Mein Hund, mein besseres Ich

bildvom 13.12.2009

Wissen Sie was: Wer einen Hund hat, kann sich Bücher über „Das Kind in uns” oder „Das Innere Kind in dir: Ein Reiseführer zu sich selbst” sparen, um sich selbst zu finden. Ein Hund ist sozusagen unser Inneres Kind in kanider Form. Hunde machen alle die Sachen, die wir auch gerne machen würden, aber nicht machen. Hunde benehmen sich genau wie wir uns benehmen würden, wenn uns nicht immerzu irgendetwas peinlich wäre. Ich meine, mal abgesehen davon, dass sie sich ständig gegenseitig am Hinterteil riechen.
Heute früh war ich im Park, als ein Mann auf mich zu kam und mir mit erhobener Stimme einen Vortrag darüber hielt, dass es stören würde, wenn meine Hunde beim Ballspielen bellen würden, und ich sei phänomenal egoistisch, wenn ich das nicht unterbinden würde. Mein großer schwarzer Pudel Luise fing an, ihn anzustarren und ließ ein ziemlich gemeines Knurren ertönen. Sie schätzt es nicht, wenn ich angeschnauzt werde. Dann stellte sie sich zwischen den Mann und mich, aber sein Tonfall wurde noch immer nicht sanfter. Dann kam mein 5-Kilo-Hund (momentan aus Adventsgründen vielleicht auch sieben Kilo) Harry und fing an, den Mann zähnefletschend anzukreischen. Der Mann tat tapfer und brüllte „HEY!”. Dann drehte er sich um und machte, dass er weg kam. Ich wäre auch gerne wie meine Hunde. Ich will Leute, die mir blöd kommen, auch böse anstarren, meine Zähne fletschen und zusehen, wie sie vor mir weglaufen.
Ich würde z.B. nie zugeben, dass ich Angst vor Ärzten habe. Ich glaube, diese Angst geht zurück bis in meine Kindheit, als Ärzte jede kleine physische Beeinträchtigung inklusive Kurzsichtigkeit oder Gehirnerschütterung mit einer Tetanus-Spritze behandelten. Wobei sie immer sagten: „Tut überhaupt nicht weh!”, bevor sie mich mit einer Nadel in der Größe einer Harpune traktierten.
Als Erwachsener habe ich persönlich meine Arzt- Phobie natürlich überwunden, denn als Erwachsener kann man lügen. „Ich hatte heute schon eine Tetanus-Impfung!” krähe ich, sollte die Frage aufkommen. „Sogar drei!” Aber ich bin natürlich freundlich, amüsant und charmant zu meinen Ärzten; ich will, dass sie mich mögen. Nicht auszudenken, was sie sonst mit mir anstellen würden.
Mein Hund Fritz lässt es gar nicht so weit kommen. Er will von Tierärzten nicht gemocht werden: Er will mit ihnen nichts zu tun haben und hat kein Problem damit, ihnen diese Haltung deutlich zu zeigen. Auf dem Tisch des Tierarztes wird Fritz zum wütenden Tiger, dessen 7-Kilo-Körpergewicht nicht von drei Helfern gebändigt werden kann. Damit sein Herz abgehört werden kann, muss ich Fritz auf dem Arm halten, während die Tierarzthelferin ihm hinter meinem Rücken lustige Sachen erzählt und der Tierarzt mir am Bauch herumfummelt, um praktisch unbemerkt von Fritz irgendwie dessen Herz abzuhören. Wenn Sie ein echtes Ärzte-Drama erleben wollen, können Sie sich Serien wie „ER – Die Notaufnahme” sparen und mitkommen, wenn Fritz eine Spritze bekommen oder geimpft werden soll: Ihm wird eine lokale Betäubung an der Stelle aufgesprüht, wo die Nadel gesetzt werden wird, einen Maulkorb und wird von mindestens zwei Leuten festgehalten. Anschließend brauchen alle Beteiligten zwei Wochen Ferien.
Ich wollt’, ich wär’ mein Hund.
FZ077643

Evil Fritz
Foto: Frank Zauritz

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