Von Osterhasen und Spürnasen

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Traditionell kommt man an Ostern zusammen, um reinen Zucker mit chemischen Farbstoffen in Form von Küken und Eiern zu konsumieren, Fondant-Spiegeleier mit Schokoladenboden, Blätterkrokanteier und Hefezopf, Osterschinken und natürlich bunte harte Eier, deren Eigelb an einer Seite meist leicht grünlich angelaufen ist. Das hat sicherlich mit dem Hartkochvorgang zu tun, oder vielleicht mit der schadstoffhaltigen Ostereierfarbe? Es hilft alles nichts: Im frühlingshaft bräunlichen Vorgartengras findet man keine Eier, die mit Karotten- oder Rote Beete-Saft gesundgefärbt wurden.
Die religiösen Hintergründe des Osterfestes spielen heutzutage kaum noch eine Rolle; heute geht es praktisch ausschließlich ums Ostereiersuchen und darum, einen ganzen Tag lang von morgens bis abends zu essen, bis man schließlich taumelnd ins Bett fällt, immer noch an einem Osterstuten kauend, mit klebrigen rosa Zuckerresten und Schokolade im Haar. Traditionell ist Ostern auch eine extrem anstrengende Zeit für Hundebesitzer, denn: Genauso denken sich das auch Hunde. Für sie ist Ostern ein Riesenspaß: Essbares, soweit das Auge reicht, in den meisten Stadtparks wird „Grosses Ostereiersuchen” veranstaltet, und der Hundehalter, der nicht bereits im Morgengrauen mit dem Hündchen unterwegs war, um den eifrigen, ostereierversteckenden Eltern zuvor zu kommen, rast im gestreckten Schweinsgalopp hinter dem Hund her, der glücklich und wie ein Fährtensuchhund mit der Nase professionell am Boden Eier aufsammelt und zeitsparend gleich mitsamt Staniolpapier herunterschluckt, und zwar ganz. Ist der Hund erst auf den Geschmack gekommen, macht er auch vor fremden Kindern nicht mehr Halt, nähert sich ihnen freundlich wedelnd, um ihnen erst die klebrigen Händchen abzulecken, und bald mutiger, gleich die komplette Sammlung Ostereier aus der Hand zu reißen. Der Hundebesitzer kommt immer zu spät, rast Entschuldigungen an die Eltern und Verwünschungen an den Hund gerichtet rufend durch die Schneise der Verwüstung hinter seinem Fifi her und ist froh, wenn er Schlimmeres verhindern kann, denn: Schokolade ist für Hunde noch viel giftiger als für Kinder. Sie enthält Koffein und Theobromin. Beide Stoffe können zu schweren Herzproblemen führen. Zartbitter ist besonders gefährlich. Kleine Hunde von wenigen Kilogramm Körpergewicht können schon nach der Aufnahme von 20 – 30 Gramm sterben. Bei großen Hunden wie z.B. Schäferhunden sind 120 bis 250 Gramm gefährlich. Milchschokolade führt in etwa zehnfacher Menge zum Tod. Bei Aufnahme einer geringeren Menge kommt lediglich zu Magen-Darm-Problemen wie Durchfall und Erbrechen.
Vielleicht behalten Sie Ihre Hunde dieses Jahr einfach zuhause? Auch das kann sich durchaus lohnen: Dort haben meine Hunde im vergangenen Jahr in einem unbewachten Moment – nämlich, als wir die Gäste mit großem Hallo willkommen hießen – den kompletten Osterbrunch-Tisch abgeräumt.
Noch Tage später konnten wir den Pudeln klebrige Zuckerreste, grünes Ostergras und Brioche-Krümel aus den Locken zupfen. Das war ein Fest.

bildvom 12.4.2009

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