Maulkörbe für Menschen!

bildvom 20.6.2010
Hunde bringen nicht in allen Menschen das Beste hervor. In Nicht-Hundebesitzern ganz häufig nicht: Die vergessen beim Anblick von Hunden jegliche Kinderstube. Vor kurzem stand ich friedlich am Ausgang eines kleinen Parks und unterhielt mich, während meine Hunde ganz friedlich neben mir saßen. Etwa zehn Meter hinter mir fuhr eine Frau auf einem Fahrrad vorbei, ein bisschen miesepeterig guckend, aber ich nahm das nicht persönlich: Manchmal ist so ein Gesichtsausdruck ja genetisch. Ich lächelte die Dame sogar an, woraufhin sie mir im Vorbeifahren unvermittelt: „Die Kacke räumen Sie aber schon weg!” an den Kopf warf.
Pardon?
Ich bin längst gewöhnt, dass man als Hundehalter für jeden Hundehaufen im Umkreis von 15 km verantwortlich gemacht wird. Ich weiß auch, dass ich mich durch die bloße Tatsache, Hunde zu haben, jedes Mal schuldig mache, sobald ich das Haus verlasse – wenn ich auch nicht genau weiß, wofür.
„Najaaa”, sagt mancher in einem Anflug irrwitzigen Verständnisses, „die vielen Hundehaufen überall… das weiß die ja nicht, dass du sie immer wegräumst…” Das rechtfertigt trotzdem nicht, mich prophylaktisch für eine Tat anzuschnauzen, die ich möglicherweise umständehalber eines Tages begehen könnte- wie in dem Tom Cruise- Film „Minority Report”, in dem Verbrechen schon bestraft werden, bevor sie begangen worden sind. Ich marschiere ja auch nicht auf die Mutter eines niedlichen Zweijährigen zu und blaffe: „Ach, züchten Sie schon den nächsten U-Bahn-Schläger heran?” Man würde mich für völlig irre erklären.
Am Wochenende ging ich in einem kleinen Waldstück spazieren, als mein Windspiel Harry sich vor einem Mann mit einer Luftmatratze auf dem Kopf erschreckte, und ihn kurz anbellte – nicht hysterisch, aber immerhin. In zwei Sätzen war ich bei ihm, entschuldigte mich und erklärte Harrys Angst. „Das wissen doch unsere Kinder nicht!” pfiff der Mann mich an, machte aber keinerlei Anstalten, seinen Kindern den Umstand zu erklären. Harry war längst still, meine anderen Hunde weitergelaufen, ohne Notiz von der Frau zu nehmen, die ihre Kinder an sich presste, als stünde ein Höllenhund vor ihr, kein ängstliches 5 Kilo-Hündchen. Ich entschuldigte mich im Vorbeigehen noch einmal, da schrie sie: „Nehmen Sie Ihre Scheißköter an die Leine!” Woraufhin Harry vor Schreck wie bellte; ich drehte um, um ihn zu holen, der Mann zischte: „Sie haben einfach kein Gehirn!”, während seine Gattin auf mich zu sprang, ihr Gesicht einen Zentimeter vor meines hielt und fauchte: „Lein’ die Hunde an, du F…, das ist hier Gesetz!” Spätestens nach diesem Erlebnis müssen die Kinder völlig traumatisiert sein. Ich war es jedenfalls.
Meine Theorie ist: Zu viele Gesetze reduzieren die Menschen auf ihre niedrigsten Instinkte, weil es sie offenbar von eigenem Denken freispricht. Im-Recht-sein-Wollen ist einer der allerniedrigsten Instinkte. Hunde sind hierzulande mittlerweile so stark reglementiert, dass sich jeder Mensch angesichts eines Hundes absolut im Recht fühlt, egal, was der tut. Zwischen Leinenzwang und Maulkorbpflicht, Hundeverbot in Mietobjekten, unzureichenden Auslaufflächen und Hundephobie aus religiösen Gründen ist wenig Platz für Hunde (außer in München): Es ist praktisch unmöglich, seinen Hund im Sinne des Grundgesetzes artgerecht zu halten, ohne dauernd Ordnungswidrigkeiten zu begehen. Aber gehen Sie auf Leute los, die im Halteverbot parken? Hundebesitzer sind viel netter, als viele glauben. Wären sie es nicht, sähen bei 6 Millionen Hunden in Deutschland die Parks und Straßen ganz anders aus – ungefähr so, wie in der Grillsaison nach warmen Sommerabenden.
Mehr über Hunde von Katharina von der Leyen unter www.lumpi4.de

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