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Beziehungsgeschichten

bild vom 3. März 2013

Mein Pudel Luise ist seit zwei Jahren in einer festen Beziehung. Ihr Freund ist ein blau-weißer Pit Bull namens Luke mit großartigen Manieren. Luise liebt echte Kerle, schwere Jungs mit breiter Brust und viel Rückgrat. Sie sind ein gutes Paar, toben auf eine Art und Weise, dass man ihre Knochen krachen hört und gehen im Teich unterhalb unseres Hauses gemeinsam nach Stöcken tauchen.
Vor Kurzem waren wir ein paar Wochen verreist, weil ich in Klausur ein neues Buch schreiben wollte. Zwischendurh rief ich bei Lukes Besitzer an. „Luke hat eine neue Freundin”, erklärte der mir beiläufig. „Wer ist sie?” fragte ich im gleichen Tonfall wie vor 20 Jahren oder so, als mir die damalige Liebe meines Lebens erklärte, er habe sich in jemand anderen verliebt. „Sie heißt Maggie”, sagte Lukes Besitzer. „Sie wohnt nebenan.” „Was für ein Hund ist sie?” wollte ich wissen, immer noch in diesem Tonfall. „Ein Jack Russell.”
Mein Herz blieb stehen. Luise kann Jack Russells nicht ausstehen. Ich kann nicht erklären, warum das so ist, aber sie hält die ganze Rasse für ungezogene Querulanten. „Luke liebt die Kleine”, erklärte Lukes Besitzer. „Sie spielen den ganzen Tag. Und Maggie ist irre schnell.” Ich war beleidigt. Luise ist inzwischen nun mal zehn Jahre alt. „Ja, aber was ist mit Luise?” fragte ich piepsig. „Ihr seid nicht da”, war die Antwort. „Er muss ja mit irgendjemandem spielen.”
Aus den Augen, aus dem Sinn. Eine sehr männliche Einstellung.
Luise schien Luke allerdings nicht zu vermissen. Stattdessen beobachtete ich eines Morgens, wie sie mit einem riesigen Herdenschutzhund flirtete, einem Hund so groß wie ein Esstisch, der sich keine Sekunde um sie kümmerte. Sie hopste um ihn herum, biß in seine Löwenmähne und machte sich insgesamt ziemlich zum Affen. Aber seit wann hat Flirten etwas mit Intelligenz zu tun? Luise schlug Haken und Kapriolen, grinste dämlich und verbeugte sich. Der Herdenschutzhund stand einfach nur da und schaute in die andere Richtung (ich war auch mal mit so einem Typ zusammen). Unnahbar, distanziert, vollkommen unzugänglich (später stellte sich heraus, dass er der deutlich jüngeren Gretel durchaus Einiges abgewinnen konnte). Frauen lieben eben die schweigenden, einsamen Typen.
Als wir wieder nach Hause kamen, trafen wir Luke. Er brachte Luise seinen Ball, den sie ihm gleich wegnahm und furchtbar damit angab. Sie jagten einander um die Wiese, um die Birken, die in der Mitte standen, bis sie erschöpft und strahlend da standen, hechelnd. Ich war erleichtert. So, wie Luises kleine Verirrung nur ein Ferienflirt war – flüchtig, bedeutungslos -, war auch sie nicht durch Maggie „ersetzt” worden: Sie war noch immer Lukes Lieblingsfreundin. Jedenfalls in diesem Moment. Das Ding mit Hundeliebe ist eben: Es gibt glücklicherweise eine ganze Menge davon.

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