Besuch beim Kini

Aus hunde-offiziellen Gründen habe ich gerade einer Delegation amerikanischer Richter für Hunde Bayern gezeigt – unter anderem auch Schloß Neuschwanstein in Füssen.

Neuschwanstein
Es ist Jahre her, dass ich dort war – und ich bilde mir ein, damals wären deutlich weniger Japaner und Italiener dort gewesen, aber wahrscheinlich war ich einfach nicht zur Hochsaison dort: Unendliche Mengen von Menschen, merkwürdig laute Chinesen, die meine Hunde mindestens so häufig fotografierten, wie die wundervoll schönen Gebäude darunter (aber meine Hunde sind Kameras ja gewohnt und erdulden derlei mit professioneller Lässigkeit).

Am allerschönsten ist das Jägerhaus, an dem Konterfeis von einem Rehbock, einem Wildschwein und einem Lieblingsjagdhund des Jägers von Ludwig II. von Bayern zu sehen sind:
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Im Schloß selbst wird man in gewaltigen Gruppen durch die Räume getrieben; verweilen läßt sich’s schlecht, weil einem auf den Fersen schon wieder die nächste Führung folgt: 25 Minuten bekommt man heute Zeit für das gesamte Schloß. WIe soll es auch anders gehen? Mittlerweile kommen jedes Jahr 1,3 Millionen Besucher in Ludwigs Märchenwelt. Früher durften Gäste noch auf den Balkon hinaustreten und den Paradiesblick über Alpsee und Schwansee und das östliche Allgäu genießen.
Ich habe anschießend eine Weile mit dem Guide geredet, der den Job schon seit 14 Jahren macht – und behauptet, er kenne trotzdem noch immer nicht das ganze Schloß (“Vielleicht 96 Prozent”, meinte er) und würde immer noch auf Dinge stoßen, die er noch nie zuvor gesehen habe. Dann verfiel er in ein Plädoyer für den Missverstandenen “Kini”, der „seinen Platz in der Welt nie gefunden” habe. Er stand mit einem Fuß in der Vergangenheit, mit dem anderen in der Zukunft.“ Als mittelalterlicher Parcival sah er sich, der nach Reinheit strebte, und er ärgerte sich gleichzeitig, dass Leonardo da Vincis Fluggerät noch nicht erfunden war. Er war herzlich zu einzelnen Menschen und hatte Riesenangst, wenn sie in Massen auftraten. Ein Träumer war er. „Dazu katholisch und König und homosexuell“, seufzte er. „Wie konnte ein einzelner Mensch damit zurechtkommen?“

Es ist natürlich eine gewaltige Wagner-Kulisse -überall Schwäne, so dass ich froh war, dass Harry nicht mit im Schloß war: Er hält Schwäne für seine natürlichen Feinde. Am allerschönsten ein riesiger, art-deko-ähnlicher Kachelofen, sicherlich sieben Meter hoch (der dem König aber nicht gefiel), dafür das Bett so riesig und schwer (16 Schnitzer arbeiteten vier Jahre lang an dem düsteren Monstrum), dass es einen nicht wundert, dass der Mann trübsinnig war.
Also baute er sich seine Traumwelt, die die Wirklichkeit für immer ausschließen sollte. Seinen Diener wies er an: „Passt mir gut auf mein Schloss auf. Lasst es nicht bevölkern von Neugierigen!“ Und was haben sie gemacht? Sechs Wochen nach seinem Tod wurde das Schloss für Besucher geöffnet. Seitdem sind 65 Millionen Menschen hindurchgezogen.

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DIe Hunde durften natürlich nicht mit ins Schloß, sondern warteten so lange in meinem Auto, tobten aber hinterher durch das Gelände – nach 18:00 Uhr, als nämlich kein Tourist mehr weit und breit zu sehen war. Es war herrlich – als würde man in dieses erstaunliche Dorf gehören, als dürfe man gleich durch eine der schönen Türen in eines der hübschen Häuser treten und wäre dort zuhause.

Gretel jedenfalls verfiel der Stimmung genauso und spielte König Ludwig II im See:
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