Wer Hunde hat, braucht keine Gurus

bildvom 22.4.2012

Warum lieben wir eigentlich Hunde? Es gibt dafür so viele Gründe, wie es Hunde und Menschen gibt, aber die zutreffendste Erklärung scheint mir, dass wir Hunde lieben, weil sie alles personifizieren, was wir Menschen im Leben gerne erreichen würden. Das würde niemand so direkt sagen, aber wenn man einmal überlegt, was die meisten Menschen als „gut” oder „richtig” bezeichnen und damit vergleicht, wie Hunde leben und sich verhalten, erkennt man erstaunliche Überschneidungen. Wenn man die großen Philosophen liest, wird einem eigentlich andauernd empfohlen, so zu leben wie ein Hund. Nicht wörtlich, natürlich. Aber „Carpe Diem!” – „Nutze den Tag!” ist z.B. ein wiederkehrendes Mantra in allen modernen Selbststhilfe-Büchern: Niemand würde wohl bestreiten, dass Hunde genau dies in vollen Zügen tun. Sobald sie aufwachen, konzentrieren sie ihre gesamte Energie auf das Heute – nicht auf gestern oder morgen. Sie haben auch „zuviel zu tun”; „ich kann gerade nicht” ist für sie keine Option. Wer Hunde genauer beobachtet, kommt auf lauter Lebensregeln, die zwar klingen wie Formeln einer Esoterik-Veranstaltung, dabei aber nur genau beschreiben, was Hunde eben ausmacht:

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1.) Nimm’ andere, wie sie sind und liebe sie, ohne Bedingungen daran zu knüpfen.
2.) Sei loyal.
3.) Egal, was passiert, egal, wie wütend jemand gerade auf dich ist: Lauf’ zurück und vertrage dich wieder.
4.) Sei zufrieden mit dem, der du bist.
5.) Nimm’ an, was man dir gibt, und mach’ mit.
6.) Sei geradeheraus in deiner Kommunikation.
7.) Amüsiere dich!
8.) Dein Weg ist das Ziel (oder umgekehrt).
9.) Habe absolutes Vertrauen.
10.) Gerate niemandem zwischen die Füße, sonst wirst du – versehentlich – getreten.

Hunde sagen einander nie, wie man sein soll oder nicht. Für Hunde ist alles, wie es ist. Anders als Menschen sind Hunde auch nie lange beleidigt oder geben ihre Freundschaft einfach auf – nicht einmal, wenn sie die Wahl haben. Das hat auch damit zu tun, andere so zu akzeptieren, wie sie sind – was einem, wenn man es wirklich einmal versucht, eine Menge Frustrationen erspart. Hunde machen es sich leicht – vielleicht, weil sie sich von Grübelei und Sorgen nicht verwirren lassen. Für Hunde ist Verzeihen (sich Vertragen) wahrscheinlich ein Teil der Loyalität, für uns Menschen hingegen oft eine Machtfrage. Wenn wir aber andere so akzeptieren, wie sie sind (und loyal sind), dann ist es leicht, einander Fehler zu verzeihen. Wenn Hunde sich in die Haare kriegen, ist die Sache anschließend geklärt – ohne Groll, ohne verletzte Gefühle. Vorbei ist vorbei. Auch in dieser Hinsicht können wir von Hunden lernen: Nicht gleich beißen, wenn ein einfaches Knurren ausreicht.

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