Einen Hund vom warmen Ofen zu verjagen sei niemandem geraten…

bildvom 13.3.2011

Dass eine schwarze Katze Unglück bringt, ist wahrscheinlich der bekannteste aller Aberglauben, und existiert, soweit meine persönlichen internationalen Recherchen führten, in den allermeisten Sprachen. Was alles passiert, wenn Katzen um Mitternacht von rechts nach links (oder umgekehrt?) den Weg kreuzen, lässt einem sowieso die Haare zu Berge stehen. Es ist dabei nicht so, dass ich Katzen diesen Triumph nicht gönne, aber ich fand es ungerecht, dass Hunde in der Wahrnehmung so viel unmystischer wegkommen als Katzen – schließlich geht von allem Mystischen ja auch ein großer Reiz und Glamour aus. Der Volksmund sieht in seinen meisten Aussprüchen und Sprichwörtern den Hund als Proletarier und einseitig schlecht, kennt für ihn nur Hohn und Spott, und die Bezeichnung „Hund” ist immer herabsetzend- was ist schlimmer: „Auf den Hund gekommen” zu sein, oder „kalt wie eine Hundeschnauze”?
Immerhin erlaubt das Verhalten des Hundes immer wieder Rückschlüsse auf das Wetter: Frißt der Hund Gras, soll es regnen, frisst er Schnee oder wälzt sich darin, steht Tauwetter bevor.
„Das Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens” von 1927 tröstete mich dann etwas. Dort stand, dass der Hund ein Orakeltier sei, das Dinge zwischen Himmel und Erde sieht, von denen unsere Schulweisheit sich nicht träumen lässt (ha! Nehmt das, Stubentiger!): Verspürt er die Präsenz von Geistern, so drängt sich der Hund angstvoll an sein Herrchen (damit weiß ich nun bestimmt, dass mein Windspiel Harry, der Zitteraal, offenbar überall Gespenster sieht), jault er klagend, steht ein Todesfall bevor (es steht allerdings nirgends, ob das auch gilt, wenn man ihm versehentlich auf die Pfote tritt). Das gleiche Wekr erklärt, dass es Glück bedeutet, wenn einem ein fremder Hund hinterherläuft: Ich würde noch hinzufügen, dass das bedeutet, dass man den ganzen Nachmittag am Telefon verbringen wird, um herauszufinden, wo das Tier hingehört, anschließend Plakate bastelt, an Bäumen aufhängt und in Internet-Foren verbreitet und möglicherweise das Glück hat, auf diese Weise zu einem neuen Hund zu kommen, falls sich keiner meldet.
Bei Jakob Grimm (einem der Märchensammler-Brüder) in seiner „Deutsche Mythologie” von 1875 fand ich, das Hunde hervorragende Hochzeitsorakel sind: „In der Andreasnacht achten die Mägde, woher die Hunde bellen: aus dieser Richtung kommt ihr Bräutigam” (leider dauert es noch bis zur Andreasnacht am 30. November, aber dann: Mädels, aufgepasst!). Außerdem sollen sich laut Grimm Ehefrauen und Freunde besser hüten, dass ihnen kein Hund durch die Beine oder zwischen ihnen durch läuft:„Läuft der Frau ein Hund durch die Beine, schlägt sie der Mann”, und: „läuft ein Hund zwischen ein paar Freunden hindurch, so wird die Freundschaft getrennt” (eine sehr elegante Erklärung dafür, warum manche Leute nie wieder anrufen!).
Schließlich fand ich Hinweise darauf, wie ungeheuer gesund die Hundehaltung ist – mal abgesehen vom rosigen Teint und der Widerstandskraft, weil Hundehalter so viel an der frischen Luft sind: Wenn man krank ist, soll man einen Hund oder eine Katze einfach mit ins Bett nehmen, das Fieber wechsele dann zum Tier über, steht in „Das sechste und siebente Buch Mosis”, einem Beschwörungsbuch von 1849. Einem neugeborenen Kind solle man am besten das Gesicht von einem Hund ablecken lassen, dadurch zahnt es leichter und wird gute Augen bekommen. Und unübertrefflich gegen alle Arten von Halsleiden sei weißer Hundekot, äußerlich und innerlich anzuwenden (ein unschlagbares Argument für die Hundekot-Debatte).
Ein Aberglauben im Speziellen wird dabei von allen meinen Hunden unterschrieben: „Einen Hund vom warmen Ofen zu verjagen, sei niemandem geraten: Er wird es sein Leben lang mit kalten Füßen büßen.”

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