Schlechte Geschenke: Hunde unterm Weihnachtsbaum

bildvom 18.12.2011

Meine Hunde haben auf unterschiedlichste Weisen den Weg in meinen Haushalt – und mein Herz – gefunden. Einige habe ich mir ausgesucht, andere habe ich gefunden, wieder andere habe ich geschenkt bekommen (oft, nachdem ich lange genug laut und deutlich herumgequengelte, was für einen Hund ich mir wünsche). Und auch wenn das in meinem Fall immer Erfolgsstories wurden, ist mein Fall ein besonderer: Wenn Sie einem Autofreak einen Ferrari schenken, wird der das Geschenk auch eher nicht zurückweisen. In den meisten Fällen sind allerdings Hunde eine ganz schlechte Geschenk-Idee. Auch wenn es verführerisch klingt, jemanden mit einem Hündchen mit einer dicken Schleife um den Hals zu überraschen, sollten Sie noch einmal darüber nachdenken.
Es kommt meistens nichts Gutes dabei heraus, jemandem einen Hund als Weihnachtsüberraschung zu präsentieren, sogar, wenn dieser jemand Ihr eigenes Kind ist, das um einen Hund gebettelt hat, seit es überhaupt sprechen kann – möglicherweise wünscht Ihr Kind sich nichts sehnlicher als einen Dackel, und Sie glauben, ein Labrador wäre genau das Richtige. Überlegen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind/Ihrem Liebsten/Ihrer Freundin, was für ein Hund am besten zu Ihnen und Ihrem Leben passen würde. Welpen sind zwar hinreißend, haben allerdings spezielle Bedürfnisse, auf die man im generellen Weihnachtschaos oft gar nicht eingehen kann: Dauernd kommt und geht Besuch, Ihre Schwiegermutter ist da, dauernd muss man essen, überall liegen Spielsachen herum, die man als junger Hund annagen oder verschlucken könnte (und Sie haben noch längst nicht die nötige Routine, sich auf diese ungewohnten Eigenschaften der haarigen Überraschung einzustellen) – und es ist auch nicht wahnsinnig lustig, mitten in der kalten Weihnachtsnacht alle zwei Stunden in der Kälte herum zu stehen und darauf zu warten, dass das Geschenk aufs Klo geht.
Wenn Sie ausgerechnet in den Weihnachtsferien viel zu viel Zeit übrig haben, hüten Sie den Hund von Freunden. Erstens werden Ihre Freunde Ihnen diesen Liebesdienst nie vergessen, und zweitens können Sie an einem erwachsenen, bereits erzogenen Hund ausprobieren, wie das tägliche Leben mit einem Hund überhaupt ist und ob es tatsächlich das ist, was Sie sich erträumt hatten.
Wenn Sie einen akuten Fall von Welpen-Begierde haben, kaufen Sie das Buch „Ich werd’ dann mal Hund” von der Fotografin Ruth Marcus, dessen hinreißende Fotos das unmittelbarste Begehren eine Weile stillen dürften: Außerdem ist es nicht so teuer wie ein Welpe, enthält deutlich weniger Flüssigkeit und muss nachts nicht mehrmals nach draußen, sondern bleibt da liegen, wo Sie es zuletzt hingelegt haben.
Wenn Sie unbedingt etwas zum Auspacken wollen, was mit dem Thema Hund zu tun hat, füllen Sie eine schöne Schachtel mit einer Leine, einem Halsband, Hundenapf, Spielsachen, Hundekeksen, einem Buch über Hundeerziehung und einem Gutschein für eine Stunde Hundeschule oder einen Tierarztbesuch.
Wenn die Weihnachtstage dann vorüber sind, das Leben wieder normaler geworden ist und Sie immer noch einen Hund verschenken möchten, suchen Sie einen seriösen Züchter oder gehen Sie ins Tierheim. Überlegen Sie, ob Sie nicht vielleicht lieber einen erwachsenen Hund haben wollen, die ja oft ganz ohne eigenes Verschulden ihr Zuhause verloren haben. Natürlich sind Welpen unglaublich niedlich und sehr lustig, machen aber auch furchtbar viel Arbeit und sind echte Zeit-Vernichter. Die meisten erwachsenen Hunde sind längst stubenrein und haben schon gewisse Grundkenntnisse anständiger Manieren im Gepäck. Ich spreche aus Erfahrung.

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