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Das polnische Biber-Problem

Statuen II

Auch im Paradies gibt es ab und zu Probleme. So auch hier: Seit geraumer Zeit gibt es hier einen Biber am Teich direkt vor dem Gutshaus. Was so idyllisch klingt (immerhin stehen sie unter Naturschutz und galten jahrelang in Westeuropa für so gut wie verschwunden), sorgt leider für einigen Schaden: Im Frühjahr hat er drei 300 Jahre alte Buchen umgesägt, was wirklich sehr traurig war – vor allem, wenn man bedenkt, was diese – völlig gesunden – Buchen alles erlebt und überdauert haben.

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Statuen

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Bevor der Biber sich also  über die Obstbäume und die majestätischen Alleen von Friedrich II. hermachen  konnte, berief ich im Februar ein Krisengespräch mit dem polnischen Jäger ein, ob der eine Idee habe. Nee, sagte er: Biber stünden unter Naturschutz, er dürfe sie also nicht schießen. Das sei auch nicht der Plan, erklärte ich, was denn mit Lebendfallen sei? Nee, mit Lebendfallen kenne er sich nicht aus, und alle Leute in der gesamten Umgebung, die sich je mit so was ausgekannt hätten, wären mittlerweile tot. Das Biberproblem sei ganz allein mein Problem, er wolle damit nichts zu tun haben.

Im Internet fand ich Biberfallen, die riesig waren: Man hätte ohne Probleme mehrere Großpudel oder Kinder darin unterbringen können. Das liegt daran, dass erwachsene Bibermännchen tatsächlich um die 40 Kilo wiegen. Ich war auch erstaunt: Bei Walt Disney sahen sie immer so klein, rundlich und niedlich aus.

Das nächste Problem war, dass niemand wusste, womit man Biber in die wenig einladend aussehenden Fallen locken könnte. Ich war wild entschlossen ein kleines Potpourri aus verschiedenen Holzsorten anzubieten; ich dachte an frisches Obstholz, etwas Eiche und vielleicht einen antiken Stuhl zum Nachtisch. Der Jäger, Anatol meinte, es sei ein polnischer Biber, also müsse ein Schnaps eigentlich reichen.  Keiner von uns wusste weiter, also rief ich den Biber-Beauftragten des Bund Naturschutz Bayern an (der mit seinem roten Bart so aussieht, wie ein Biber in menschlicher Gestalt aussehen würde), der mir erklärte, Biber würde man am besten mit Äpfeln, Karotten und frischen Bananen fangen. Aaaaaaber, sagte er dann: Damit sei es nicht getan. Wenn wir den Biber dann gefangen hätten, müssten wir ihn – denn er steht ja unter Naturschutz,  obwohl er ohne das geringste Gefühl für die Natur komplette Wälder niedermäht und in traurige Sumpflandschaften verwandelt – in irgendeine Gegend fahren, wo kein anderer Biber lebt. Biber sind offenbar unglaublich territorial und prügeln sich miteinander bis aufs Blut.

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Eine gänzlich biberfreie Gegend scheint es aber in ganz Polen nicht zu geben: Die Tiere gedeihen hier prächtig und völlig ungestört.

Das Problem stellt sich vorläufig sowieso nicht. Die Falle wurde am unteren Teichende aufgestellt, nur ist der Biber davon völlig unbeeindruckt. Wir haben von Teichhühnern,  Mardern, einem Dachs und mehreren Enten alles darin gefangen, was die hiesige Wasser-Fauna zu bieten hat. Der Biber hat sich in der Zwischenzeit eine Frau angelacht und produziert fleißig Nachwuchs.

Nachts kann man ihn im Mondlicht auf der Brücke sitzen sehen, von wo aus er uns zuwinkt.

Die Biberfalle werde ich zum Kaninchenstall umfunktionieren.

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