Leishmaniose-Überträger im Vormarsch. Was ist Leishmaniose eigentlich?

Sandfliege

Forscher haben jetzt Sandmücken, potenzielle Überträger der gefährlichen Leishmaniose, in Hessen gefunden – so weit nördlich wie nie zuvor.

Sandmücken dringen weiter nach Norden vor. „Wir haben nun erstmals eine Sandmücken-Art innerhalb Hessens entdeckt“, erklärte Sven Klimpel vom Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) am Montag. Noch nie sei diese Art so weit nördlich gefunden worden. Sandmücken gelten als potenzielle Überträger der gefährlichen Krankheit Leishmaniose.

weiter hier:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/leishmaniose-gefahr-sandmuecken-erstmals-in-hessen-entdeckt-a-984380.html

 

Leishmaniose beim Hund

Die Ursache einer Leishmaniose beim Hund ist eine Infektion mit verschiedenen Arten von Leishmanien (einzellige Blut-Parasiten). Die Parasiten werden von Blut saugenden Sandmücken durch einen Stich auf den Hund übertragen und nisten sich in bestimmten Gewebszellen ein. Häufig bricht die Krankheit erst Monate oder gar Jahre nach dem Mückenstich aus.

Darüber hinaus ist eine Übertragung der Leishmaniose über Bluttransfusionen möglich. In seltenen Fällen sind Infektionen über Hautverletzungen möglich, wenn man beispielsweise in ausreichender Menge mit erregerhaltigen Sekreten von Geschwüren oder Fisteln kranker Hunde in Kontakt kommt. Das Risiko, sich mit Leishmaniose über Hautwunden anzustecken, ist zwar gering, allerdings sollten Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist (z.B. HIV-infizierte Personen oder Chemotherapie-Patienten) im Umgang mit Leishmaniose-Hunden auf besondere Hygiene achten.

Vorwiegend erfolgt die Ansteckung der Leishmaniose jedoch über die Sandmücken beziehungsweise Schmetterlingsmücken. Diese werden bereits wenn auch in geringer Anzahl in Deutschland nachgewiesen. Ein Problem wird die Sandmücke vor allem dann, wenn sie einen infizieren Hund sticht und dann zum nächsten Wirt „wandert“, den sie dann ihrerseits infizieren kann. Aufgrund der bisher sehr geringen Zahl von Sandmücken und Leishmaniose-Trägern ist diese Gefahr hierzulande allerdings sehr, sehr gering.

Symptome

Eine Leishmaniose äußert sich beim Hund anfangs mit uncharakteristischen Symptomen, wie Abgeschlagenheit, Fieberschüben, Durchfall und Gewichtsverlust, die meistens schubweise auftreten.

Besonders in Gebieten, wo die Leishmaniose gehäuft vorkommt, treten bei infizierten Hunden oft keine Symptome auf, da die Tiere bereits Antikörper gebildet haben. Auch die Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen) kann fünf Wochen  bis sieben Jahre andauern.

Im Verlauf einer Erkrankung treten deutlichere Leishmaniose-Symptome beim Hund auf, zum Beispiel:

  • Geschwollene Lymphknoten
  • Schmerzempfindlicher Bauch
  • Haarausfall
  • Nicht juckende, schuppige (große, weiße und fettige Schuppen) Hautausschläge auf dem Nasenrücken, an den Ohrspitzen und rund um die Augen des Hundes

Dieser Ausschlag kann sich mit der Zeit auch auf den ganzen Hund ausbreiten. Im Verlauf einer Leishmanioseerkrankung kommt es ggfs. zu weiteren Symptomen, wie Nasenbluten, blutiger Kot und übermäßig starker Krallenwuchs.

Diagnose:

Eine zuverlässige Leishmaniose-Diagnose beim Hund kann nur ein Tierarzt stellen. Er führt  eine körperliche Untersuchung durch, bei der er sich unter anderem die Beschaffenheit der Haut, der Haare und der Lymphknoten des Hundes ansieht.

Absichern lässt sich die Diagnose der Leishmaniose durch Labor-Untersuchungen. Dazu entnimmt der Tierarzt dem Hund Blutproben und Gewebeproben, denn auch Hunde, die noch keine Symptome zeigen, können infiziert sein (stumme Infektion). Auch, wenn die Leishmaniose nicht ausgebrochen ist, lassen sich bereits Antikörper im Blut des Hundes nachweisen. Diese Antikörper beweisen vorerst nur, dass der Hund Kontakt mit Leishmanien hatte. Wenn ein Tier einen hohen Titer hat, aber keine Symptome aufweist, beweist das immerhin, dass sein Immunsystem aktiv ist und einen erheblichen Teil der Krankheitsbewältigung selber übernimmt. Umgekehrt kann es auch schwere Verläufe geben, trotzdem der Titer „nur“ einen geringen Wert hat.

Entscheidend ist wirklich das Befinden des Hundes und sein restliches Blutbild (insbesondere die Leber- und Nierenwerte, sowie das „rote Blutbild“).
Aufgrund dieser verschiedenen Informationen wird die Therapie festgelegt. Der Titer alleine nützt nur wenig bei der Beurteilung…

Zur Absicherung der Diagnose kann ein direkter Erreger-Nachweis erfolgen. Hierbei werden die Leishmanien unter dem Mikroskop sichtbar gemacht und lassen sich dadurch identifizieren.

Eine Leishmaniose läßt sich beim Hund nur selten vollständig heilen, ein Risiko von Rückfällen bleibt auch nach einer erfolgreichen Behandlung des Hundes. Aber: Eine Leishmaniose läßt sich aufgrund moderner Medizin sehr gut behandeln, und der Hund kann ein langes, beschwerdefreies und fröhliches Leben leben, ohne eine Infektionsgefahr für andere Hunde oder Menschen darzustellen.  Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Organe noch nicht zu stark geschädigt sind. Wird die Leishmaniose nicht behandelt, sterben 90 Prozent der infizierten Hunde innerhalb der ersten zwölf Monate. Meist tritt der Tod infolge eines Nierenversagens (Niereninsuffizienz) ein.

Podenco mit Leishmaniose - vor und nach der Behandlung

Podenco mit Leishmaniose – vor und nach der Behandlung

Leishmaniose ist eine besondere Erkrankung, aber gewöhnlich gut beherrschbar. Hunde mit Leishmaniose können hier in Deutschland mit der entsprechenden Therapie alt werden. 

Therapie

Um in den Ferien im Miteelmeerraum beim Hund Stiche durch Sandmücken zu verhindern, sollte ein Scalibor-Halsband zwei Wochen vor Reisebeginn getragen werden.

Bei einer Leishmaniose ist häufig eine lebenslange Therapie des Hundes erforderlich, gewöhnlich mit dem Medikament Allopurinol (preiswerte Tabletten mit geringen Nebenwirkungen aus der Humanmedizin), das die Symptome schon nach kurzer Behandlung lindert oder gar nicht erst aufkommen läßt. Das Tier erholt sich gut.

Allopurinol wird häufig durchgehend zur Vorbeugung verordnet, oder aber, wenn die Krankheit erneut ausbricht.

In schweren oder fortgeschrittenen Fällen setzt der Tierarzt zur Behandlung Milteforan ein, das täglich über einen längeren Zeitraum in das Futter gemischt wird.

Bekommt der Hund über einen längeren Zeitraum hinweg Allopurinol oder Milteforan, treten häufig Nebenwirkungen wie ein Harnstein-Leiden (Urolithiasis) auf. Während der Behandlung st daher eine proteinarme (eiweißarme) und Innereien-arme Diät für den Hund ratsam.

Miltefosin ist ein Alkyl-Phospholipid. Der Wirkstoff zeigt in vitro eine hohe Aktivität gegen Leishmanien; ebenso konnte im Tiermodell eine Aktivität gegen L. donovani und L. infantum gezeigt werden. Die klinischen Krankheitssymptome nehmen sofort nach Beginn der Behandlung deutlich ab und gehen zwei Wochen später noch mehr zurück. Diese Symptome bessern sich während mindestens 4 Wochen nach Abschluss der Behandlung weiterhin. 

Einen Impfstoff gegen Leishmaniose gibt es in Deutschland bisher nicht.

Eine Leserin hat mich auf folgendes, sehr informatives Forum aufmerksam gemacht: 

http://www.leishmaniose-forum.com/forum.php

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