So wird der Hund zum iDog

bildvom 28.2.10

Die Welt ist ein widersprüchlicher Ort. Während auf der einen Seite der Welt Hunde wie Schlachtvieh in winzigen Käfigen gehalten und schließlich gegessen werden (China) oder Bleichmittel eingeflößt, mit Benzin übergossen oder aufgehängt werden, wenn sie den jagdlichen Ansprüchen ihres Besitzers nicht gerecht werden (Spanien), werden an anderen Stellen keine Mühen gescheut, um den Hunden das Leben vermeintlich schöner, auf jeden Fall menschlicher zu gestalten. Es gibt mittlerweile unzählige so genannte Hunde-„Apps” – Anwendungsprogramme für moderne Smartphones wie z.B. das iphone -, mit denen man Hundeauslaufgebiete, Tierärzte und -kliniken, Hundegeschäfte etc. finden kann, man kann sich erinnern lassen, wann man den Hund ausführen, füttern oder streicheln soll. Neuerdings gibt es sogar ein App, das alles, was der Hund bellt, übersetzt und auf dem Internet-Netzwerk Twitter posted. Diese Übersetzungshilfe „Bowlingual” wurde in Japan entwickelt: das 250-Dollar-Gerät analysiert die Emotionen des Hundes und verwandelt sie in Worte und Phrasen. Man kann die einzelnen Beller des eigenen Hundes auch über den Tag hinweg speichern und abends eine Verlaufskurve des psychischen Befindlichkeit des Hundes erstellen.
Weil aber das Hundeohr so empfindlich ist und vielleicht gar nicht alles hören mag, was den ganzen Tag per iPhone, iPod oder anderem Musik-System über den Hund hereinbricht, hat die amerikanische Firma Pet Acoustics für ca. EUR 185 einen Hundkatzepferd-Lautsprecher erfunden, der zwar ein echtes Design-Verbrechen ist, aber immerhin Geräusche und Musik, die das empfindliche Frequenzspektrum von Haustieren verletzen können, in tierfreundliche Töne transformiert. Das Gehör von Hunden ist nämlich doppelt so scharf wie das des Menschen, sie können bis zu 2,5mal höhere Schallfrequenzen wahrnehmen und selbst Töne aus dem Ultraschallbereich hören. Während der Mensch ca. 20 000 Schwingungen/sek hört, nimmt der Hund 40 000 wahr (außerdem können Hunde ihre Ohrmuscheln immer zu Geräuschquelle drehen und können schon deshalb „besser hören” als tumbe Menschenohren Der Pet Speaker wiegt immerhin 5kg, läßt sich an jedes Musiksystem anschließen und sorgt auf diese Weise dafür, dass der Hund auch dann noch fröhlich wedelt, wenn er sein Zuhause mit einem Slipknot- oder Duncan C. Winterbourne-Fan teilen muss. Falls er allerdings schon mit den Nerven völlig am Ende ist, kann man auch hurtig das App für „Pet Acoustics” herunterladen und dann über den iMusicStore Musik für Hunde (oder Katzen oder Pferde) herunterladen. „Ein simples Hilfsmittel für Haustierbesitzer, mit dem sie das Umfeld ihres Haustieres mit einem Gefühl der Sicherheit, Bindung und Liebe füllen können”, wie die Website verspricht (www.petacoustics.com).
Wenn das alles nichts hilft, gibt es einen Hundegehörschutz, mit denen Hunde aussehen wie Bauarbeiter mit Preßlufthammer: Mutt Muffs®, die „für alle Lärmsituationen geeignet” sind und den Hund vor lauten Geräuschen schützen sollen. – Falls Sie z.B. darauf bestehen, Ihren Hund in Ihrer Cessna mitzunehmen oder zu einem kleinen Ausflug auf den Schießstand oder unbedingt möchten, dass er Ihrer Ausbildung zum Pyrotechniker beiwohnt.
In der Zwischenzeit fahre ich jetzt mal mit meinen Hunden in den Wald. Auf der Fahrt werde ich Mozart hören – das hilft bei Legehennen, bestimmt auch bei Hunden – und mal genau beobachten, wie ihr heutiges Stimmungsbarometer aussieht. Wenn ich nicht schlau aus ihnen werde, lade ich mir irgendein App herunter. Es muss doch auch was fürs menschliche Hirn geben.

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