Neues Buch: Die zweite Chance

Wie man Hunden mit Vergangenheit das neue Leben beibringt

Jedes Jahr werden allein in Deutschland über 200 000 Hunde aus Tierheimen, Pflegestellen, aus dem Auslandstierschutz oder von einem Zuhause in ein neues Zuhause vermittelt. Hunde “aus zweiter Hand” sind dabei besondere Hunde, denn sie bringen eine Geschichte mit sich, die sie bereits geformt hat. Sie haben häufig bisher nicht gelernt, eine Bindung zum Menschen aufzubauen und haben oft sogar Schwierigkeiten, Menschen zu vertrauen, sie sind häufig orientierungs- und führungslos. Manche machen es ihren neuen Menschen überraschend einfach und fügen sich mit unbändigem Überlebenswillen einfach in ihr neues Leben ein – andere wiederum können eine echte Aufgabe sein: Der Straßenhund, der ausgesetzte Hund, oder der Hund, der abgegeben wurde, weil man nicht mit ihm fertig wurde.

Nach den vielen Jahren, in denen Inga Böhm-Reithmeier und ich mit Hunden aus zweiter Hand zu tun hatten und haben – Hunden aus dem Tierheim, Hunden, die wir gefunden haben, Hunden aus dem Auslandstierschutz, Hunden, die bei uns als Gasthunde abgegeben und einfach nicht mehr abgeholt wurden, Hunden von Freunden (in meinem Fall) oder Klienten (in Ingas Fall als Trainerin), die wir gecoacht, erlebt und manchmal weiter vermittelt haben, war es uns ein echtes Herzens-Anliegen, dieses Buch zu schreiben. Immer wieder merkten wir, wie schwer Menschen und Hunde an den hohen Erwartungen zu tragen hatten, mit denen der neue Hund ins neue Zuhause einzog, wie häufig die gleichen Fehler gemacht wurden, wie oft von den Vermittlern nicht das gesagt wurde, was wichtig gewesen wäre, und welche wichtigen Fragen die Adoptanten aus Versehen und Unwissenheit nicht fragten. Gerade unsere Seminare zum Thema haben uns immer wieder gezeigt, wie viele Fragen offen bleiben vor und nach der Adoption eines Hundes, wo die Überforderungen, die Wünsche und die Grenzen liegen – und wie man es Hund und Mensch viel leichter machen kann.

Ein wichtiges Buch, auf das man lange gewartet hat – und das jeder lesen sollte, der sich mit der Idee beschäftigt, einen Hund aus dem Tierschutz aufzunehmen

Frank Weber, Moderator und Vorsitzender des “Bundes gegen Mißbrauch der Tiere

Nach vielen Jahren im Umgang mit “betroffenen” Menschen und Hunden haben wir uns also bemüht, einen lösungsorientierten Ratgeber zu schreiben, der hoffentlich tatsächlich alles beantwortet, was man im Vorfeld und “in Aktion” wissen muss. Der die potentiellen Adoptanten beruhigt oder bestärkt und Hilfe und Lösungsvorschläge aufzeigt bei  Themen, die Mensch und Hund sehr schnell überfordern können. Vom Umgang mit der Vergangenheit des Hundes aus zweiter Hand, von der Auswahl und Eingewöhnung, Erziehung, Sozialisierung und Training bis hin zu Problemverhalten, Ernährungsumstellung und besonderen Krankheiten, die Hunde mitbringen können bis hin zur Problematik, wenn man einen Pariah-Hund vermittelt bekommen hat, haben wir hoffentlich nichts vergessen – auch wenn wir im Laufe des Schreibens eigentlich schon mit einem zweiten Band hätten anfangen wollen (sowohl Inga, als auch ich sind etwas detailversessen, aber mehr als 230 Seiten waren von Verlagsseite einfach nicht drin 🙂 ). Aber die wichtigen Dinge sind alle nachzulesen: Die Überprüfung der persönlichen Motivation, weshalb man sich ausgerechnet diesen Hund ausgesucht hat, wie man Stressabbau hinbekommt und wie man mit Angst und Aggression, Allesfressern und Ausbruchskönigen umgehen soll, Übungen für die wichtigsten Lebenslagen – gerade am Anfang, wenn Hund und Mensch sich noch nicht gut kennen und nur schlecht einschätzen können.

Wir hoffen, dass dieses Buch den Umgang mit Hunden, denen man eine zweite Chance bieten möchte, heiter und einfacher gestaltet. Jeder Hund hat eine zweite Chance verdient, und jeder Mensch, der sich eines Hundes aus dem Tierschutz (im weitesten Sinne) annimmt, hat es verdient, dass ihm bei vermeintlich unlösbaren Schwierigkeiten geholfen wird.

 

8 Kommentare

  1. Das Buch kommt zwar ein Jahr nachdem wir unseren 2. Hand-Beagle haben, ist aber trotzdem vorbestellt.
    Dürfte für uns die perfekte Ergänzung zu “Leinen Los” sein.
    Die Bilder machen jetzt schon Lust auf das Buch.
    Ab jetzt bitte jährlich ein neues Buch mit Inga 😉
    Liebe Grüße aus NRW,
    Florian

  2. Liebe Frau von der Leyen,
    vor einigen Tagen habe ich Ihr neues Buch vorbestellt und erhielt heute schon die Nachricht, dass es bereits mit der Post auf dem Weg zu mir ist. Große Freude auf die nächste Woche!
    Ich hoffe sehr, dass der Sturm den “Miniberg” verschont hat. Wir haben in Berlin große Schäden.
    Herzliche Grüße
    Monika

  3. Cornelia Braun

    ein wunderschöner Artikel.
    Ich habe mir auch fest vorgenommen:Sollte mein Hund nicht mehr sein,werde ich eine Pflegestelle für ältere Hunde einrichten.

  4. Ich finde es ist ein sehr schönes und wichtiges Buch, in dem einem die sogenannten “Kleinigkeiten” auf die man achten sollte näher gebracht werden. Das einzige das mir nicht gefällt ist ein Abruchsignal mit sss oder sch Lauten, das erinnert mich immer an entweichende Luft , die im Alltag doch häufig vorkommt.

    • Liebe Stefanie,
      jeder muss Signale verwenden, die ihm am besten passen. Deshalb sage ich zu meinen Hunden nicht “Nein” oder “Komm”, weil ich diese Worte den ganzen Tag irgendwie einsetze – “Komm, lass’ das mal, komm, lassÄ mich mal gucken”, etc. Luft entweicht mir eigentlich nie, und ich verwende ein gut hörbares, kurzes “scht” bei meinen Hunden – sogar den Angsthunden – seit Jahrzehnten ohne Missverständnisse – im Gegenteil. Kein Buch, keine Anleitung (außer für Maschinen) ist 1:1 einsetzbar; man muss immer an das eigene Leben anpassen. 🙂

  5. Liebe Katharina,
    natürlich nutze ich auch nicht “nein” und “komm”, und mir entweicht ausser beim Atmen auch keine Luft. Und Hunde können sicherlich in normalen Situationen auch differenzieren ob das Geräusch von Mensch oder Maschine kommt. Erregte Hunde können aber auch schon mal schreckhafter oder abwehrbereiter sein.Deswegen finde ich Signale, die eindeutig der Lautgebung des Menschen zuzuordnen sind einfach vorteilhafter. Im Buch werden ja auch weitere Signale wie z.B. Hohoho vorgeschlagen.

  6. Liebe Frau von der Leyen,
    da haben Sie wieder einmal ein ganz tolles Buch geschrieben, und, wie ich finde, nicht nur für die Menschen, die einen Hund aus dem Tierschutz aufnehmen möchten. Es enthält so viele gute Anregungen und Infos für den Alltag.
    Das Kapitel darüber, welche Gedanken man sich machen sollte, BEVOR ein (Tierschutz)-Hund in die Familie einzieht, ist dabei mit das Wichtigste. Und die vielen Fallgeschichten zeigen, was alles auf einen zukommen kann, wie wichtig eine gute Vorbereitung ist und dass man bei aller Tierliebe nicht vorschnell handeln sollte. Das wird sicher oft unterschätzt.
    Herzlichen Dank Ihnen und Inga Böhm-Reithmeier für dieses lebensnah geschriebene Buch voller wertvoller Tipps und Anregungen – und wunderschöner Fotos!

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