Fritz macht auf dicke Hose

bildvom 17.Oktober 2010

Neulich beobachtete jemand mein Italienisches Windspiel Fritz, seines Zeichens ein echter Kerl. Nachdem er seinen täglichen Verdauungsprozeß ein wenig abseits erledigt hatte, scharrte er mit großem Aufwand mit den Hinterbeinen in der Erde, dass die Erdklumpen nur so flogen. „Das ist ja rührend”, meinte die Person, eine hunde-unkundige, „der versucht ja selber schon, seine Haufen zuzudecken! Der hat wohl die Hundeverordnung gelesen?”
Mitnichten. Auch wenn ich meinen Hunden so Einiges zutraue, dann doch nicht, sich für aus ihrer Sicht ziemlich unsinnige Verordnungen wie Leinenzwang, Grünanlagenschutz und Hundekotentfernung zu interessieren: Für Hunde sind ihre Haufen nämlich eher Botschaften, so etwas wie eine interessant riechende Flaschenpost.
Das Scharren nach dem Absetzen von Hinterlassenschaften ist Fritzens ausgesprochen männliche Art und Weise, der vierbeinigen Welt mitzuteilen: „Fritz war hier, und er hat’s voll drauf.” Hunde haben nämlich auch zwischen den Ballen unter ihren Pfoten Duftdrüsen, und durch das Scharren markieren sie ihr Revier – es ist also das genaue Gegenteil vom schamhaften Zudecken seiner Hinterlassenschaften, sondern ein echtes Imponierverhalten. Wenn Fritz es besonders ernst meint, stellt er auch noch die Rückenhaare auf, was bei seinem extrem kurzen Fell nicht wahnsinnig eindrucksvoll ist, im Grunde aber der Versuch ist, ist aufzuplustern, um größer zu erscheinen und die Welt einzuschüchtern: „Guck’ mal, wie krass riesig ich bin – ich bin voll der Checker. Hau lieber ab!” (wenn ich Gehabe so beobachte, fürchte ich, drückt er sich beim Imponieren trotz guter Kinderstube nicht besonders gewählt aus). Das Scharren ist hauptsächlich ein männliches Verhaltensmuster von intakten Rüden (also solchen mit vollzähligen Hoden), obwohl besondere Alpha-Mädels es allerdings manchmal auch zeigen. Im Grunde ist es eine Mitteilung an den nächsten vierbeinigen Vorbeikömmling, dass Fritz hier gewesen ist und dies „seine Ecke” ist. Erinnern Sie sich noch an die Leute, die auf der Schulbank immer Linien zogen, damit man sich nicht zu breit machte? So ähnlich. Oder wie Zweibeiner, die breitbeinig vor ihrem Auto stehen und „Was geht ab, Mann?” sagen zu jedem, der es hören will. – So ziemlich das gleiche, nur hat Fritz noch das zusätzliche Pläsier der öffentlichen Notdurftverrichtung.
Übrigens verhalten sich Hirsche ganz ähnlich: Bei ihnen nennt man dieses Scharrverhalten unter Jägern auch „Plätzen”. Damit markieren Hirsche ihr Revier. Die Jäger orientieren sich an diesen Scharrspuren, wenn sie herausfinden wollen, ob männliches Schalenwild im Revier ist.
Wenn ich nun also mit meinen Hunden durch die in schönstes Bunt gehüllten Wälder spaziere, verderben wir so manchem Jäger wohl die Spur, indem Fritz dort auch herumscharrt.

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