Nein, ich mag Cesar Millan nicht

Mag sein, dass ich den Mann einfach nicht richtig verstehe. Mag sein, dass Cesar Millan schlicht aus einer völlig anderen Kultur kommt als ich: Einer Macho-dominierten Kraftprotzwelt, in der Hunde immer noch versuchen, die Weltherrschaft zu übernehmen. Ich dagegen sehe die Hunde in seinen Beiträgen und sehe vor allem verunsicherte, hochgradig gestresste Hunde, die keine Richtung gezeigt bekommen und unter ungeheure psychische Belastungen gestellt werden. Ich sehe Hunde, die die Kommunikation mit Cesar Millan vollständig vermeiden. Ich sehe Millan, der die Hunde in seiner Ausbildung ständig in die Seite tritt – er nennt es nur irgendwie anders: Angeblich „berührt“ er sie nur mit dem Fuß, aber wenn ich meine Hunde mit dem Fuß „nur berühre“, zucken sie nicht zusammen.  Millan hebt Hunde am Würger hoch und schleudert sie herum – damit sie zur Ruhe kommen. Er springt mit bedrohlicher Geste auf einen fremden, fressenden Hund zu und erwartet, dass dieser friedlich beschwichtigt.  Millan drückt Hunde mit aller Gewalt auf den Boden – damit sie sich entspannen.  Und vor allem flüstert er einfach nie: Keine Ahnung, wie der Mann zu dem Titel „Hundeflüsterer“ kam: Ich kenne ihn drohend, fauchend, mit einer Körpersprache, die lauter ist als jedes Gebrüll.

Ich weiß ja nicht, auf was für einer Schule Cesar Millan war, aber ich hätte unter solchen Umständen  nie Lesen und Schreiben erlernt (Rechnen kann ich bis heute nicht… :) )

http://youtu.be/yGuuQO54hPo

Die Verhaltensbiologie hat sich seit den veralteten „Alphawolf“-Theorien längst weiter entwickelt. Hunde, die in einem derartigen Stress-Status sind, wie die Hunde unter Cesar Milans Fuchtel, können überhaupt nicht mehr lernen: Ihr Gehirn verfällt in einen „Mayday! Mayday!“-Zustand, bei dem es nur noch ums Überleben geht. Lernen lässt sich nur in Ruhe, Offenheit und relativer Entspannung. Nicht unter den Voraussetzungen, die Cesar Millan schafft.

Sehen Sie sich noch einmal unter Berücksichtigung der körpersprachlichen Signale von Holly an, was Cesar Millan eigentlich tut: Er missachtet ihre Signale, ihre Bitte um Raum, er ignoriert ihre Beschwichtigung – wenn Sie mich fragen, versteht der Mann von Hundesprache einfach gar nichts.

http://youtu.be/wiSS97ve2Iw

Die Art und Weise von Cesar Milans Erziehung: Druck, Stress kreieren, Drohgebärden, Alpha-Gehabe, bringt Hunden nur bei, dass der Mensch unberechenbar und potentiell gefährlich ist. Der Lernprozess verlangsamt sich, weil der Hund nicht zutraulich und gerne mitarbeitet, sondern ständig mit misstrauischen „Hintergedanken“ beschäftigt ist, ob jetzt gleich schon wieder von irgendwo ein Tritt, eine Drohung oder ähnliches zu erwarten ist.

Ich habe bei den Hunden, mit denen Cesar Milan gearbeitet hat, keine echten Verhaltensänderungen gesehen. Stattdessen sehe ich Hunde mit unterdrücktem Verhalten, Hunde, die an sehr kurzen Leinen geführt werden, Hunde, die in fast jedem Fall in irgendeiner Weise gehemmt sind oder abgeschaltet haben. Wenn ein Hund nicht bellt, losstürzt oder knurrt, ist er deshalb nicht unbedingt gelassen oder rehabilitiert.

Kein einziger der von Cesar Milans „rehabilitierten“ Hunden zeigt mir, dass er von nun an entspannt ist und mit seinen Besitzern kommuniziert. Ich sehe, das einzelne Verhaltensweisen besser geworden sind – der Hund geht nicht mehr auf Skateboards los, nicht mehr auf den Nachbarhund -, aber er läßt sich noch immer nicht an lockerer Leine führen, ich sehe keinen glücklich grinsenden Hund, der in Kommunikation mit seinem Besitzer steht.

Um Hunde zu rehabilitieren muss man wissen, wie Hunde lernen und was sie dazu motiviert, ein bestimmtes Verhalten zu wiederholen. Das ist vor allem auch dann wichtig, wenn man unerwünschte, schwierige Verhaltensweisen ändern möchte. Nur wenn ich lerne, wie ich meinen Hund richtig „führe“, kann ich auf Dauer mit ihm zusammen arbeiten.

Die Hunde, die ich bei Cesar Millan sehe, arbeiten nicht mit dem Menschen zusammen: Das haben sie von vornherein nicht gelernt, sonst wären sie nicht so aggressiv oder gar gefährlich. Aber von Millan lernen sie es bestimmt nicht, dass es Spaß macht, mit dem Menschen etwas zusammen zu machen, ihm etwas anzubieten.

Dementsprechend sind die Lösungen, die Millan anbietet, nur Pflaster, keine echten Wundheilungsmittel. Hunde können so viel mehr. Und gute Trainer, die motivieren, erziehen und führen können, erst recht.

mehr zum Thema:

http://www.lumpi4.de/dominanz-gibt-s-oft-15624933/

http://www.lumpi4.de/was-ist-eigentlich-fuehrung/

http://www.lumpi4.de/der-mythos-vom-rudelfuehrer/

http://www.lumpi4.de/dominanz-hierarchie-und-beziehung/

http://www.lumpi4.de/positive-erziehung/

 

 

 

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