Schoep und John – die Geschichte einer echten Liebe

Foto: Hannah Stonehouse
Foto: Hannah Stonehouse

Foto: Hannah Stonehouse

Die meisten Facebook-Nutzer kennen dieses Foto. Darunter stand immer eine wirre Bildunterschrift, irgendwas von einem Mann, dessen Hund Arthrose hatte und der nur im Wasser schlafen konnte – und weil ich die Hälfte von allem, was auf Facebook steht, nicht glaube (Fotos schon gar nicht) oder zumindest stark anzweifle,habe ich recherchiert. Und dabei eine wundervolle Geschichte einer großen Liebe zwischen Mensch und Hund erfahren. Und nicht nur, weil gerade Adventszeit ist und ich dann immer unglaublich sentimental werde, möchte ich diese Geschichte hier aufschreiben.

1996 durchsuchte John Unger mit seiner damalige Verlobten die Tierheime im Bundesstaat Wisconsin auf der Suche nach dem perfekten Hund. Als sie dann einem Schäferhundmischling begegneten, der in der Ecke seines Zwingers kauerte, mit dem Rücken zur Tür, hatten beide sofort das Gefühl, dem Hund ihrer Träume begegnet zu sein. “Wir hatten nach einem mißhandelten Hund gesucht”, erklärt Unger. “Wir wollten einem Hund, der vollkommen unsozialisiert war beibringen, wie man Hund ist, frei und entspannt und ohne Angst.”

Für diese Aufgabe hatten sie sich auf jeden Fall den richtigen Hund ausgesucht. Schoep – der nach der berühmten Eiscreme aus Wisconsin benannt wurde -, war völlig wild aufgewachsen, gefüttert von einem mitleidigen Fremden, bis ihn irgendjemand ins Tierheim brachte. Er hatte noch nie eine Leine oder einen Ball gesehen und hatte entsetzliche Angst vor Männern. “In der ersten Nacht schlief er überhaupt nicht”, sagt Unger, “also blieb ich mit ihm zusammen wach. Ich legte mich auf den Fußboden vor ihn, ohne irgendwie auf ihn zuzugehen, damit er verstand, dass ich einfach nur da war und ihm nichts tun würde.”

Schoep in seiner ersten Nacht bei John Unger Foto: J. Unger

Schoep in seiner ersten Nacht bei John Unger
Foto: J. Unger

In den ersten Monaten lief John Unger immer absichtlich vor Schoep, damit er sich an den Anblick dieses neuen Menschen in seinem Leben gewöhnen würde. Und er begann, ihn ganz leicht zu berühren oder zu massieren.
Bald antwortete Schoep ihm, indem er Unger kurz über die Hand leckte. “Er fing an, sich mit dem Rücken zu mir auf meinen Fuß zu setzen, damit ich ihm den Rücken kraulen könnte”, erinnert sich Unger. “Ich hatte mir sein Vertrauen verdient.”
Zwei Jahre später, 1998, hatte John Unger sich von seiner Verlobten getrennt und war so verzweifelt, dass er sich umbringen wollte. Eines Abends im Januar ging er mit dem Hund an seiner Seite zum See, dem Lake Superior, wo er sich ertränken wollte. “Ich verstehe heute nicht mehr, warum ich Schoep mitnahm und ihn so einer Situation aussetzen wollte”, sagt Unger, ” aber ich bin unendlich froh, dass ich es tat. Ich habe geweint und geweint und war gerade im Begriff, s zu tun – und da sah er mich an, mit einem Blick, den ich vorher oder nachher nie mehr an ihm gesehen habe. Er runzelte die Stirn wie ein Mensch, der durcheinander ist. Und irgendwie riss ich mich sofort zusammen. Ich konnte nur noch an ihn denken und daran, dass ich ihn beinahe allein gelassen hätte. Wir liefen die ganze Nacht durch die Straßen und gingen irgendwann schlafen. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, fühlte ich mich vollkommen anders. Schoep war für mich da. Er hat mir wirklich das Leben gerettet.”

Schoep und John wurden gemeinsam älter. In den letzten Jahren gab Schoep’s Gehörsinn nach, er wurde blind und litt unter furchtbar schmerzhafter Arthrose. Unger nahm ihn immer wieder an den Lake Superior – nur noch zur Entspannung, denn Schoep hatte solche Schmerzen, dass er kaum noch Ruhe finden konnte.

Foto: Hannah Stonehouse Hudson

Foto: Hannah Stonehouse Hudson

“Er kann nicht schwimmen, also hielt ich ihn immer in den Armen, und eines Tages schlief er einfach ein”, sagt Unger. “Inzwischen schläft er meistens sofort ein, wenn wir ins Wasser gehen, weil es ihn so entspannt und ihm seine Knochen im Wasser nicht mehr weh tun.” Einer dieser Momente wurde von der Fotografin Hannah Stonehouse Hudson festgehalten; als sie das Foto auf ihrer Facebook-Seite postete, wurde es Tausende Male geteilt. “Ach, ich denke mir: Die heutige Welt ist so voller Schwere und Hektik, alles geht so furchtbar schnell”, sagt Unger. “Ich glaube, die Leute sehen in diesem Foto etwas wie Mitgefühl, Liebe und Hoffnung: So, wie die Welt sein sollte. Das wünscht sich doch jeder. Das ist das, was ich für Schoep fühle. Wir verstehen einander, wir haben ein echtes, tiefes Gefühl füreinander, wir lieben einander. Er ist meine Welt.”

Foto: j. Unger

Foto: j. Unger

Am 17. Juli dieses Jahres, ein Jahr, nachdem das wundervolle Foto aufgenommen wurde, starb Schoep, wenige Wochen nach seinem 20. Geburtstag. “Er war immer an meiner Seite”, sagt Unger, “und da ist er noch immer.”

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