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Von Schnüffelhunden und Baumscheibenbepflanzern

bildvom 15. 5. 2011
Unsere Städte sind nicht grün genug, keine Frage. Bemühungen von Mitbürgern, unsere Städte schöner zu gestalten, sind unterstützenswert, vor allem in Berlin. Seit ein paar Jahren ist die so genannte „Baumscheibenbegrünung” eine weitere Möglichkeit für Asphaltgärtner, ihren grünen Daumen zur öffentlichen Geltung kommen zu lassen: Ins Erdreich unter den Straßenbäumen pflanzen sie bunt Blumen und kleine Sträucher. Das sieht hübsch und gepflegt aus und allemal besser als die Kippen, riesigen alten Hundehaufen, Glassplitter, ex-Mageninhalte und alten Schulbrote, die üblicherweise sonst unter den Bäumen am Straßenrand liegen. Manche Leute machen richtige kleine Mini-Gärten aus diesen winzigen Erdflächen, ziehen Zäune, legen Bonsai-Kieswege an, stecken lustige bunte Windräder hinein – und natürlich Verbotsschilder. „Betreten verboten” steht da, und natürlich: „Hunde verboten” (was meiner Meinung nach ein völlig überflüssiger Hinweis ist: Wer seinen Hund in einem angelegten Blumenbeet seine Geschäfte verrichten lässt, ist so schlecht erzogen und kaltschnäuzig, dass er sich auch von keinem Schildchen beeindrucken lassen wird). Vor ein paar Wochen spazierte ich mit einer Freundin von mir über die Straßen von Berlin-Mitte mit ihrer ältlichen Mopsdame, einem freundlichen, harmlosen kleinen Hund mit der Geschwindigkeitsleistung einer griechischen Landschildkröte. An der Ecke hatte ein neues Café eröffnet, die Mopsdame betrachtete eingehend die Gartenmöbel, untersuchte einen Kronkorken, der ihr im Weg lag, und entdeckte schließlich die Café -Besitzerin, die unter einem Baum in der Erde wühlte, um dort Pflanzen einzusetzen. Die Mopshündin schlurfte schnorchelnd herbei, um sich die ungewohnte Situation genauer zu betrachten, als die Café-Besitzerin „Kschksch!” machte und nach dem Hund trat. „Geh’ weg hier!” „Treten Sie nicht nach meinem Hund!” rief meine Freundin empört und ging zu ihrem Hund. „Der darf hier ja wohl herumlaufen und schnüffeln!” Die Straßengärtnerin war für Argumente nicht zu haben, schnauzte, „Blöde Kuh!” und goß meiner Freundin mit der Gießkanne Wasser in die Schuhe. Wir wissen seit der Anzeigen-Kampagne der Berliner Morgenpost ja, dass „Berlin ist, wenn’s härter gesagt als gemeint ist” – aber wie man „Blöde Kuh” weniger hart meinen könnte, als es bei Erwachsenen klingt, erschließt sich
nicht so ganz.
Die an sich sehr geduldige Freundin schrieb an das Amt für Grünflächenentwicklung und schilderte die Situation, um sich nach der rechtlichen Lage zu erkundigen. Von einem Verwaltungsmitarbeiter bekam sie die erstaunliche Antwort: „Daß Anwohner vom Besuch von Hunden nicht begeistert sind, kann ich verstehen. Ich persönlich bevorzuge für meinen Vierbeiner die Auslaufgebiete. Die Baumscheibe ist keine Grünfläche.” Pardon?
Der Hund sollte sich auch nicht gerade unter diesem Baum mal so richtig austoben: Wir waren einfach auf der Straße unterwegs. Auch wenn der Verwaltungsbeamte seine persönliche Meinung für relevanter hielt als die Rechtslage, sollte man dem Hundebesitzer doch wenigstens das Recht eingestehen, für die 2,38 Millionen EUR Hundesteuer, die die Stadt jährlich an Hundesteuer einnimmt, unbehelligt die Straße entlang zu gehen: Im Gegensatz zu der ausschließlichen Duldung, die die Stadt den Baumscheibenbepflanzern einräumt, werden Hunde auf Straßen nicht „geduldet”, es besteht kein Leinenzwang (in Grünflächen aber schon) und auch kein Schnüffelverbot. Hundebesitzer sind keine schräge Randgruppe, die nur im Dunkeln aus dem Haus dürfen: Hierzulande leben 5,9 Millionen Hunde in 18% aller Haushalte, was auf ein echtes Bedürfnis der Menschen hinweist. Man sollte doch meinen, gerade in Berlin sind die Bürgersteige breit genug für alle.

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