Das Elend der Wühltisch-Welpen

bildvom 29.1.2012

Seit 1991 kann man in Deutschland im Zoohandel keine Hunde und Katzen mehr kaufen. Damals rangen sich die Mitglieder des „Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe” zu „besonderem Tierschutz im Zoofachhandel” durch, weil sie einsahen, dass die gesunde Haltung und Aufzucht von Hunde-und Katzenwelpen viel mehr beinhaltet, als ein Verkaufsbetrieb leisten kann: Wärme, Liebe, Sozialisierung und eine möglichst frühe Bindung zu einer Bezugsperson nämlich.
Seit dem 20. Januar kann man im „größten Zoofachhandel der Welt” Zoo Zajac in Duisburg nicht nur Katzen, sondern auch junge Hunde kaufen. Zajac setzt sich ganz bewusst über die Beschränkung seiner Zoofach-Kollegen hinweg: Er sagt ganz offen, dass er davon ausgeht, dass sie schnelle Umsatzposten sind: Er rechne damit, dass jeder der momentan 22 jungen Hunde innerhalb weniger Tage verkauft sei.
Jeder, der je mit Hunden zu tun hatte weiß, dass das Leben mit Hund gut überlegt und geplant sein will. Auch ohne Schaufensterwelpen wird zu oft nach dem ersten Impuls entschieden. Schon jetzt landen viele Tiere in den Tierheimen, weil sie unüberlegt angeschafft wurden, sich doch als ziemlich lästig erweisen oder den Halter überfordern: Auch diese Zahl wird Zoo Zajac steigern, nicht nur – und das steht außer Frage – seinen Umsatz.
Hunde müssen gut sozialisiert und wesensfest sein, um ein umgänglicher, zuverlässiger Begleiter in allen Lebenslagen zu werden. „Die Betreuung erfolgt durch Tierpfleger, die insbesondere die Reinigung und Fütterung der Tiere übernehmen”, schwärmt Zajacauf seiner Internetseite. „Die Tierpfleger sind morgens ab 6 Uhr im Haus. Ab 10 Uhr ist das Verkaufspersonal anwesend.” Soll das Sozialisierung sein? Und was passiert eigentlich zwischen Ladenschluß und sechs Uhr morgens? Was, wenn sich zwei Welpen in die Haare bekommen und verletzen?
Die Hündchen in Zajacs Glasboxen kommen „aus Familienaufzuchten”, behauptet er. Das ist natürlich Quatsch: Wer seine Welpen liebevoll zuhause aufzieht, verschachert sie nicht an ein Zoogeschäft, um sie dort einem ungewissen Schicksal zu überlassen. Kein ethisch orientierter Züchter wird seine Hunde je in den Handel geben, sondern sucht sich die Käufer seiner Welpen genau aus und ist ein Hundeleben lang für sie da. Wenn etwas schief geht, nimmt er die Hunde aus seiner Zucht zurück. Aber für Massenvermehrer ist der Hundehandel bei Zajac ein lukratives Geschäft. „ Wir werden nicht mit Hundevermehrern aus dem In- oder Ausland zusammenarbeiten”, schreibt Zajac zwar. Schon geschehen: Einer der Zulieferer von Hern Zajac ist die „Labradoodle Puppy Ranch” aus Südlohn-Oeding. Barbara Veer und Helmut Frericks züchten schon immer im großen Stil alles, was gerade Geld bringt, früher Labradore, Golden Retriever und Westies, heute Labradoodles (modische Mischlinge aus Labrador und Großpudel). Ihrer Website konnte man entnehmen, dass sie vier Würfe mit Labradoodles innerhalb von drei Monaten hatten, viele bis heute nicht verkauft. Wie soll man sich um über 20 Welpen gut kümmern? Haben sie sich mit dem Weihnachtsgeschäft verschätzt und müssen ihre Welpen jetzt „rausverkaufen”?
Am Freitag voriger Woche hatte Zajac fünf ihm gelieferte Cairn Terrier noch postwendend wieder zurück zum Anbieter geschickt. Der Grund: ein Unterbiss der Welpen. Als wären Hundekinder so etwas wie Handtaschen mit Webfehler.
Als Ersatz bekam Zajac am Tag darauf fünf Australien Shepherds. Kein Käufer wird je erfahren, woher die Welpen stammen.

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