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Tierversuche für Fertigfutter

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Ich bin ein Gerechtigkeitsfanatiker, ich bestehe – sicherlich berufsbedingt – auf genauen Recherchen und kann Halbwahrheiten, Mythen und Täuschungen nicht ausstehen. Seit einiger Zeit heben Futterhersteller und Versandshops als Zeichen ihrer Tierfreundlichkeit und tierschützerischen Bemühungen immer wieder gerne hervor, dass sie keine Tierversuche machen bzw. kein Futter vertreiben, für das Tierversuche gemacht wurden. Aber Tierversuche sind nicht gleich Tierversuche, deshalb muss dieses heikle Thema einmal erklärt werden.

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“Konventionelle Tierfutter werden häufig an Hunden und Katzen getestet, die ihr Dasein unter sehr traurigen Bedingungen in Versuchslaboren fristen und nicht selten im Laufe der Tests ihr Leben lassen. Eine Undercover-Recherche von PETA USA in einem Auftragslabor des Futtermittelherstellers Iams 2002 und 2003 zeigte, welche grausame Realität hinter den bunten Futterverpackungen steht. Nach wie vor testen Iams, Eukanuba, Royal Canin und viele andere Hersteller ihre Produkte an Tieren, obwohl solche Versuche gesetzlich nicht vorgeschrieben sind.”  

Tatsächlich sind diese Recherchen nirgends zu finden, auch nicht bei PETA USA. Allerdings gehört die Firma IAMS (+ Eukanuba) zu Procter & Gamble, die für ihre Shampoos und Seifen wahrscheinlich noch immer überflüssige Tierversuche durchführen- das hat aber nichts mit “grausamen Tierversuchen für den Futtermittelhersteller” zu tun.

Niemand mag Tierversuche, und in den allermeisten Fällen sind sie grauenhaft, grausam und häufig sogar überflüssig. Aber Tierversuche im Futtermittel-Bereich sind nicht vergleichbar mit den Tierversuchen in der Pharmaindustrie. Bei Futter-Versuchen handelt es sich um Akzeptanzstudien oder Verdaulichkeitsstudien. “Bei Akzeptanzstudien wird lediglich getestet, wie das Futter im Vergleich zu Konkurrenzprodukten schmeckt. Bei Verdaulichkeitsuntersuchungen werden die Kotbeschaffenheit beurteilt und die Energie und der Rohnährstoffe bestimmt”, schreibt Dr. Julia Fritz, Fachtierärztin für Ernährung in ihrem Buch “Hunde barfen“. “Hierfür bekommen mindestens sechs ausgewachsene und gesunde Tiere nach einer Umstellungsphase von mindestens drei Tagen für mindestens weitere vier Tage das zu testende Futter. In dieser Zeit muss der Hund zwar einzeln gehalten werden (damit nicht z.B. einer von ihnen den Kot eines anderen frisst und damit das Untersuchungsergebnis verfälschen). Entscheidend ist hierbei, dass Futtermenge und Kot von jedem Tier beurteilt und quantifiziert werden können. Beides wird anschließend im Labor analysiert. HundefutterLamm-mitReis-vonSUNNYPetfoodMit den so ermittelnden Nährstoffgehalten kann dann die Vertraulichkeit des Futters errechnet werden. Die Einschränkung der Testhunde besteht also vor allem darin, dass sie während der Versuchsphase (vier Tage lang) nicht in der Gruppe gehalten werden können.”

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Bei Fütterungsversuchen von Futtermittelherstellern handelt es sich um die Überprüfung ihrer Produkte, dient also der Qualitätssicherung und stellt sicher, dass das Futter schmeckt, gut verdaubar ist, keinen Durchfall oder Verstopfung verursacht und die Nährstoffe “beim Hund” ankommen und nicht einfach wieder ausgeschieden werden. Es spricht also nicht gegen den Hersteller, wenn er solche Versuche durchführt.

Noch ein Mythos: Es werden auch für Nierendiäten den Hunden keine Niere entfernt, um die Verträglichkeit des zu testenden Diät-Produktes zu testen: Das kann man anhand der Kot-Analysen errechnen. Es mag sein, dass irgendwelche merkwürdigen Tests in den USA in den 70er Jahren versucht wurden, zumindest tauchen im Internet immer wieder Fotos und Berichte aus dieser Zeit auf.

Futtermittelversuche sind sehr aufwändig und teuer und unterliegen in Europa einer strengen Überwachung. Ob man überhaupt Futter aus anderen Ländern importieren sollte, nachdem wir hierzulande die strengsten Lebens- und Futtermittelgesetze und – kontrollen überhaupt haben, ist grundsätzlich fraglich. Ob man fröhlich herumspringendes  Bio-Lamm mit Bio-Wiesenkräutern aus Neuseeland importieren sollte, wobei noch ein ungeheuerliches CO2-Ausstoß für den Transport dazu kommt und die ganze Bio-Ide damit zunichte macht (abgesehen von den hiesigen Bio-Schafzüchtern, die aufgeben müssen, weil sie Schafe nicht in den Mengen zu den niedrigen Preisen züchten können wie die Neuseeländer), ist eine andere Frage, die man sich in diesem Zusammenhang auch dringend stellen sollte.

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Nachtrag: Mir geht es nicht darum, Konzerne oder gar Tierversuche in Schutz zu nehmen. Aber ich finde es fast genauso widerlich, indirekt Geld mit Tierelend verdienen zu wollen, indem man suggeriert, man wäre besser als die anderen, indem man gefälschte Videos in Umlauf bringt und Fotos aus den 70er Jahren aus anderen Ländern, und Behauptungen in dieser Richtung aufstellt, die nicht recherchiert wurden (nur im “Internet”, wie mir neulich eine Dame eines großen Versandhandels erklärte, die damit werben, nur Futter zu verkaufen, für das keine Tierversuche gemacht würden, und dann zugab, schlicht auf die Internet seit von Tierschutzorganisationen nachgeschaut zu haben. Das ist keine Recherche – das ist so, als würde man bei Wikipedia “recherchieren”).

 

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