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Nichts ist kälter als ein kaltes Herz

bildvom 20.12.2009
Fast jeden Tag komme ich mit meinen Hunden an einem Obdachlosen vorbei, der auf einer Brücke bettelt. Neben ihm liegt sein großer, kurzhaariger Hund unter vielen Decken zusammengerollt, und wenn er aufsteht, sieht man, dass er einen Wollpullover trägt: Keinen maßgestrickten Hundepullover in modisch attraktivem Muster, wie Harry und Fritz sie bei passender Temperatur gerne vorführen, sondern einen alten Männerpullover. „Den braucht er, weil ihm so kalt ist, wenn wir hier draußen lange sitzen und arbeiten”, erklärte Gerhard mir. Sein Hund Linko ist der Grund, warum er nicht „manchmal verrückt wird vor Alleinsein”, sagt er.
Hunde sind für Obdachlose ihre Freunde, ihre Familie, oft das letzte Lebewesen, das sie wirklich braucht, sie nicht beurteilt, dass ihnen einen Bezug zur Gesellschaft vermittelt. Viele Sozialarbeiter erzählen, dass sie an manche verelendete Obdachlose überhaupt nur noch über ihre Hunde herankommen. Diesen Hunden geht es meist gut- sie sind nie allein, werden sehr ernst genommen und sind erstaunlich gut erzogen. Trotzdem mache ich mir immer Sorgen: Dass die Hunde wie ihre Menschen ungenügend ernährt werden, nicht genug Wasser oder medizinische Versorgung bekommen. Ca. 20.000 Menschen in Deutschland sind obdachlos, etwa 10% von ihnen haben wenigstens einen Hund. Für sie ist es schwierig, Hundefutter, Arzneien oder ein Dach über dem Kopf zu finden.
Wenn es richtig kalt wird, tragen meine Windspiele dicke Anoraks mit Fleece-Rollkragen, bevor sie wieder ins Auto auf ihre Thermodecken hüpfen. Gerhards Hund Linko trägt noch immer den gleichen Pullover und liegt unter den gleichen Decken, sieht aber auf jeden Fall wärmer aus als Gerhard, der für sich nur eine dünne Decke beansprucht. Linko wird weit besser versorgt und gefüttert, als Gerhard für sich selber sorgt, und nachts hält Linko seinen Freund Gerhard warm, wenn sie beide unter irgendwelchen Brücken schlafen. Was machen sie, wenn es noch kälter wird?
In den offiziellen Notschlafstellen, Verweilstätten und Obdachlosenheimen werden Hunde nicht geduldet, und so erfrieren jedes Jahr immer wieder Obdachlose mitsamt ihren Hunden, weil sie sich nicht von ihren Tieren trennen wollen – was wäre denn auch die Alternative? Das Tierheim etwa? In Düsseldorf stellte der offensichtlich wundervolle Oberbürgermeister Anfang 2009 ein riesiges, beheiztes Schlafzelt für Obdachlose bereit, in dem es nicht nur ärztliche Betreuung und heisse Getränke gab, sondern auch die Hunde willkommen waren. Die Berliner Stadtmission erlaubt auch Hunde: „Das ist kein Problem, die Hund sind ganz ruhig, das sind ja keine verzogenen Schoßhündchen”, sagt einer von der Obdachlosenhilfe. Fast überall arbeiten die Obdachloseninitiativen mit Tierärzten zusammen, um die Hunde von Obdachlosen zu zu impfen, zu sterilisieren oder anderweitig medizinisch zu versorgen. Das Projekt „Underdog” in Essen stellt eine mobile Tierarztpraxis, um auch Menschen zu erreichen, die aus dem üblichen Hilfesystem längst herausgefallen sind. Von der „Tiertafel” (www.tiertafel.de) bekommen Obdachlose Futter und Decken bei den Ausgabestellen, die es zumindest in fast allen größeren Städten gibt.
Alle diese Projekte sind auf Spenden angewiesen. Könnten Sie bitte mithelfen? Mit Decken, Schlafsäcken, Futterspenden, Hundemänteln, alten Pullovern und/oder Geldspenden an Obdachlosenorganisationen in Ihrer Stadt, an die Tiertafel, oder, wenn das schneller geht, an die Obdachlosen direkt, wenn Sie wissen, wo die stehen oder „wohnen”. Es ist doch Advent. Wann denn, wenn nicht jetzt.

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