GPS macht das Hundeleben leichter – oder das Leben mit Hunden

Ich bin ein großer Freund von GPS-Geräten für Hunde. Sie sind unglaublich praktisch, wenn man einen Hund hat, der auf einem ausgeprägten Privatleben besteht, oder der gerne dem Ruf der Wildnis folgt, oder wenn man mit Tierschutzhunden zu tun hat, die noch keine Rituale haben oder – „das hat er ja noch nie gemacht!“- plötzlich zu Ausbruchsprofis mutieren, oder wenn sie einen furchtbaren Schreck bekommen und sich losreißen, usw. Sie sind großartig, wenn man mit der Schleppleine üben möchte, der Hund sich aber trotz und mit der 10- oder 15 Meter-Leine plötzlich vom Acker macht (ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich in meinem Leben die Junghunde von Jägern gesucht habe, die mitsamt der Schweißleine verloren gingen. Nicht selten leider für immer, weil sie sich mit der Leine irgendwo festhakten und nie mehr gefunden werden konnten). Auch für alte, demente Hunde ist ein GPS fabelhaft, falls der alte Hund im (größeren) Garten verloren geht, oder von dem Weg abkommt, den er in den vergangenen zwölf Jahren noch nie verlassen hat – aber jetzt plötzlich schon. GPS‘ sind großartig für Menschen, die sich aus eigenen Ängsten heraus nicht trauen wollen, den Hund frei laufen zu lassen: mit GPS haben sie eine Kontrollmöglichkeit, den Hund auf jeden Fall wieder zu finden. Die Geräte sind fabelhaft in unbekannten Gegenden, wenn man irgendwo zu Besuch oder in den Ferien ist und der Hund sich aufgrund mangelnder Ortskenntnisse z.B. in seiner Route vertut.  

Das Blöde an den allermeisten Geräten ist allerdings, dass sie mit gemeinen Verträgen gekoppelt sind, dass sie in einsamen Gegenden versagen, weil das Netz nicht mitmacht, dass sie zu klobig sind oder der Akku nicht hält. Ich persönlich konnte jedenfalls kein Gerät „fürs Leben“ finden. Manchmal braucht man ein GPS nur in den Ferien, manchmal nur für einen bestimmten Pflegehund, manchmal muss man erst einmal ausprobieren, ob ein GPS überhaupt das Richtige ist.   

GPS-Sender mit mehreren Ortungs-Arten

Der Weenect-Tracker mit Ladestation

Nach unzähligen GPS-Trackern, die ich ausprobiert habe, bin ich nun beim „Weenect Dogs 2“-Tracker gelandet. Für den Weenect Dogs 2 -Tracker gibt es unterschiedliche Bezahl-Modelle – für einen Monat, für sechs Monate oder ein Jahr. Ich habe ihn mit meiner Barsoi-Hündin Rapunzel monatelang in den entlegensten Winkeln Bayerns und Österreichs ausprobiert, zu Wasser, zu Land und im Gebirge, ob es stürmte, regnete oder die Sonne schien: Ein einziges Mal habe ich das Signal zu Rapunzel verloren – und da kamen wir einfach für ganz kurze Zeit an die Grenzen dessen, was GPS leisten kann.

Rapunzel ist, das muss man wissen, gar kein Jäger, sondern eher ein Hund, dem es gerne mal zu viel wird – und die sich dann vom Acker macht, um sich der vermeintlich anstrengenden Situation zu entziehen. Seit sie den Tracker am Halsband trägt weiß ich, dass sie in diesen Fällen gar nicht weit läuft, sondern ganz in der Nähe und auser Sichtweite abwartet, bis die jeweiligen Störenfriede wieder weg sind: Dann taucht sie wie durch Zauberhand wieder auf, als wäre nichts gewesen.

Der Tracker

Der Tracker in seiner Silikon-Hülle

Der „Weenect Dogs 2“- Tracker ist relativ klein und schmal: 4 cm lang und 2 cm breit. Für Hunde in Barthls Größe (Havaneser, Lhasa-Apso u.ä.) ist das Gerät klein genug, für Hunde, die in ihrer Größe darunter liegen, ist das Gerät zu groß. Er wird in einer Silikonhülle über das Halsband oder das Geschirr gezogen und sitzt dort felsenfest: Meine Hunde sind nicht zimperlich, wenn sie toben oder rennen; auch Schwimmen im Inn hat der Tracker unbeschadet überlebt. Der einzige erkennbare Nachteil des weißen Gerätes ist, dass es im Freien fast unmöglich ist zu erkennen, ob das Gerät eingeschaltet ist oder nicht, weil die Lämpchen nicht erkennbar sind. Allerdings vibriert der Tracker kurz, wenn man ihn anschaltet, und kann auch per Handy überprüfen, ob Handy und Tracker verbunden sind.

Live Tracking – den Hund in Echtzeit verfolgen

Der Weenect-Tracker funktioniert über GPS und über eine im Gerät bereits integrierte SIM-Karte, die sich mit allen GMS-Netzen verbinden kann. Er funktioniert zwar nicht im Haus (jedenfalls in meinem sind dafür die Mauern zu dick), aber wir haben innerhalb von drei Monaten täglichen Gebrauchs nur ein einziges Mal für zehn Minuten kein Signal gefunden, als alle überhaupt möglichen widrigen Umstände aufeinander trafen: Miserables Wetter mit starker Bewölkung, sehr dichter Wald und ein an dieser Stelle bekannt löchriges Mobilfunknetz. Grundsätzlich garantiert Weenect eine Gebietsabdeckung von 99%, was wir auch bestätigen konnten. Wenn man den Hund nicht sehen kann, obwohl man laut Karte eigentlich direkt vor ihm stehen müsste (beispielsweise bei Angsthunden, die sich versteckt haben, oder ein Hund, der verletzt irgendwo liegt), kann man über eine Einstellung in der App den Tracker klingeln lassen: So findet man den Hund auf jeden Fall. Und übrigens auch den Tracker, sollte man ihn doch einmal verloren haben.

Die Akku-Leistung

Die Akku-Leistung ist gut: Ein dreistündiger Spaziergang und anschließender Aufenthalt im Garten bergen keinerlei Probleme. Mit der Zeit lernt man, den Akku ein wenig zu schonen: Am stärksten wird die Batterie beansprucht, wenn man sich alle 30 Sekunden die Position des Hundes senden lässt. Um den Akku zu schonen, wäre es besser, auf einem gewöhnlichen, entspannten Spaziergang einen höheren Sendungs-Intervall einzustellen und den sogenannten “Super-Live-Modus” (fünf Minuten lang wird alle zehn Sekunden ein neuer GPS-Standort übermittelt) erst dann zu nutzen, wenn der Hund sich aus dem Blickfeld entfernt (hat). Auch Qualität des Telefonnetzes und des GPS-Signals haben Auswirkungen auf die Batterieleistung: Je mehr der Sender zu tun hat, indem er nach GPS und Netz suchen und gleichzeitig Informationen suchen muss, desto schneller leert sich der Akku. Das Ganze ist aber überhaupt kein Problem im Laufe eines Tages – ich habe den Akku über Nacht aufgeladen, und hatte nie Ausfälle,; noch dazu warnt die App, wenn der Akku schwach wird.

Die App

Über die App (iOS und Android), die im Nullkommanix installiert ist, kann man auch eine Home-Zone“ einstellen, so dass man übers Handy einen Alarmton bekommt, sobald sich der Hund aus dem vorher definierten Gelände wie etwa dem Garten entfernt. Tatsächlich gibt es sogar eine Einstellung in der App, mit der der Tracker in diesem Fall eine festgelegte Telefonnummer anruft.

Ich habe diese Funktion nicht an Rapunzel, sondern an einer meiner Ziegen ausprobiert, die ein echter Ausbrecherkönig ist: und siehe da – auf einmal verstand ich, an welcher Stelle des Geheges die Herren Ernie & Bert ausbrechen, und konnte die Rosen meiner Nachbarn rechtzeitig retten. Das vormals geheime Leben meiner Ziegenböcke ist mittlerweile ein offenes Buch für mich.

Die Karte

Man kann sich die Position des Hundes (oder Ziegenbocks) über eine klassische Karte anzeigen lassen oder per Satellit – auf dem Handy, oder aber auf dem Computer.

Mithilfe des Kompassen marschiert man auch nicht in die falsche Richtung oder verliert wertvolle Zeit, um sich auf der Karte zurecht zu finden – und es gibt sogar due Funktion “Route”, mithilfe derer man mit Auto, Fahrrad oder zu Fuß direkt zum Aufenthaltsort des Hundes geleitet wird, falls er unübersichtlich weit weg ist.

Mein Leben ist jedenfalls deutlich friedlicher geworden mithilfe des kleinen, weißen Plastikdings. Und mehr will ich ja gar nicht.

Gibt’s hier.

3 Kommentare

  1. Barbara Buzilowski

    Da haben Sie so recht. Eigenartigerweise entfernt sich unsere Lotte, seitdem sie mit einem Tracker ausgestattet ist, gar nicht mehr großartig weit.

    Vermutlich strahle ich auch mehr Ruhe und Sicherheit aus!

    • Ganz bestimmt! Sie senden ihr wahrscheinlich nicht mehr ständig “AchdumeineGütebleibbloßinmeinerNähe”-Signale, die sie vielleicht sogar als (von Ihnen ausgehendes) Jagdverhalten interpretiert. 🙂

  2. Daniele Zich

    Wir sind auch Fan von einem Tracker geworden. Nachdem unser Sarde sämtlichen Erziehungsversuchen getrotzt hat und uns unmissverständlich erklärte, dass er darauf besteht, weiterhin sein einstiges Streunerleben ein wenig zu pflegen, darf er sich an den 3 Tagen, an denen ich arbeite und meine zwei Hunde bei meinem Freund sind, morgens um halb acht, ausgestattet mit Tracker auf den Weg machen. Dafür weckt er erstmal um sieben Mann und Ersthund und trampelt so lange auf ihnen herum, verteilt Nasenbussis, bis sich der zweibeinige Langschläfer aus dem Bett wälzt, ihm den Tracker anzieht und er los marschiert. Es gibt für ihn nur eine Richtung. Er läuft auf dem Radweg in den 1 Kilometer entfernten Nachbarweiler, um dort seine 3 Hundefreundinnen, die alle verteilt auf den Bauernhöfen frei leben, zu besuchen. Dort spielt er dann ausgiebig mit ihnen, bis Mann und Linus 1 1/2 Stunden später eintreffen, um ihn wieder ab zu holen und den Spaziergang fort zu setzen.
    Ich hatte immer solche Angst, dass er weiter geht, um im Wald zu jagen, denn wenn wir unterwegs sind, hat man das Gefühl, es gibt nichts was sein Leben mehr bestimmt.
    Aber so langsam glaube ich, dass Linus ihn auf einer Gedankenwelle, die wir nicht mit bekommen, zum jagen anheizt. Ist er alleine, sehen wir an dem Trackerverlauf, dass er nie darauf kommt, jagen zu gehen. Falls in seltenen Fällen seine 3 Dorfprinzessinnen ausgeflogen sind, geht er am Bach entlang, ebenfalls auf dem Radweg bis in den nächsten Ort, dreht aus purer Gewohnheit eine Runde auf dem Campingplatz (auf Sardinien, liegt in der Nähe der Wohnwägen gerne achtlos abgelegtes Essen, es gab Wasser und Schatten). Danach dreht er wieder um, trabt in einer Seelenruhe zurück zu dem Weiler und wartet dort, bis er abgeholt wird. Den Rest des Tages verbringt er absolut zufrieden mit uns. Anfangs hatte ich täglich beim arbeiten Angst um ihn, aber erstens wird es zur Gewohnheit, zweitens ist seine Route autofrei und drittens ist es das Leben, das ihn glücklich macht.

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