Büro-Knigge für coole Hunde

bild vom 14.3.10
Viele Hunde fragen sich immer wieder, wo der Mensch eigentlich von Montag bis Freitag jeden Tag ohne sie hingeht und machen sich geradezu verrückt mit ihren Vorstellungen: Geht der Mensch ohne sie in den Park? Amüsiert er sich ohne seinen eigenen Hund? Trifft der Mensch sich gar mit einem anderen Hund? Wann kommt er nach Hause? – Manche Hunde denken sich im Laufe eines Tages so sehr in Rage, dass sie ihrer wachsenden Anspannung ein Ventil geben müssen , indem sie beispielsweise Kissen zerfetzen oder die Tapete von der Wand reißen müssen: Das ist auch gut. Verhaltenstherapeuten bestätigen, dass solches Verhalten eine Verminderung des Stresslevels fördert. Die Methoden dafür sind sehr individuell; die einen brauchen Stille und machen auf dem Sofa oder dem Küchentisch meditative Übungen, die anderen suchen sich körperlichen Ausgleich: Hierdurch wird angestaute Energie abgebaut, man distanziert sich von seinen Problemen, und die Durchblutung von Muskulatur, Organen und Gefäßen verbessert sich.
Trotzdem ist es tröstlich zu hören, dass der Mensch sich keineswegs tagaus, tagein in Abwesenheit seines Hundes amüsiert. Der Mensch geht ins Büro, eine Art Zwinger für Menschen. Das Büro ist ein eingeschränkter Lebensraum, in dem die meisten Menschen mehr Zeit verbringen als irgendwo sonst (außer vielleicht ihrem Bett, das sie aber gewöhnlich wenigstens mit ihrem Hund teilen). Er amüsiert sich dort durchaus nicht, sondern nimmt Kommandos von seinem „Chef” bzw. „Chefin”, kurz: vom Alpha-Tier entgegen, verhält sich möglichst eher devot und denkt den ganzen Tag daran, dass er lieber nach Hause zu seinem Hund möchte. Seine Belohnung für diese Art des Lebens ist ein bisschen Geld, das er meistens praktisch vollständig für seinen Hund ausgibt: Das allein sollte Grund genug für den Hund sein, den Mensch immer mit großer Wärme und der Zurschaustellung reinen Glücks über dessen Wiederkehr zu begrüßen.
Die Hunde, die das Glück haben, ihren Menschen auch ins Büro begleiten zu dürfen, haben derlei Sorgen natürlich nicht. Das Prinzip dieser „Bürobegleithunde” ähnelt dem der Therapiehunde: Besonders umsichtige Alphatiere unter den Menschen haben erkannt, dass die Anwesenheit eines Hundes sich positiv auf das Arbeitsklima im Büro auswirkt, die Menschen sich weniger stark nach ihrem Zuhause sehnen und die Stimmung insgesamt entspannter ist. Bürohunde müssten eigentlich ihren von den Gemeinden vorgeschrieben steuerlichen Status als „Luxushund” verlieren, denn ihnen obliegt eine große Verantwortung: Davon, wie umsichtig und kollegial sich der Hund im Büro verhält, hängt nicht selten die gesamte Karriere des dazugehörigen Menschen ab.
Es ist dem Hund davon abzuraten, den Flur des Büros als Rennstrecke zu verwenden, egal, wie scharf man die Kurven nehmen kann; Boten und Kuriere zu verbellen -es könnte schließlich auch der Pizza-Bote sein; oder dem Chef/der Chefin im Laufe des Tages ein eingespeicheltes Spielzeug auf den Schoß zu legen, wenn es langweilig ist. Auch offensives Betteln ist abzulehnen. Garantierte Resultate bringt es stattdessen, um die Mittagszeit mit eingezogenem Bauch seufzend durch die Flure zu schleichen oder ca. eine halbe Stunde vor dem Essen eine besonders weichherzige Person aus dem Büro mit Zärtlichkeiten zu überschütten. Sie wird 100%ig die Hälfte von ihrem Hühnerbrust-Sandwich abgeben: Und zwar nicht aus Mitleid, sondern aus erwiderter, reiner und selbstloser Liebe.

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