Die Kanzlerin, der Frisör und mein Pudel

bildvom 5. Juli 2009
Die Bedeutung der Frisur im modernen Leben kann gar nicht genug betont werden. Komplette Karrieren werden darüber entschieden, wie das Haar liegt oder fliegt. Wie sehr eine gute Frisur hilft, ernst genommen zu werden, lässt sich fabelhaft am Beispiel meiner Hunde aufzeigen. Die Windspiele, die ihr Fell windschnittig kurz und in rasanten Farben tragen, erregen überall Bewunderung; ihnen wird von vorneherein hohe Intelligenz unterstellt (dabei unterstelle ich Harry manchmal die Aufmerksamkeitsspanne einer Ameise), während die Pudel den gleichen Eindruck bei Fremden nur so lange erwecken, wie sie ihr Haar kurz und modern gestylt tragen. Sobald sie etwa acht Wochen nicht beim Scheren waren und lässig langhaarig-zottelig daher kommen, wird ihnen umgehend ein eingeschränktes Denkvermögen unterstellt (nach Einstellung der 70er : Lange Haare = Kiffer). Denken Sie an die vielen Showpudel: Opfer ihrer Frisur.
Haare machen Leute. Denken Sie an die Kanzlerin, deren Frisur lange Zeit ihre Problemzone war. Dann fand sie ihren Stil, den sie seither mit soviel Haarspray fixiert, dass sie eine Herde Büffel damit bewegungsunfähig machen könnte, und von nun an glaubte man ihr praktisch alles. Oder denken Sie an Veronika Ferres. Sie ist ein großer Star, obwohl sie die schauspielerischen Fähigkeiten einer Salatschleuder hat – weil sie sehr schöne Haare hat, weshalb sie zu Anfang ihrer Karriere einen rundlichen Männertraum namens Lorelei spielen durfte. Uschi Glas dagegen hat es nie mehr richtig geschafft, seit man kurze Haare nicht mehr onduliert.
Die meisten Leute – dabei denke ich vor allem an Frauen – hassen ihre Haare. Meiner Erfahrung nach denken alle Frauen, die sich beiläufig im Spiegel sehen jedes Mal, sie sähen aus wie explodierte Handfeger. Also gehen sie zum Frisör, so etwas wie Psychotherapeuten für den Haarbereich, und verlangen die Ponyfrisur von Heidi Klum, häufig mit ungünstigem Ergebnis. In den 70ern gab es das auch schon einmal, als Millionen von Frauen den Farrah Fawcett-Haarschnitt anstrebten und hofften, sie würden dann auch wie Farrah Fawcett aussehen. In Wirklichkeit sahen sie nur aus wie Showpudel, die in eine Wanne mit Peroxyd gefallen waren.
Frauen, wacht auf! Nur weil man jemandes Frisur kopiert, sieht man doch nicht aus, wie diese Person! Wenn ich mir die Haare wie Angela Merkel schneiden ließe, sähe ich dann aus wie die Kanzlerin? Nein! Ich sähe aus wie Uschi Glas, aber ich habe gelernt, damit zu leben.
Meine Kindheit war geprägt von dem Jingle: „Schönes Haar ist dir gegeben, lass’ es leben mit Gard!”, und jahrelang probierte ich mithilfe verschiedenster Haarprodukte, meine Haare einzeln zu sortieren. Mittlerweile habe ich resigniert. Ich versuche seit dreißig Jahren ohne den geringsten Erfolg, meine Haare dazu zu bringen, sich einem einfachen Seitenscheitel zu unterwerfen. Ich will nichts als eine gerade Linie, so, wie Verona Pooth oder Käthe Kruse-Puppen. Jeden Morgen nach dem Duschen versuche ich, mit Bürste, Föhnlotion und Föhn meine Haare zu stylen. Meine Haare finden das sehr amüsant. Sie kichern vergnügt, tanzen im Wind meines Föhns und summen dabei „Running wild, lost control.”
Wie wäre es damit als Haar-Jingle? Auf Anfrage sende ich Ihnen gerne meine Kontonummer.

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