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Das Internet hat auch nicht die Antwort auf alles

bildvom 27.1.2013

Es passiert immer wieder, dass man Fragen zu seinem Hund hat. Kein Wunder: „Alles Wissen, die Gesamtheit aller Fragen und alle Antworten, ist in den Hunden enthalten”, fand schon Franz Kafka, und das ist ein weites Feld. Vor allem, wenn man die Antworten beim Hund sucht. „Warum hast du dich vorhin übergeben?” zum Beispiel, worauf der Hund sich auf den Rücken rollt, damit man ihm den Bauch krault. Für die meisten Hunde ist das sowieso die Antwort auf alles. Der moderne Hundebesitzer gibt sich damit nicht zufrieden, sondern begibt sich ins Internet in eines der unzähligen Hunde-Foren, wo er seine Frage erneut stellt. Auf den ersten Blick macht das auch Sinn: Hundeforen sind ein gigantisches Netzwerk von informierten Hunde-Enthusiasten, die auf alles eine Antwort haben, zu jeder Tages- und Nachtzeit (wann sammeln sie eigentlich ihre ganzen Erfahrungen?). Mit einer simplen Frage tritt man eine Antwort-Lawine los. Versuchen Sie es mal! Eine Frage, 300 Diagnosen und dafür je sieben Lösungsvorschläge. Es wird nicht ganz leicht, eine passende Antwort herauszufiltern, weil die Antworten sich praktisch umgehend verselbstständigen. Ehe man es sich versieht, befindet man sich in einem Glaubenskrieg über die richtige Ernährung – „Was fütterst du denn so?” – „Ach, mal dies, mal das. Frischfleisch, Dosenfutter und manchmal Trockenfutter.” – „Waaaas? Weißt du denn nicht, was in Fertignahrung alles enthalten ist? Haare, Abfälle, Kadaver von kranken Tieren! Kein WUNDER, dass dein Hund sich dauernd übergibt!” – „Mein Hund übergibt sich eigentlich nie, darum wundere ich mich ja.” Dieser Einwand wird überhört, denn jetzt gehen die Forenmitglieder untereinander aufeinander los, Trockenfutter gegen Frischfleisch. Wobei: die Anhänger der Biologisch Artgerechten Rohfütterung, kurz Barf genannt, haben immer Recht, bei allem. Denn wer sich täglich Stunden mit dem Kleinschneiden rohen Fleisches und Pürieren verschiedener Obst- und Gemüsesorten beschäftigt, um anschließend noch Eierschalenpulver und Seealgenmehl darüber zu stäuben, beweist damit, dass er sich mehr als andere kümmert, sich gute Gedanken macht und ein besserer Hundefreund ist, auch wenn er manchmal ein bisschen die Zusammenhänge aus den Augen verliert mit seinen Pauschalbe- und -verurteilungen: Er meint’s ja gut.
Eine Antwort, individuell zugeschnitten auf die persönliche Situation, bekommt man in Foren jedenfalls nicht. Besser, man befragt Leute, die den eigenen Hund auch kennen, den Tierarzt z.B. Oder beobachtet den eigenen Hund besser. Dann stellt sich vielleicht heraus, dass er deshalb gekotzt hat, weil er eine biologisch artgerechte rohe Maus gefressen hat. „Waaaas? Du lässt deinen Hund Mäuse fressen? Und du willst ein Tierfreund sein?”

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