Hundeleute sind so

bildvom 28. 11.2010

Menschen, die keine Hunde haben und sich auch nie einenwünschten, sind meist der Überzeugung, dass ein Hund im Haus ein Garant für Haare in der Suppe und Matschpfoten auf dem Sofa ist. Wenn man mehr als zwei Hunde hat, rechnen hundelose Fremde damit, dass man völlig verslumt lebt und außerdem unglaubliche Beziehungsprobleme hat. „So findest du ja nie einen Mann/eine Frau”, bekommt man immer wieder zu hören. Ich sehe das dabei völlig anders: Hundemenschen sind Beziehungsprofis. Mit Hunden lernt man, Kompromisse einzugehen und die eigenen Bedürfnisse ab und zu zurückzustellen. Wer einmal im Monat 15-Kilo-Säcke mit Trockenfutter in den dritten Stock schleppt, der jongliert auch Bierkästen mit einem Lächeln auf den Lippen, und wer je versucht hat, jahrelang einem Hütehund gerecht zu werden, den erfüllt es mit tiefer Dankbarkeit, wenn der Mann samstagnachmittags nichts anderes will als Fußball gucken.
Die Art und Weise, wie unsereins mit Hunden umgeht, ist doch gerade ein Hinweis darauf, wie ungeheuer beziehungsfähig man ist: Hundebesitzer wissen eine Menge darüber, warum sie machen, was sie tun, weil sie das alles aus Hundebüchern gelernt haben. Wir wissen alles über dominantes und unterwürfiges Verhalten, Gruppenpsychologie, Augenkontakt und Beschwichtigungsgesten, Territoriumsgehabe oder sexuelles Besitzverhalten. Überlegen Sie mal, wie viele Jahre an Partnertherapie Sie da sparen.
Das Zusammenleben mit Haustieren ist ein fabelhaftes Training für menschliche Beziehungen. Obwohl es natürlich Menschen gibt, die so erschöpft davon sind, sich seit tausenden von Jahren zu fragen, was mit Männern bzw. Frauen eigentlich los ist, dass sie Tisch und Bett lieber mit Haustieren teilen. Ich bin nicht sicher, dass das die richtige Lösung ist: Natürlich lässt sich ein schnarchender Mops leichter aus dem Schlafzimmer tragen als ein Mann mit gleichen Problem – aber man sollte diese ganze Liebe und Aufmerksamkeit doch wenigstens ab und zu an jemanden verschwenden, der zuverlässig stubenrein ist.
Und nichts ist leichter, als mit einem Hund an der Seite andere Menschen kennenzulernen. Hunde leisten permanent Kontaktarbeit (ob man will oder nicht). Tatsächlich habe ich im Nachtleben nie so viele ausgeschlafene Männer getroffen, wie wenn ich morgens sehr früh in Nachthemd, Anorak und Gummistiefeln mit einem jungen, aus sehr viel Flüssigkeit bestehenden Hund auf der Straße stand und ihm das Mantra „Los jetzt, pieseln!” vorbetete.
Einmal stand ich todmüde auf der Straße und sah aus wie ein ungemachtes
Bett, nachdem ich zum achtundvierzigsten Mal innerhalb von
fünf Stunden mit einem meiner Hunde auf der Straße stand, der offenbar Magengrimmen verspürte. Ich hatte meinen sehr alten Mops Theo zur Begleitung mitgenommen in der Hoffnung, er würde sich entleeren, um anschließend für mich vielleicht doch noch ein paar Stunden Schlaf herauszuschinden. Theo, empört über die frühe Störung und wohl noch nicht ganz wach, hob unvermittelt sein Bein und achtete nicht darauf, wogegen: Es war ein Männerbein.
„O Gott, es tut mir so leid, bitte seien Sie nicht böse!”, schrie
ich entsetzt. Der Mann lachte. „Ich bin nicht böse”, sagte er. „Nur ein bisschen angepisst.”
Kann man sich etwas Romantischeres vorstellen?

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