Die Nackten und die Pfoten

bild vom 19.7.2009
Die Ferienzeit stellt immer wieder hohe Ansprüche an das Organisationstalent von Familienvorständen aller Art. Es gilt, die lieben Kleinen artgerecht unterzubringen und ein geeignetes Beschäftigungsprogramm aufzustellen. Auch wer mit Hund verreist, wird mit Fragen ganz neuer Qualität konfrontiert: Wo wäre er am fröhlichsten, von welchen Aktivitäten profitiert er am meisten, wo kann er sich am besten entspannen? Da die Bedürfnisse von Hunden meist ganz elementar sind, lassen sich diese Fragen recht leicht beantworten: Museumsbesuche fallen flach, Städtereisen kommen nicht in Frage, organisierte Reisegruppen können wenig Rücksicht auf ein individualisiertes Hundeferienprogramm nehmen und werden von Hunden daher abgelehnt. Alte Hunde amüsieren sich wenig bei Bergtouren, weil das Gelände häufig steinig und unwegsam ist, während jüngere Hunde Abwechslung und, wenn möglich, ein entspanntes Sportprogramm zu schätzen wissen.
Die meisten Hunde reisen gerne; es gibt ihnen die Möglichkeit, der altäglichen Routine zu entkommen. Sehenswürdigkeiten sind ihnen sehr willkommen, wie z.B. weiche Hotelbetten. Fast alle Hunde lieben Strandferien, sofern genug Süßwasser
und Schatten spendender Baumbewuchs zur Verfügung steht. Dort beschäftigen sie sich gewöhnlich mit ausschweifenden Buddeleien im Sand
und gehen anderen Leuten unglaublich auf die Nerven, indem sie ins Wasser springen und anschließend klatschnass und vergnügt zwischen Fremden auf deren Badehandtüchern herumzurasen, um den Felltrocknungsprozess an der Luft zu
beschleunigen. Hunde merken schnell, dass sie mit diesem
spielerischen Verhalten für ein großes Hallo am Strand sorgen,
also springen sie, kaum ist ihr Haarkleid leicht angetrocknet
und die Stimmung wieder etwas entspannter, gleich noch
einmal ins kühle Nass, um das lustige Spiel zu wiederholen und
diesmal noch schärfere Kurven um fremde Badehandtücher
zu laufen. Nach genügend Wiederholungen hat man gen Ende der Ferien
den Strand meist für sich allein.
Meine Möglichkeiten, ideale Ferienbedingungen für meine
Hunde zu schaffen, sind sozusagen vierfach erschwert: Luise
wünscht sich eine Art Eichhörnchen-Camp mit ein paar Wühlmäusen
unter der Erde; Ida ist alles recht, solange in der Umgebung für möglichst viele tote Maulwürfe und Vögel, Igelkot, Kuhfladen und halbverweste Mäuse gesorgt ist. Auch, was die Wetterverhältnisse betrifft, sind Pudel ausgesprochen flexibel:
Sonne lieben sie, Wind ist ihnen egal, Regen macht ihnen auch
nichts aus, und Schnee betrachten sie als Geschenk der Natur.
Harry wünscht sich eine menschenleere Umgebung mit einigen wenigen Fahrradfahrern, die sich gerne jagen lassen. Wettertechnisch ist ihm Sonne in
allen Facetten recht bis zu 35 Grad im Schatten, dafür kommt Regen nicht infrage, und Schnee ist völlig indiskutabel. Fritz wünscht sich ein ausgedehntes Buddel- und Beschäftigungsprogramm mit möglichst vielen anderen Hunden, gerne spannenden, fremden Menschen und weiche, warme Betten – auch im Hochsommer. Zimmerservice ist bei ihm sehr beliebt, Regen und Wind lehnt er dagegen kategorisch ab.
Mit meinen Hunden zu verreisen, ist so, als sei man mit
einer Pauschalreisegruppe unterwegs: Es ist unmöglich, es allen
recht zu machen. Also mache ich Ferien mit Hunden am liebsten bei Eltern oder Verwandten. Man fühlt sich dort meist gleich wie Zuhause, und bei eventuellen Fauxpas’ kann uns nicht gekündigt werden.

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