Nein, ich mag Cesar Millan nicht

Mag sein, dass ich den Mann einfach nicht richtig verstehe. Mag sein, dass Cesar Millan schlicht aus einer völlig anderen Kultur kommt als ich: Einer Macho-dominierten Kraftprotzwelt, in der Hunde immer noch versuchen, die Weltherrschaft zu übernehmen. Ich dagegen sehe die Hunde in seinen Beiträgen und sehe vor allem verunsicherte, hochgradig gestresste Hunde, die keine Richtung gezeigt bekommen und unter ungeheure psychische Belastungen gestellt werden.

Ich sehe Hunde, die die Kommunikation mit Cesar Millan vollständig vermeiden. Ich sehe Millan, der die Hunde in seiner Ausbildung ständig in die Seite tritt – er nennt es nur irgendwie anders: Angeblich “berührt” er sie nur mit dem Fuß, aber wenn ich meine Hunde mit dem Fuß “nur berühre”, zucken sie nicht zusammen.  Millan hebt Hunde am Würger hoch und schleudert sie herum – damit sie zur Ruhe kommen. Er springt mit bedrohlicher Geste auf einen fremden, fressenden Hund zu und erwartet, dass dieser friedlich beschwichtigt.  Millan drückt Hunde mit aller Gewalt auf den Boden – damit sie sich entspannen.

Und vor allem flüstert er einfach nie: Keine Ahnung, wie der Mann zu dem Titel “Hundeflüsterer” kam: Ich kenne ihn drohend, fauchend, mit einer Körpersprache, die lauter ist als jedes Gebrüll.

Ich weiß ja nicht, auf was für einer Schule Cesar Millan war, aber ich hätte unter solchen Umständen nie Lesen und Schreiben erlernt (Rechnen kann ich bis heute nicht… 🙂 )

Die Verhaltensbiologie hat sich seit den veralteten “Alphawolf”-Theorien längst weiter entwickelt. Hunde, die in einem derartigen Stress-Status sind, wie die Hunde unter Cesar Milans Fuchtel, können überhaupt nicht mehr lernen: Ihr Gehirn verfällt in einen “Mayday! Mayday!”-Zustand, bei dem es nur noch ums Überleben geht. Lernen lässt sich nur in Ruhe, Offenheit und relativer Entspannung. Nicht unter den Voraussetzungen, die Cesar Millan schafft.

Sehen Sie sich noch einmal unter Berücksichtigung der körpersprachlichen Signale von Holly an, was Cesar Millan eigentlich tut: Er missachtet ihre Signale, ihre Bitte um Raum, er ignoriert ihre Beschwichtigung – wenn Sie mich fragen, versteht der Mann von Hundesprache einfach gar nichts.

Die Art und Weise von Cesar Milans Erziehung: Druck, Stress kreieren, Drohgebärden, Alpha-Gehabe, bringt Hunden nur bei, dass der Mensch unberechenbar und potentiell gefährlich ist. Der Lernprozess verlangsamt sich, weil der Hund nicht zutraulich und gerne mitarbeitet, sondern ständig mit misstrauischen “Hintergedanken” beschäftigt ist, ob jetzt gleich schon wieder von irgendwo ein Tritt, eine Drohung oder ähnliches zu erwarten ist.

Ich habe bei den Hunden, mit denen Cesar Milan gearbeitet hat, keine echten Verhaltensänderungen gesehen. Stattdessen sehe ich Hunde mit unterdrücktem Verhalten, Hunde, die an sehr kurzen Leinen geführt werden, Hunde, die in fast jedem Fall in irgendeiner Weise gehemmt sind oder abgeschaltet haben. Wenn ein Hund nicht bellt, losstürzt oder knurrt, ist er deshalb nicht unbedingt gelassen oder rehabilitiert.

Kein einziger der von Cesar Milans “rehabilitierten” Hunden zeigt mir, dass er von nun an entspannt ist und mit seinen Besitzern kommuniziert. Ich sehe, das einzelne Verhaltensweisen besser geworden sind – der Hund geht nicht mehr auf Skateboards los, nicht mehr auf den Nachbarhund -, aber er läßt sich noch immer nicht an lockerer Leine führen, ich sehe keinen glücklich grinsenden Hund, der in Kommunikation mit seinem Besitzer steht.

Um Hunde zu rehabilitieren muss man wissen, wie Hunde lernen und was sie dazu motiviert, ein bestimmtes Verhalten zu wiederholen. Das ist vor allem auch dann wichtig, wenn man unerwünschte, schwierige Verhaltensweisen ändern möchte. Nur wenn ich lerne, wie ich meinen Hund richtig “führe”, kann ich auf Dauer mit ihm zusammen arbeiten.

Die Hunde, die ich bei Cesar Millan sehe, arbeiten nicht mit dem Menschen zusammen: Das haben sie von vornherein nicht gelernt, sonst wären sie nicht so aggressiv oder gar gefährlich. Aber von Millan lernen sie es bestimmt nicht, dass es Spaß macht, mit dem Menschen etwas zusammen zu machen, ihm etwas anzubieten.

Dementsprechend sind die Lösungen, die Millan anbietet, nur Pflaster, keine echten Wundheilungsmittel. Hunde können so viel mehr. Und gute Trainer, die motivieren, erziehen und führen können, erst recht.

mehr zum Thema:

https://www.lumpi4.de/dominanz-gibt-s-oft-15624933/

https://www.lumpi4.de/was-ist-eigentlich-fuehrung/

https://www.lumpi4.de/der-mythos-vom-rudelfuehrer/

https://www.lumpi4.de/dominanz-hierarchie-und-beziehung/

https://www.lumpi4.de/positive-erziehung/

3 Kommentare

  1. Ganz toller Beitrag. Ich wundere mich auch immer über diese Medienmaschine. Genau dieses Video wurde uns als Lehrvideo, wie man es NICHT macht beim Ausbildungskurs zum Hundetrainer gezeigt.

  2. S.Obermayer

    Sie sollten sich mal richtig mit Rudelverhalten und Psycholgie auseinader setzen, bevor sie so eine Mist schreiben.Dominanz ist der Grundpfeiler in einen funktionierenden Rudel, sonst gäbe es nur chaos.Genau das setzt Cesar um. Als Cesar den Hund in diesem Video tritt, versucht er die Situation zu beenden. Es ist völlig normal das er sich intuitiv wehrt um den Hund von seiner Hand los zu bekommen, viele Leute hätten so reagiert.Gut zureden hilft sicher nicht in einer solchen Situation.Man sollte Tiere auch wie Tiere behandeln und ihrer naturentsprechend und nicht wie Menschen und mit menschlicher Pschologie. Die “leichten Tritte” die Cesar manchmal in gewisen Situationen erteilt, entsprechen unter Hunden oder im Rudel einem Biss der zur Ordnung ruft, genauso verhällt es sich beim dominieren durch das an den Boden drücken, was die Dominanz des Rudelführers klar stellt. Genauso läuft es in der Natur, dran gibt es nichts verwerfliches und ist sicher keine Tierqäulerei oder Machogehabe von Cesar.Das ist völliger Schwachsinn und kann nur von einer Emanze kommen.Man darf nicht vergessen das es sich bei den meisten Tieren um problematische Fälle handelt und auch manchmal auch drastischere Maßnahmen erfordert. Der Erfolg gibt Ihm recht, Ihnen aber nicht.

    • Soooo wahnsinnig langweilig, dass sich die Cesar Milan- Fans nicht anders äußern können als mithilfe von Beleidigungen, Angriffen und dem Absprechen jeglicher Erfahrung. Keine Argumentation, keine wissenschaftlichen Beweise – nur verbales Zuschlagen – kein Wunder, dass Sie der Meinung sind, Milans Tritte währen eine adequate Erziehungsmethode. Ich lebe mit 14 Hunden ganz verschiedener Rassen und Temperamente zusammen, inklusive immer wieder wechselnder Gasthunde: Ich habe noch nie in meinem Leben einen Hund auf den Rücken werfen müssen, ich rucke nicht an ihnen herum: ich muss meinen Körper nur körpersprachlich einsetzen. Alles andere ist ein erzieherisches Armutszeugnis. Kein Hund wirft einen anderen um, kein sozialer Hund muss Schmerz und Angriff einsetzen, um mit anderen Hunden zu kommunizieren. Wenn ich als Vorbild gewaltsames verhalten einsetze, muss ich mich nicht wundern, wenn der Hund glaubt, Rohheit sei eine Option. Natürlich kann man Hunde noch immer so trainieren wie vor 100 Jahren – aber glücklicherweise ist man in der Verhaltensbiologie mittlerweile so weit, dass man weiß, wie Hunde am besten und leichtesten lernen.

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