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Zita

Foto: Felix Anselm

11080844_921907754526983_5434361742860435621_oJetzt kann ich es Ihnen ja sagen: Ich habe seit Ostersonntag einen neuen Pflegehund. Eine kleine Galga namens Zita. Ich habe es Ihnen nicht verraten, weil ich befürchtete, dass sie dann kein andere Zuhause finden würde, weil sie sich hier so gut eingefügt und angepasst hat. – Und beinahe wäre es wieder so gewesen: Ihre neue Besitzerin. die sie am Sonntag abholt (sonst hätte ich es Ihnen noch nicht erzählt) meinte anfangs auch, sie könne dem Hund ja gar nicht das bieten, was er bei mir habe.

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Was stimmen mag. Aber keine Lösung ist. Denn ich kann nicht alle Hunde dieser Welt aufnehmen, aber ich kann ihnen einen wirklich guten Start in ein wirklich gutes neues Leben ermöglichen, indem ich sie selbstbewußt und stark mache, ihnen zeige, dass Menschen eine 1A-Sache sind, denen man eben doch trauen kann, die einem das allerbetse Futter kredenzen, Spielsachen, Wärme und einem zeigen, wo’s im Leben langgeht.
Und wenn sie das alles verstanden haben, sind sie bereit für den Umzug.

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Zita ist eine sehr kleine Galgs, nur 56 cm groß. Sie war 51 cm groß, als sie hier ankam, wobei es anfangs hieß, sie sei wohl schon über einem Jahr. Aber sie lief wie ein Löwenbaby, ganz weich im Rücke und der Hüfte, daher denke ich, sie war höchstens acht Monate alt.
Mit einem Blick zum Steinerweichen, bernsteinfarbene, kajalumrandete Mandelaugen – ich wünschte, ich würde morgens nach dem Aufstehen so aussehen…

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Sie war sehr, sehr ängstlich anfangs, und kannte absolut überhaupt gar nichts. In Cordobà hatte sich die Pflegestelle nicht getraut, den jungen Hund im tosenden Verkehr an Halsband und Leine zu gewöhnen – als sie hier landete, lief sie an der Leine wie ein drei Wochen altes Fohlen, das man von seiner Mutter wegführen möchte, sie hopste, stieg und warf sich nach hinten oder nach vorne, und ich überlegte schon, wie ich meinen Physiotherapeuten dazu bewegen könnte, für ein paar Wochen bei mir einzuziehen.
Anfangs nahm ich sie an ein Sicherheitsgeschirr plus Halsband, was dann so aussah:

Ich sprach sie kaum an, weil sie so viel Kontakt mit Menschen bisher eher merkwürdig fand, sondern lobte nur das, was mir gefiel: Wenn sie zu mir sah: Super!, wenn sie zu mir zurücklief: Braaav!, wenn sie wieder Kontakt aufnahm: Bravo. Und nach drei Wochen lief sie wie eine Fedre an der Leine, butterweich und selbstverständlich. IMG_1942

Zita fand alles wahnsinnig aufregend und ein bisschen fürchterlich, aber meine anderen Hunde – die sie vom Fleck weg annahmen: Kleine Mädchen sind doch irgendwie leichter zu akzeptieren als große, grobe graue Kerle 🙂 – zeigten ihr schnell, dass unser Leben aus lauter fabelhaften Abenteuern besteht und es keinen Grund zum Fürchten gibt.
Zwei Wochen nach ihrer Ankunft lernte sie Linda Tellington-Jones kennen, über die ich eine Geschichte für die DOGS machte – mit Zita als Modell. Der Tag war schwierig, es war furchtbar kalt in Hamburg, es regnete und stürmt – nicht die besten Voraussetzungen für einen ängstlichen Hund, sich zu entspannen. Aber Linda gab nicht auf, und auch Nanos Nähe half Zita durchzuhalten. Der Ohrentouch hatte es ihr dann doch besonders angetan: Am nächsten Tag sprang sie in mein Bett, hielt mir ihren Kopf hin und bat mich, das nochmal zu machen.IMG_2071

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Sie fand die meisten Leute erst einmal doof, was meine ausgesprochen freundliche, kommunikative Truppe ihr aber bald ausredete. Dadurch, dass wir im Wald andauernd Leute und Hunde treffen, die wir kennen, musste sie schnell lernen, dass Herumstehen und sich Langweilen zum Leben dazu gehört und Herumjammern nichts bringt, dass Fremdrassen nur komisch aussehen, aber ganz ok sind, und dass es immer und überall einen Grund zum Sielen und Partymachen gibt. Bis heute, zwei Monate nach ihrer Ankunft, läßt sie sic zwar noch immer nicht von jedem anfassen, aber sie wedelt und freut sich, wenn fremde Leute oder Kinder kommen, und entscheidet dann selbst, wer sie streicheln darf. Selbst bei größeren Mittagessen im Garten bleibt sie dabei, sieht zu und läßt sich auch mal ein Stückchen Hühnchen andrehen  – selbst wenn auch das nicht bedeutet, dass Fremde sie deshalb streicheln dürfen. Nach Prinzessinnenart entscheidet sie selber, wer ihr Freund werden darf.

Inzwischen geht sie sogar an der Leine mit fremden Kindern:

Sie ist ein hinreißender Hund, keine Frage. Aber ich kann sie einfach nicht alle behalten: Wenn ich verreise, bekomme ich nicht einmal mehr alle ins Auto, und schon gar keine Tasche, IMG_2050geschweige denn: Einen Koffer dazu. Und ich kann nicht bis ans Ende meiner Tage mit sechs Hunden und einer einzigen gefalteten Unterhose in der Handtasche reisen, das versteht wohl jeder. Sechs Hunde sind wirklich eine Ansage. Wenn das jetzt wie ein Mantra an mich selbst klingt, stimmt das natürlich: Es ist nicht so leicht, einen Hund, in den man so viel Zeit, Energie und Aufwand gesteckt hat, einfach wieder gehen zu lassen, zumal sie jetzt genau so ist, wie ich mir meine Hunde wünsche. Aber wenigstens weiß ich, dass sie ein sensationelles Zuhause bekommt.

 

 

Sie hat sich in der Zwischenzeit sehr nützlich gemacht, nicht nur eine, sondern meine beiden Brillen aufgefressenIMG_2293, das süße Ding, einen Teppich komplett zunichte gepieselt und, als ich krank war, was sie sehr zu irritieren schien, in jedes einzelne Hundebett gepieselt – was mich in der Tat dazu brachte, mit Fieber, Schnupfen Heiserkeit und sehr schlechter Laune aufzustehen (das war wohl der Plan) und alle Betten abzuziehen und zu waschen. Und nachdem wir hier praktisch mehr Hundebtten als Möbel haben, dauerte das eine ganze Weile.

Genau das, was man sich wünscht, wenn man krank ist.

Aber wenn man nicht krank ist, macht es wahnsinnig Spaß, einem neuen Hund lauter nützliche Dinge beizubringen, es macht Spaß zuzusehen, wie sie mit den anderen spielt und tobt und wie sehr Nano sich darüber gefreut hat, eine kleine Galga im Haus zu haben. Es bringt natürlich die bestehende Ordnung in Unruhe, Gretel war erst einmal beleidigt, bevor sie dann merkte, dass man mit Zita wirklich gut spielen kann und sie nicht so grob ist wie Nano, zwischen Nano und Pixel gab es Verärgerungen, wer nun mit wem spielen darf – oder lieber nicht, und es war wundervoll zu erleben, wie sie sich sehr schnell sehr an mich band und mir vollkommen vertraute. Heute früh, als ich im Halbschlaf auf der terasse saß und meinen Kaffee trank, legte sie sich neben mich und stemmte ihren Kopf in meinen Bauch, damit ich sie besser kraulen konnte.

Hunde machen das Leben einfach schöner. Wirklich.

 

Foto: Felix Anselm

Foto: Felix Anselm

 

 

 

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