Mehr Macht für Hundehalter

bild vom 9.Mai 2010
Komisch eigentlich, dass man als Hundehalter von Nicht-Hundehaltern so häufig mit Argwohn betrachtet oder gar belächelt wird. Es werden einem schnell mal emotionale Blockaden unterstellt, als würde man lieber mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen reden als mit den Menschen, und in meinem Fall, die ich unverheiratet und kinderlos mit vier (in Ziffern: 4!) Hunden zusammen lebe, wird gerne überlegt, ob ich damit zu den „späten Mädchen” gehöre und meine Hunde eine Art Burggrabenersatz darstellen, den es zu überwinden gilt, um den Weg in mein – ohne Zweifel einsames – Herz zu finden.
Der Witz ist: Ich gehöre mitnichten zu einer komischen kleinen Randgruppe. In 13,4% der hiesigen Haushalte leben Hunde; schlafen auf Sofas, werfen Mülleimer um, hinterlassen matschige Pfotenabdrücke auf Fußböden und machen unser Leben etwas vergnügter, sicherer, strukturierter und einfach schöner. Es gibt 5,9 Millionen Hunde in Deutschland – im Vergleich dazu leben hier rund 12 Millionen Kinder, also gerade mal doppelt so viel. Man kann diese Tatsache gut finden oder schlecht: Es bleibt eine Tatsache. Es heißt vor allem, dass unsere Hunde wichtig sind. Wie absurd, davon auszugehen, dass die Tierliebe eines Menschen auf ein emotionales Defizit hinweist, oder darauf, dass Hundeliebhaber ein „Problem” haben. Wenn es so viele Menschen sind, Millionen und Abermillionen, dann sollte man Hundebesitzer doch einfach als das sehen, was sie sind: Eine Menschenmenge, einmalig, vielfältig, normal.
Wenn so viele Menschen ein Interesse teilen, müssen sie daraus echten Nutzen und persönliche Vorteile ziehen können. Keiner würde je den Vorteil und die Bedeutung menschlicher Freundschaften infrage stellen, oder wie viele Millionen Menschen sich auf Sportarten konzentrieren (hier könnte man übrigens auch ganz leicht nach der Kompensation als Beweggrund fragen). Wie kommt es aber, dass die Liebe zum Tier in vielen Kreisen so beharrlich abschätzig bewertet wird?
Keine Ahnung. In Deutschland spielen ungefähr 500 000 Leute Golf. Niemand käme auf die Idee, dem erfolgreichen Bernhard Langer zu unterstellen, seinem laserhaften Fokus auf einen kleinen weißen Ball läge ein emotionales Problem zugrunde.
Und wir Hundefreunde sind Golfern zahlenmäßig millionenfach überlegen! Hunde sorgen für echtes Brutto-Sozialprodukt: das Haustiergeschäft ist so ziemlich der einzige Wirtschaftszweig, der im vergangenen Jahr NICHT um 2% gefallen, sondern sogar Umsatzzuwächse von 2,7% verzeichnen konnte. 243 Millionen Euro Hundesteuer nahm der Staat ein (davon lässt sich doch das ein- oder andere Haushaltsloch stopfen!), es wurden 1,03 Milliarden Euro für Hundefutter ausgegeben, 55 Millionen Euro Umsatz mit Hundebüchern und 310 Millionen Euro Umsatz mit Haustierarzneimitteln gemacht.
Seien wir doch ehrlich: In der modernen Welt des Retouchierens, Botox, Fettabsaugens und Bodytonings, der Society-Magazine mit pseudo-bedeutenden Leuten, deren pseudo-glückliche Leben uns vorgegaukelt werden, fühlt sich doch kaum jemand wirklich wohl mit sich selbst: zu dick, zu klein, nicht gut genug, nicht reich genug, nicht schlau genug – nur für unsere Hunde sind wir einfach super, genauso, wie wir sind. Das ist unglaublich tröstlich und entspannend. Wenn also mentale Gesundheit nur einen Ballwurf entfernt ist, ist das ein Grund zum Feiern. Wenn jemand sie blöd anredet, weil Sie einen Hund haben: Stehen Sie aufrecht, seien Sie stolz. Wedeln Sie freundlich. Hundefreunde haben etwas, was andere nicht haben: Ein tiefempfundenes Vergnügen an einer unglaublichen Spezies, die beinahe seit Anbeginn der Zeit an unserer Seite läuft, und das bis ans Ende aller Zeiten weiter durchhalten wird. Hunde wollen es gar nicht anders. Und wir auch nicht.

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