war und ist, was ihn so reagieren läßt, das haben wir zu erkennen gelernt. Wir hatten zum Glück Menschen , die uns ( aus der Entfernung) begleitet haben, uns Mut gemacht haben. Und.. es war klar, das er nach den Beißvorfällen ehr keine neue Chance auf ein Zuhause gehabt hätte und das wollten wir dann doch auf keine Fall. Ich habe gelernt meine Angst zu akzeptieren, habe mich Stück für Stück meinem Trauma genähert , habe ihm ” verziehen” und durfte den Fiete hinter dem Fiete kennen lernen.. und der ist genau so, wie Sie es geschrieben haben, witzig, kuschelig, sehr, sehr schlau, zärtlich, loyal . Wir haben nun eine Trainerin, die spezialisiert ist auf solche ” schweren” Fälle, mit ihr werden wir sicher auch einen Weg finden, der es uns ermöglicht mal wieder Besuch in unserem Haus zu empfangen .. Ich kann für mich sagen, das ich diesen Hund sehr lieb gewonnen habe, ich würde diesen Weg, freiwillig, nicht noch einmal gehen, aber für nun, jetzt und die Jahre, die wir zusammen haben, ist es eine Herausforderung, aber auch ein Geschenk.

  8. Was für ein wunderbarer Artikel. Er spricht mir wirklich aus der Seele.

    Ich hab einen Jack Russel Mix namens Sam, und er ist ein wirklich wunderbarer, lustiger, verspielter, verschmuster, alberner, liebenswerter Hund. Zumindest für mich und meine Familie. Den draußen wird mein Clown zum absoluten Killer, sobald er fremde Hunde sieht. Und er meint es ernst, aber so richtig. Die Leute machen einen großen Bogen um uns und schütteln den Kopf. Inzwischen kann ich damit umgehen und habe Sam so akzeptiert, wie er ist, anfangs hat es mich aber schon sehr belastet. Vor allem weil meine beiden anderen Hunde, Nora und Rico, ganz anders sind. Die lieben alles und jeden. Aber so hat halt jeder seine “Macken”.

    Auch mit fremden Menschen hat er nicht wirklich viel am Hut, die ignoriert er gekonnt.

    Auch mit Stress kann er nicht umgehen und reagiert auch dort teilweise mit aggessivem Verhalten. Niemals mir gegenüber, wirklich absolut niemals, aber sowohl mein Mann als auch mein Bruder und Vater wurden schon angeknurrt. Aber auch damit wissen wir nun umzugehen und holen ihn aus (für ihn) stressigen Situationen raus. Sehr gute Dienste leistet uns hier eine große Transportbox (die eigentlich fürs Auto sind). Dort kommt er bei Familienfeiern oder wenn wir viel Besuch haben rein, dann kann er trotzdem bei uns sein, fühlt sich aber sicher.

    Er ist gewiss kein einfacher Hund, und viele können wahrscheinlich nicht verstehen warum ich ihn trotzdem so liebe, aber er ist Teil meiner Familie, so wie er ist. Denn wenn wir unter uns sind, ist er ein absoluter Engel. Und das ist für mich das wichtigste.
    Liebe Grüße
    Jasmin

  9. Auch unser Hund, ist ein Hund mit Vorgeschichte. Als er zu uns kam, war er sehr unsicher, hatte Angst vor vorbeifahrenden Autos. Schnelle Bewegungen konnte er nicht einschätzen und knurrte um sich zu schützen. Nach nun 9 Monaten Zusammenlebens haben wir große Fortschritte gemacht. Er ist weitaus entspannter geworden. Auch wir füttern mehr Kohlenhydrate, einfach um die Stresssituationen besser Händeln zu können. Was bzw. wen er nicht mag, sind Nachbars Goldenretiever. Anfangs war es mir peinlich, wenn er sich so aufspielte und den Damen den Marsch blies. Mittlerweile gehen wir an dem Grundstück einen großen Bogen, damit er die Chance bekommt die Hunde zu ignorieren. Ich bin ihm auch nicht böse, wenn er den Besuch anknurrt. Man sieht ihm an, das er die Situation nicht einschätzen kann. Ich helfe ihm, in dem ich ihn in seine Box schicke. Ein guter Platz um alles im Auge zu behalten und doch sicher zu sein. Was wir durch eine Röntgenaufnahme festgestellt haben, das unser Lenny angeschossen wurde. Ein Projektil steckt noch in seinem Oberschenkel. Ich denke, wenn einem so etwas angetan wurde, darf man Fremden gegenüber misstrauisch sein und seinen individuellen Raum schützen.
    Vielen Dank für diesen schönen Artikel.
    P.s. Ich habe auf dem Bild einen witzigen, lachenden Hund gesehen, der einfach tierischen Spaß hat.

  10. Der Artikel erinnert mich an meinen geliebten Obelix. Das traurigste für mich war, dass jeder froh und erleichtert war, als er starb. Und dabei hat er so ein großes Loch in meinem Herz hinterlassen. Er wird mir immer fehlen.

    • Ich weiß (leider) wie heftig es ist, wenn ein geliebtes Wesen geht. Egal, was andere sagen, wichtig ist, was du fühlst, das weiß dein Obelix und nur das zählt! Kopf hoch 😉

    • Mein Herzenshund (13 1/2) ist ein munterer und äußerst charmanter Bursche, den alle lieben- wenn sie ihn kennen. Da er mit fremden Rüden oft nicht “kann”, meckert bzw. pöbelt er schon mal. Aber das stört mich nicht, ich gehe dann ruhig weiter, sage ein paar “Zauberworte” zu ihm und der Drops ist gelutscht. Was alte Tanten mit ihren unerzogenen Tölen dann über meinen Hund sagen, überhöre ich. Dumme Menschen können halt nichts für ihre intellektuelle Begrenztheit. Das weiß auch jeder kluge Hund. 😉

  11. Schwierige Hunde sind meist die perfekten Lehrmeister. Hat man das komplette Leben mit diesem Hund gemeistert, ist man der beste Hundeprofi für all die Hunde, die noch kommen werden. 😉
    Man ist “gezwungen” Hundesprache etc. zu deuten, umzusetzen und zu verstehen; zu führen und absolut konsequent zu sein.
    Und mal ehrlich, jede Medaille hat zwei Seiten: mit einem charakterstarken Hund an der Leine kann “frau” ,meinetwegen auch nackt , durch die Gegend laufen ohne Gefahr, evt. überfallen zu werden. 😉 Scherz beiseite, denn genau die Eigenschaft, die ich bei meinem Aussie am meisten versucht habe zu “korrigieren”, die war, die ich, als ich mutterseelenallein mit meinen 2 Therapiehunden (Bulldogge und Windhund) im Wald ,spät abends, verfolgt wurde (und schon echt “Muffensausen” hatte ;)) am meisten vermisst habe. 😉

  12. Wundervoller Text. Sie sprechen mir aus der Seele. Mein Großer (33 kg) ist gegenüber den meisten Hunden aggressiv und hängt sich wie ein Monster in die Leine. Zuhause ist der so wundervoll und liebevoll. Der Beste Hund für mich. Mein bester Freund und treuer Begleiter seit 11 Jahren. Er ist so zart und liebevoll zu meiner Tochter und auch zu unserer kleinen Hündin (2,5kg) meine Nachbarn mit Hund haben Angst vor ihm und fragen oft, wie das so klappt mit meiner Tochter (4 Jahre) oder der anderen Hündin und ich wünschte sie könnten ihn mal einmal so erleben wie wir ihn erleben. Sanft und voller Liebe ❤️

  13. Ich reihe mich ein bei den Besitzern eines aggressiven Hundes.
    Ich habe lange über diesen Text nachgedacht und er ging mir nicht aus dem Kopf, weil er einfach so zutreffend ist. Mein Hund (30kg, Stafford-Mix) hat mich viel Zeit, Geld, Nerven und Tränen gekostet. Andere hätten diesen Hund längst aufgegeben – einen Hund, der jede Regung am Horizont als anderen Hund und damit als Problem erkannt hat, um sich sofort zähnefletschend, geifernd und brüllend in die Leine zu werfen, dann nach hinten zu zerren, um sich aus Halsband um Geschirr zu winden und das Problem sofort zu vermöbeln. Er hat andere Hunde verletzt und mir wurde mehr als einmal mit Anzeige gedroht. Es schien unmöglich, mit ihm zu arbeiten, gleichzeitig war ich die asoziale Tussi mit dem Kampfhund, der man das Leben schwermachen musste – man ließ mir etliche Male unangeleinte Hunde reinrennen, um eine Beißerei zu provozieren, damit man mich anzeigen kann.
    Keiner konnte in diesem geifernden Zahnbündel die liebenswerte Schmusebacke sehen, die allabendlich auf meinem Schoß hockte und nur eng angekuschelt unter der Decke einschlafen konnte. Es war nervenaufreibend und frustrierend, dass mein Hund nur als boshafte Bestie, nicht aber als liebenswerter Hund gesehen wurde.
    Aber was uns nicht tötet, macht uns stärker, nicht wahr?
    Er wird nie ein völlig zuverlässig und entspannt sein, aber er ist mit viel harter Arbeit ein vorhersehbarer, steuerbarer Hund geworden. Wer etwas Ahnung hat und uns einige Male gesehen hat, erkennt schnell an, dass wir ein tolles Team sind und ich meinen Stinker super im Griff habe. Und alle anderen? Sind mir sowas von egal geworden… Was mich früher verletzt hat, prallt nun einfach an mir ab, ich kann hocherhobenen Hauptes spazieren gehen. Wenn sie meinen, panisch die Straßenseite wechseln zu müssen, wenn ich komme, bitte! Weder mein Hund noch ich würdigen solche Leute auch nur eines Blickes. Boshafte Kommentare bekommen eine passende Antwort oder Geste – diese Leute denken stundenlang darüber nach, ich kann nach nur wenigen Sekunden wieder lächeln und mit meinem Kasperkopf spielen.
    Seitdem habe ich sehr viel mehr positive Kontakte als zu der Zeit, da ich meinen Hund unsicher in irgendwelche Nebenstraßen gezerrt habe, um ihn ruhig zu halten. Er profitiert von meinem neuen Selbstbewusstsein und zusammen beeindrucken wir die Leute mit seiner guten Erziehung.
    Mittlerweile gehe ich nur noch gut gelaunt durch die Welt – zuhause ist meine Knutschkugel eine Knutschkugel, draußen habe ich die Konfliktlösung übernommen und es ist mir egal, was andere von mir halten. Das hat unser Leben sehr viel entspannter gemacht.
    Wenn ich noch einmal wählen könnte und wüsste, worauf ich mich einlasse – wieviel Zeit, Nerven und Tierarztkosten der Schlumpf mich kosten wird und wie schwer mein Leben mit ihm wird… ich würde ihn mit dem heutigen Wissen jederzeit wieder übernehmen. Ich wäre allerdings sehr viel selbstbewusster 😉

  14. m. schneider

    schöner text!
    in unserer zeit wird aber auch viel mehr von hunden erwartet.
    als ich noch ein kind war(bin nun mitte 40), hatten meine großeltern immer hunde(u.a. auch wegen mir). es waren setter: unerzogen, unterfordert(leider….), aber die total gutmütigen familienschnuffels. ich konnte als kind alles!! mit ihnen unternehmen. hauptsache es war etwas los. haustürklingel-kein bellen, kein problem: es kommt besuch, juhuu-action! usw.

    ABER: an der leine: die totalen teufel. leinenagressiv, wild, böse, gefährlich… bei begegnungen habe ich die leine manchmal um bäume oder laternen gewickelt…..

    im nachhinein mit vielen Jahren abstand:
    – in unserem fall, wäre mit richtiger erziehung sicher schnell abhilfe zu schaffen gewesen
    – hätte ich jetzt einen hund mit entsprechendem verhalten würde ich nicht ohne MK rausgehen.

    der langen rede kurzer sinn, worauf ich hinaus will:
    es hat damals niemanden gestört. die “viecher” 😉 waren halt so….
    wir haben eher ländlich gewohnt, spaziergänge halt nur an der leine und freilauf auf dem grundstück, basta.
    ich wäre nie auf den gedanken gekommen, dass das verhalten der tiere nicht o.k. war, weil nie jemand komisch reagiert hat. meinen großeltern gegenüber war auch nie jemand komisch. wir hätten nie irgendeinen weg gemieden, weil der hund an der leine getobt hat…..

    ich will das jetzt um himmels willen NICHT gutheißen, aber ich finde es schade, dass man als besitzer heute schräg angesehen wird, wenn der hund nicht perfekt funktioniert….

    mein jetziger hund ist frei von aggression und ja ich freu mich darüber, er hört auch gut und ist verschmust. ich gebe aber gerne zu, dass es nicht nur mein verdienst ist.
    so wie menschen unterschiedlich sind, sind es halt auch unsere hunde!
    Gibt es nicht auch menschen, die man nicht mag, die sich aber nach kennenlernen vielleicht als liebevolle familienmenschen und verlässliche freunde entpuppen?
    deshalb sollte man nicht über einen hund oder dessen besitzer urteilen, wenn man ihn nicht kennengelernt hat!

  15. Danke für den schönen Artikel! Meine kleine Terrierhündin hat leider einen Hirntumor und hat sich innerhalb von wenigen Wochen einem menschfreundlichen, fröhlichen Wirbelwind zu einer umsichbeisenden kleinen Furie. Das ist schwer für alle Beteiligten und so schwer zu begeifen. Dein Artikel hat mich gerade klar gemacht, wo der eigentliche Schmerz herkommt. Danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*