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Wenn man mal genau darüber nachdenkt, ist es eigentlich ein Wunder, dass wir uns mit Hunden so gut vertragen. Das liegt wahrscheinlich vor allem daran, dass unsere beiden Spezies so ungeheuer anpassungsfähig sind, denn wir kommunizieren so völlig unterschiedlich: Während wir Menschen uns auf Worte verlassen, achten Hunde vor allem und zuerst auf unsere Körpersprache. In ihrem großartigen Buch „Das andere Ende der Leine“ sagt Patricia McConnell in der Einleitung: „Hunde sind brilliant darin, die kleinsten unserer Bewegungen wahrzunehmen, und sie nehmen an, dass jede dieser feinen Bewegungemeine Bedeutung hat.“ Kein Wunder, dass sie uns ständig missverstehen.

Die Leute, die am erfolgreichsten im Umgang mit Hunden sind, sind die, die am konsequentesten ihre Kommandos mit ihrer Körpersprache verbinden.

Während wir unseren Hunden beibringen können, einige unserer ziemlich bizarren Primaten-Verhaltensweisen zumindest schätzen zu lernen, sollten wir lernen, die Körpersprache unserer Hunde besser zu verstehen und einzusetzen: Es wird unsere Beziehung unendlich verbessern und vertiefen, und die Erziehung vereinfachen, weil wir viel besser verstehen, wie der Hund eigentlich tickt.

McConell beschreibt einen Vorgang, den sie „Body Blocking“ nennt, was nichts anders bedeutet, als dass man sich dem Hund in den Weg stellt. Hunde untereinander machen das häufig; je nach Anlass eine kleinere oder größere Geste, um einen anderen Hund an etwas zu hindern – und von Hunden hervorragend verstanden wird. Wenn Ihnen also z.B. lauter Käsestangen herunter fallen, müssen Sie nicht „Halt, nein, stop, lass’ das!“ brüllen und mit den Händen fuchteln – sondern einfach ruhig und bestimmt vor die Käsestangen treten, die Hände ausbreiten und in einem neutralen Tonfall „Stop!“ sagen
(das „Stop“ deshalb weil Sie auf diese Weise die körpersprachliche Vokabel mit einem Wort verknüpfen und später nur noch „Stop“ sagen und die Handflächen zeigen müssen).

Ihr Hund wird wissen, was Sie meinen. (Außer, er ist ein Labrador.Die sind anderen Hunden gegenüber zumeist nicht sehr rücksichtsvoll.)

Im folgenden Video sieht man, wie Pixel und Nano versuchen, den Labrador Winnie daran zu hindern, sich Gretel zu nähern. Weil sie Winnie gut kennen, versucht zumindest Nano, die Situation locker und verspielt zu halten, während Pixel sehr viel direkter vorgeht, und sich anschließend auch immer wieder schützend über Gretel stellt. Nachdem Winnie sich aber überhaupt nicht abhalten lässt, versuchen die beiden anderen, ihn abzulenken, indem sie sich vermeintlich für den Wachtelstall interessieren – was auch nichts nützt.

In dem nächsten Video nordet Nano Pixel ein, weil der ihn bei der Verfolgungsjagd schmerzhaft in die Seite zwickt. Es sieht ernst aus, wobei Nano Pixel in Wirklichkeit nicht einmal berührt hat. Aber er lässt den frechen Pixel anschließend eine ganze Weile nicht aufstehen, bis Pixel ausgiebig demonstriert hat, dass er sich jetzt etwas respektvoller und bescheidener verhalten wird. Anschließend ist alles wieder gut, niemand ist nachtragend, und der Tag kann weiter gehen.

3 Kommentare

  1. Danke, das war sehr interessant.

    Ihr Hunde kommunizieren wirklich glasklar. Da sieht man, dass sie das regelmäßig üben dürfen und durch viele Hundekontakte ein gutes Maß gefunden haben.
    Ich wünschte es gäbe mehr solch geübte Hunde und weniger von denen die an der Leine keifend und kläffend weiter-gezerrt werden: “…er kann nicht mit Rüden.” “…sie kommt aus dem Tierheim.” NEIN!!! SITZ!!! AUS!!!” “… magst du den nicht?” “… das macht die sonst nie”.

    Viele Grüße, Jenni. 😉

  2. Das größte “Problem” ist, dass nahezu jeder der Meinung ist, einen Hund besitzen zu können.
    Oft wird die Erziehung ja in den ersten Monaten schon verbockt und man muss im Anschluss lange kämpfen, die Erziehung wieder gerade zu biegen.

    Daher ein guter Artikel der zeigt, dass man mit Ruhe und Bestimmtheit viel mehr erreicht, als mit komischem Fuchteln und rumbrüllen!

    Liebe Grüße Christian

  3. Das Problem ist wohl eher das die meisten oder zumindest sehr viele Hundebesitzer gar nicht sehen was da abgeht. Im ersten Video würden viele nur denken die Hunde spielen doch und im 2ten Video würden viele in Panik ausbrechen das die Hunde sich ernsthaft angehen.
    Im 2ten Video könnte es für einen Hund der nicht gut kommunizieren kann tatsächlich brenzlig werden.
    Leider treffe ich hier immer wieder Hundebesitzer die überhaupt nicht sehen was zwischen den Hunden abgeht und viele Hunde die sozial nicht sicher sind. Die schlicht übersehen das kein Kontakt gewünscht ist(vom Hund)oder sich in einer Art annähern die man wohl als sehr Respekt und distanzlos nennen kann.
    Und die vielen Hundebesitzer die ihrem Hund in keinster Weise eine Stütze oder Führung sind, besonders bei unsicheren Hunden. Wie oft habe ich schon gehört, da muß er/ sie durch oder das machen die schon unter sich aus.
    So weit es geht vermeide ich deshalb den Kontakt mit mir unbekannten Hunden oder wenn ich sehe das die Leute nicht in der Lage sind ihren Hund halbwegs kontrolliert mit einem fremden Hund zusammen zu lassen.
    In ca. 90% der Begegnungen sehe ich schon vorab bevor der fremde Hund da ist ob das gut geht.
    Aber zum Glück gibt es hier auch ein Auslaufgebiet in dem so gut wie nie Hunde auftauchen die nicht kommunizieren können. Oder Hundebesitzer denen es egal ist was ihr treibt.

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