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Wie man den richtigen Hund findet

bild vom 24.3.2013

Wenn jemand wissen möchte, welcher Toaster die beste CO2-Bilanz hat, kann er meinen Freund Christian fragen. Wer sich fragt, ob Pinot Blanc oder Riesling besser zu Muscheln passt, kann meine Mutter anrufen. Wann immer irgendjemand eine Frage zu Hunden hat, kommt er zu mir. Sie wissen schon: Meine Freundin hat neun Windhundwelpen, kannst du für die ein Zuhause finden? Mein Hund spielt zu doll mit meinen Kindern, was kann ich tun? Ein Freund von mir aus Singapur und will einen Akita, kannst du ihm helfen? Vor den Augen meiner Freunde, Leser, Verwandten und deren Freunde und Familie bin ich bekannt als Hunde-Expertin. Hinter meinem Rücken als die Hunde-Verrückte.
Eine Freundin wollte mit mir über die Anschaffung eines Hundes sprechen. Sie hatte noch nie einen Hund und sich bisher eigentlich nie besonders für Hunde interessiert, nie mit liebevollem Blick anderer Leute Hunde beobachtet oder gekrault. Wenn sie es mal tat, stand sie anschließend immer sofort auf, um sich die Hände zu waschen. Sie lud mich zum „Hundegespräch” in ihre Wohnung mit cremefarbenen Sofas und schönen orientalischen Teppichen ohne abgekaute Troddeln. Meine Freundin saß in strahlend weißen Hosen vor mir. Die ganze Wohnung wisperte: Hier gibt es keine Haustiere. „Wo fangen wir an?” fragte sie. „Beschreibe mir doch mal deinen Traumhund”, meinte ich. Die Sache ist die: Sie träumt gar nicht von einem Hund, sondern ihre drei Kinder. „Naja”, sagt sie langsam, „also nicht sehr pflegeaufwändig.” Dann fügt sie hinzu: „Kein Hund, der einen dauernd braucht.” Ich schlage ihr ein paar kleinere „Wohnungsrassen” vor. „Ich mag keine kleinen Hunde”, sagt sie und macht eine Grimasse. „Die kläffen so viel. Aber auch nicht zu groß. Vielleicht so? ” Sie hält die Hand vier Handbreit über den Boden. „Und oh- ich will ja nicht furchtbar klingen, aber: Der Hund darf nicht riechen. Du weißt doch, wie manche Hunde stinken?” So, wie sie „stinken” ausspricht, muss sie wirklich Furchtbares erlebt haben. „Manche Hunde riechen mehr als andere”, sage ich neutral. „Alle Hunde riechen natürlich nach irgendwas.” Meine Freundin guckt besorgt. „Aber Luise riecht zum Beispiel nach fast nix. Pudel sind sowieso super. Sie haaren auch nicht.” „Keinen Pudel”, sagt sie. „Ich will keinen Omahund. Aber ein Hund, der haart, geht natürlich überhaupt nicht.” Ganz unabhängig von dieser geringfügigen Beleidigung war klar: Sie wollte in Wirklichkeit gar keinen Hund. Sie möchte nur, dass ihre Kinder glücklich sind und deren Wünsche erfüllen.
Um Hunde zu haben, muss man eine Hundeperson sein, sonst wird man mit dieser Aufgabe nicht froh. Hunde sind nun mal Hunde, sie haaren, bellen, nagen an Teppichen und stinken mal mehr, mal weniger. Entweder man mag das, oder nicht. Dazwischen gibt’s nix. Lassen Sie sich das von einer hundeverrückten Expertin gesagt sein.

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