Besuche mit Hund

bild vom 2. Juni 2013

Ich bin Experte im Verreisen mit Hunden. Ich schleppe meine vierbeinige Entourage möglichst überall hin mit. Meine Hunde besitzen eine hohe Sozialkompetenz, sie bellen kaum, sie nehmen es hin, wenn sie im Gästezimmer warten müssen, sie kommen sofort, wenn man sie ruft, und keiner hebt im Haus das Bein.
Kürzlich waren wir bei einer Freundin, die meine Hunde explizit mit eingeladen hatte. Beim Auspacken fand Fritz seinen Lieblingsball in Form einer etwa golfballgroßen Himbeere, mit der er sich stundenlang beschäftigen kann: Er wirft sie hoch und fängt sie, lässt sie von Treppenstufen hopsen und schmettert sie gegen die Wand, um sie wieder aufzufangen. Bei uns zuhause ist das ein amüsantes Spiel. Aber zu dem Dekor des Hauses dieser Freundin gehören wertvolle Porzellanfiguren und eine Sammlung alter chinesischer Teetassen. Ich fing die Himbeere gerade noch auf, die Fritz gerade in Richtung eines alten Meißner Porzellanmopses gefeuert hatte. Also kein Ballspiel in fremden Häusern.
Zuerst einmal muss man natürlich herausfinden, ob der/die Hund/e willkommen ist. Der Streß eines Besuchs mit einem unwillkommenen Hund kann auch langjährige Freundschaften nachhaltig ruinieren.
Ein Freund von mir lagert Gäste mit Hund prinzipiell in ein kleines Gästehaus aus – nur meine Hunde bisher nicht (wobei ich nicht sicher bin, ob er es nicht längst bereut). Nicht jeder Gastgeber hat diese Möglichkeit, weshalb man als Hundebesitzer gut beraten ist, eine gewisse Etikette zu beachten, falls man je wieder kommen möchte.
Nicht jeder findet fremde Hunde auf dem eigenen Sofa so dekorativ wie man selbst. Es macht also Sinn, den Hunden bereits zuhause beizubringen, dass sie wenigstens fragen, ob sie aufs Sofa dürfen, oder eben nicht, und ohne Widerrede auf ihren Platz gehen. Bringen Sie ihnen ein paar kleine Kunststücke bei, damit Ihr Hund ein bisschen vor Ihrem Gastgeber brillieren kann. Und selbst Hundeliebhaber wissen es zu schätzen, wenn man sie rechtzeitig darauf hinweist, dass sich ihre geschätzte Ming-Vase genau auf der Höhe des ununterbrochen wedelnden Schwanzes Ihrer sehr freundlichen Dogge befindet.
Bringen Sie ihm rechtzeitig bei, auch mal alleine und still im Gästezimmer zu bleiben (nicht jeder Gastgeber mag Hunde im Esszimmer oder unterm Tisch). Eine Softbox als „Privat-Appartment to Go“ kann helfen, dass sich Ihr Hund sich auch in fremder Umgebung Zuhause fühlt. Wenn Ihr Hund Jagdtrieb und Ihr Gastgeber Enten oder Kaninchen besitzt, lassen Sie den Hund um Himmels Willen an der Leine (ich spreche aus Erfahrung). Die Rohfleischfütterer sollten Ihren Hund für die Ferien auf Trockenfutter umstellen – man macht sich wenig beliebt, wenn man morgens vor dem ersten Kaffee in fremder Küche mit stinkendem Blättermagen herumhantiert. Lassen Sie einen notorischen Dieb nicht alleine in der Nähe des Bratens oder des Teegebäcks. Und vergessen Sie nicht, anschließend einen Brief und Blumen an Ihre Gastgeber zu schicken, um sich zu bedanken (wenn nötig, entschuldigen Sie sich).
Dann kann eigentlich nicht viel schief gehen.

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