Reisen ohne Hunde

bildvom 26.9.10

Es ist so eine Sache, verreisen zu wollen, wenn man Hunde hat. Nicht aus den Gründen, die Sie jetzt vermuten: Flüge, Hotels, Angebundensein, hundekompatible Umgebungen, möglichst keine freilaufenden Hühner in der Nähe, Hundestrände, Hundehotel, etc.: das ist alles nur eine Frage der Organisation. Nein, ich meine: Hunde erschweren eine Reise schon im Vorfeld ungemein. Sie meinen es dabei nur gut, keine Frage. Mein Italienisches Windspiel Fritz beispielsweise versucht wirklich, sich beim Packen nützlich zu machen und erweist sich dabei immer wieder als ausgesprochen kreativ. Neulich wollten wir auf eine Hochzeit fahren und waren ein WINZIGES bisschen nervös, weil man immer irgendwie zu spät losfährt und dann meistens auch noch die Kirche nicht findet, und obwohl es bei gewöhnlichen Parties vollkommen in Ordnung kommt, zwanzig Minuten zu spät zu kommen und bei Abendessen geradezu unhöflich, auf die Minute pünktlich zu erscheinen, ist es bei kirchlichen Trauungen ungern gesehen, wenn nach Beginn des Gottesdienstes rumpelnd in die Kirche gestürzt kommt. Fritz sah die offenen Koffer und war nicht von seiner Überzeugung abzubringen, dass seine Hilfe vonnöten war. Erst packte er alle zusammengerollten Strümpfe wieder aus und verteilte sie im Wohnzimmer auf Sessel und Sofa. Anschließend räumte er verschiedene Hundespielsachen zwischen mein seidenes Abendkleid und das Kleid für das Frühstück am darauffolgenden Morgen; wahrscheinlich fürchtete er, mir könne auf der Soirée langweilig werden: Also hatte er mir zwei sorgfältig eingespeichelte Bälle (einer davon mit praktischem Wurfseil) dazugelegt und einen Plüschfisch mit Quietsche. Überflüssig dagegen fand er meinen Haarglätter, ohne den sich meine Frisur bei der geringsten Luftfeuchtigkeit in etwas verwandelt, das an einen explodierten Handfeger erinnert, und schleppte ihn unters Bett, wo wir ihn erst fanden, als wir nach den Krawatten des mitreisenden männlichen Begleiters suchten (dafür war Fritz allerdings nicht verantwortlich: Sie waren bis jetzt einfach noch gar nicht eingepackt worden, obwohl trotzig auf dem Gegenteil beharrt wurde). Als Fritz anfing, auch noch Playmobilspielsachen wie Piratenkanonen und Heu-Raufen für Bauernhoftiere um den Koffer herumzudekorieren und wurde ich gebeten, einen letzten Spaziergang mit den Hunden zu machen, damit das Packen irgendwann ein Ende nähme bis die Hundesitterin übernehmen könne. Ich peste im gestreckten Schweinsgalopp mit den Hunden los, denn die Zeit wurde nun wirklich knapp. Auf dem Rückweg stellte ich fest, dass meine braune Pudelin Ida einen günstigen Moment genutzt hatte, um sich in einer halbverwesten Ringelnatter zu wälzen, was bedeutete, dass ich sie nun auch noch schnell baden musste. Zuhause angekommen hielt mir Harry, mein anderes Windspiel, mit jammervollem Gesichtsausdruck seine rechte Pfote hin: Er hatte sich eine Kralle halb herausgerissen. Das bedeutete, dass ich ihn nicht der Hundesitterin geben konnte, weil er seine Pfote schonen musste und das nicht geht, wenn er den ganzen Tag mit anderen Hunden herumtobt – er würde also mit auf die Hochzeit kommen müssen.
Und das sind die Momente, in denen man sich fragt, ob man eigentlich noch alle Tassen im Schrank hat, mit vier Hunden beharrlich so zu tun, als würde man ein normales Leben leben. Während ich Ida badete und anschließend versuchte, Luise aus dem Koffer herauszuziehen, die ihn sich als weichen Schlafplatz voller angemessen edler Materialien erwählt hatte, erwägte ich ernsthaft, alle vier Hunde zur Adoption freizugeben. Mit Ausnahme von Harry: Der humpelte mit einer Miene herum, als wäre Notschlachtung die einzig artgerechte Lösung, mit der er noch rechnen könne.
Ich glaube, ein Aquarium wäre eine wirklich gute Alternative.

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