Wer an uns vorbeischießt, auf den schießen wir zu

bild vom 30. August 2009
Mit dem Aussterben von Bären und Wölfen in unseren Breitengraden haben Hunde heutzutage keine natürlichen Feinde mehr. Abgesehen natürlich vom Ordnungsamt, dessen Mitarbeiter aber meistens nicht so sportlich sind wie Bären und Wölfe, denen man also problemlos davonlaufen kann, und Fahrradfahrern.
Die sind wirklich gefährlich. Und zwar alle.
Fahrradfahrer sind ausnahmslos der Meinung, dass Verkehrsregeln für sie nicht gelten. Sie fahren mit irren Geschwindigkeiten zwischen Autos durch oder auf dem Gehweg, sie schlängeln sich zwischen Passanten durch und rasen im Wald an Spaziergängern vorbei, die sich nur durch einen behänden Sprung in den nächsten Busch davor retten können, dass ihnen von einem Schutzblech keine wichtigen Gliedmaßen abgetrennt werden. Für Fahrradfahrer ist der Wald kein Naherholungsgebiet, sondern eine Rennstrecke zur körperlichen Ertüchtigung, und Fußgänger sind lästiges Beiwerk, mithilfe derer man immerhin Hindernisbewältigungstechniken üben kann. Als dies einem Radfahrer neulich nicht ganz gelang, beförderte er den Cockerspaniel einer Freundin mit gezieltem Tritt zur Seite und schnauzte irgendwas von „blöder Köter”.
Mein Windspiel Fritz wurde vor Kurzem vor unserer Haustür von einem Radfahrer angefahren. Der Radfahrer erwischte ihn nur an seinem Hinterteil, Fritz quietschte, der Radfahrer radelte einfach weiter und zeigte mir auf mein „Ey!” seinen Mittelfinger. Ich möchte nicht wiederholen, was ich ihm hinterher rief; es war nicht schön.
Dabei sind Fahrradfahrer grundsätzlich der Meinung, sie seien im Recht. In allem (von Fahrradkurieren wollen wir gar nicht erst anfangen, soviel Platz haben wir hier nicht). Vor ein paar Wochen ging ich mit meinen angeleinten Hunden sittsam die Straße auf dem Gehweg entlang, als eine Fahrradfahrerin mich fahrend von hinten anklingelte. Ich kann Gehupe sowieso nicht leiden, und dann auch noch auf dem Gehweg? „Noch alle Tassen am Platz?” fragte ich die Dame unwirsch, die eigentlich ganz vernünftig aussah, wie eine Musiklehrerin vielleicht oder eine Lektorin. „Was?” fragte sie, ehrlich empört. „Ist das die Art, wie wir miteinander reden? Wie wäre es erst einmal mit einem ´Guten Morgen`?”
Hä?
„Sie haben mich gerade aus dem Weg geklingelt, ein „Guten Morgen” wäre eine echte Alternative gewesen”, meinte ich. „Ich wollte nicht, dass Ihre Hunde sich erschrecken”, sagte sie tatsächlich. „Sie nehmen ja den ganzen Bürgersteig in Anspruch!” (Beliebte Taktik von Fahrradfahrern, von begangenem Unrecht durch einen Gegenangriff abzulenken)Mir schien es müßig, ihr zu erklären, dass ich zu Fuß auf dem Gehweg den Platz einnahm, den ich eben brauchte, während sie auf dem Fahrrad fahrend überhaupt keine Platzansprüche anzumelden hatte. Immerhin telefonierte sie nicht. Ich habe schon Radfahrer gesehen, die beim Fahren Obstsalat oder Currywurst aßen. Versuchen Sie das mal, ohne den Lenker loszulassen.
Die Polizei hat längst aufgegeben, Fahrradfahrer in den Griff zu bekommen. Weshalb mein Pudel Luise jetzt beschlossen hat, tätig zu werden. Ihr reicht es, dass Fahrradfahrer glauben, sie könnten sich alles erlauben: Mit einem halben Zentimeter Abstand an ihr vorbeizufahren, zum Beispiel, so dass ihre Ohren im Luftzug der Speichen flattern. Luise besteht auf einer Distanz von einem halben Meter. Wenn sie im Park, im Wald oder auf dem Gehweg einen Radfahrer kommen sieht, stellt sie sich mit gestrecktem Kopf hin, wodurch sie ein wenig so aussieht wie eine Muräne, und wenn das Fahrrad zu nah an ihr vorbei fährt, hält sie, ohne die Position zu verändern oder eine Schritt zu machen, den Fahrer am Hosenbein fest. Es ist ein völlig aggressionsloser Akt, aber sehr wirkungsvoll. Versuchen Sie mal, mit einem Pudel zu diskutieren, der die Straßenverkehrsordnung §2 und § 10 kennt.

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