Fehlkäufe

bildvom 2.1.2011
Mein Hunde-Findelkind Max macht sich bestens. Der Wegwerfhund, billig produziert, weggeschmissen, weil er krank war und sich als Kaufobjekt nicht lohnte, ist ein unglaublich amüsanter, wahnsinnig schlauer kleiner Hund, der mittlerweile das doppelte an Größe und Gewicht zugelegt hat: Mittlerweile ist er immerhin so groß wie eine Taube und unglaublich niedlich. Absolut jeder, der ihn kennenlernt, schmilzt auf der Stelle dahin. Wäre es so gelaufen, wie seine „Hersteller” es geplant hatten, hätten sie ca. EUR 300 an ihm verdient, und irgendjemand hätte sich mit ihm einen sehr günstigen jungen Hund gekauft. Erstmal. Denn ich habe mittlerweile das Mehrfache in den Winzling investiert; er war unterernährt, hatte Parasiten im Darm und wollte nicht fressen. Wir haben mehrere Bluttests gemacht, Kotproben eingeschickt, um verschiedene Krankheiten ausschließen zu können, ihm mit der Hand viel Flüssigkeit eingeflößt, damit er trotz Durchfalls nicht austrocknet, ihn mit einer Art Vor-Impfstoff geimpft, damit er sich nicht irgendetwas anderes einfängt -und gerade bekam ich eine empörte Email von einer Dame, es sei unmöglich, dass Tierschutzorganisationen etwa EUR 290.- Schutzgebühr für ihre Hunde verlangen würden, wo man doch froh sein könne, dass „jemand diesen Hunden ein Zuhause anböte.”
Es mag sich ehrenhaft anfühlen, „diesen Hunden” ein Zuhause anzubieten. Tatsache ist, dass „diese Hunde” auch nicht besser oder schlechter sind, als alle anderen. Tatsache ist auch, dass die Tierschutzorganisationen sich an diesen Schutzgebühren für die Hunde, die sie aufnehmen und vermitteln, wahrhaftig nicht bereichern. Viele dieser Hunde sind ungepflegt und gesundheitlich angeschlagen: Bis sie schließlich vermittelt werden, sind sie kerngesund, meist stubenrein, ein bisschen erzogen und fröhlich. Man erfährt meistens sehr genau, was für einen Hund man da bekommt – schon weil die Tierschutzorganisationen größtes Interesse daran haben, „diesen Hunden” ein passendes Zuhause zu finden, in dem sie für immer bleiben kann.
Vor ein paar Tagen stand jemand vor mir, der sich in einem „Spontankauf” einen zwölf Wochen alten Dobermann gekauft und es sich am Tag darauf anders überlegt hatte – wie ein Pullover, mit dessen Farbe man sich geirrt hat. EUR 350 hatte er für die Hündin bezahlt, die er aus einer fiesen, völlig verrauchten Wohnung herausgekauft hatte. Es war der vorletzte Welpe von ehemals sieben Stück – relativ leicht verdiente EUR 2450, die nicht in die Sorge und Pflege der Hunde investiert wurden, denn dieser Welpe sah nicht gut aus, hatte einen Hautpilz, Milben in den Ohren und stumpfes Fell. Die Besitzer der Mutterhündin hatten den Wurf in einer Gartenlaube aufgezogen, wo es nun zu kalt wurde, weshalb die Frau die Welpen so dringend loswerden wollte, dass sie die übriggebliebene Hündin ins Tierheim bringen wollte. Man nennt so etwas „Hinterhofzüchter”, denen es nur um schnelles Geld geht, die Hunde verpaaren, ohne sich um deren Gesundheit oder Charaktereigenschaften Temperament zu kümmern, ohne diesen mittlerweile zwölf Wochen alten Welpen irgendetwas vom Leben zu zeigen, sie an Alltagsgeräusche zu gewöhnen oder nur gut zu füttern. Die EUR 350 waren zu leicht ausgegeben worden: Der kleine Dobermann sucht nun schon wieder ein Zuhause. Was für ein Start in ein drei Monate altes Leben.
Möglicherweise ist das der Grund für das globale Hundeelend: Hunde sind einfach nicht teuer genug. Wenn ein Hund möglichst weit über 1000 EUR kostet, überlegt man sich diese Anschaffung sehr viel genauer. Was ist einem das Leben eines Freundes denn wert?

Werbeanzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Werbeanzeige