Ida, die Hochzeits-Crasherin

bild vom 27.7.2009

Ich sage ja nicht, dass es ein Spaß ist, Vater der Braut zu sein. Aber als Besitzer des Blumenhundes ist es auch nicht lustig.

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Blumenhund, Sie haben richtig gelesen. Ich wurde gefragt, ob ich meine Pudelin Ida, die allerlei Kunststücke beherrscht, für die Hochzeit einer Freundin zur Verfügung stellen würde, um mit einem kleinen vierjährigen Mädchen Blumen zu streuen. Ida sollte das Blumenkörbchen tragen. Der Job eines Blumenkindes ist es, vor Braut und Bräutigam einherzugehen, niedlich auszusehen und den Weg zum Altar mit Blütenblättern zu bestreuen, was ich persönlich für Augenwischerei zu einem sehr frühen Zeitpunkt halte, denn es ist wohl klar, dass man in der Ehe eher nicht auf Rosen gebettet wird.

Blumenhund oder Blumenkind zu sein ist jedenfalls eine große Verantwortung, die beim Kind ein spezielles Kleid, spezielle Schuhe, spezielle Kniestrümpfe und eine speziellen Frisur beinhaltet, was Wochen in Anspruch nimmt. Der Blumenhund braucht ein spezielles Halsband, ein spezielles Körbchen, und speziell gutes Benehmen, was Jahre in Anspruch nimmt. Ich übe mit meinen Hunden immer wieder Kunststücke, sozusagen als Absicherung: falls alle Stricke reißen, kann ich immer noch beim Zirkus anfangen. Ein Körbchen halten konnte Ida schon, sie war nur nicht 100%ig firm darin, in ungewohnter Umgebung damit herumzuspazieren. Das übten wir nun auf der Straße, in Geschäften, bei Freunden, wobei Ida mit dem kleinen Körbchen vorauslief, es aber gewöhnlich sofort fallen ließ, sobald ihr irgendetwas wichtiger vorkam, und ich wie ein Lakai hinterher lief, das Körbchen auflas und ihr erneut übergab. Schon nach wenigen Tagen warteten alle Nachbarkinder auf uns, um uns dann wie eine johlende Karawane zu folgen. Früher oder später überzeugte Ida diese Art der Ablenkung davon, dass sie ihr Körbchen besser festhielt, komme, was wolle.
Es kam der große Tag, Ida war frisch gebadet und gebürstet und wurde dem Blumenmädchen vorgestellt, einem blonden, engelsgleichen Kind in rosa Chintz.
Dann ging es los. Ich saß recht weit vorne in der Kirche und betete, alles möge gut gehen. Die Kirchentür ging auf, die Orgel begann zu spielen, und das Blumenkind erschien, den Blumenhund fest am rosa Chintz-Griff. Ida hielt das Körbchen mit den Blütenblättern im Maul, aber als sie die ungewohnte Orgel hörte, wurde sie einen Schritt schneller. Das Kind neben ihr fiel in einen leichten Trab, auch das Brautpaar legte an Tempo zu, um die Choreographie einhalten zu können. Die Blütenblätter flogen nur so nach allen Seiten. Ida war eindeutig nicht glücklich über die Orgel (wie hätte ich das mit ihr üben sollen?), aber ihr Gesicht hellte sich auf, als sie mich erblickte. Die Hochzeitsgesellschaft geriet ins Stocken, weil Ida unbedingt bei mir bleiben wollte. Das Blumenkind, praktisch veranlagt, versuchte, Ida den Korb abzunehmen, um pflichtbewußt wenigstens ihren Job zu Ende zu bringen, aber Ida hielt den Korb fest. Das Kind zog am anderen Ende. Ida gab nicht nach, denn soviel hatte sie gelernt: NICHT den Korb loslassen!, das Kind gab nicht nach, denn sie war vier Jahre alt und Vierjährige geben aus Prinzip nie nach. Die Hochzeitsgäste kicherten. Der Pfarrer bewies sowohl Contenance wie auch ein echtes Pokerface, als er die Zeremonie fortsetzte, obwohl die Balgerei zwischen dem Blumenpersonal verbissen andauerte – und zwar genau bis zu dem Moment, als sich das Brautpaar Richtung Kirchentür wandte. Plötzlich erinnerten sich Blumenkind und -hund wieder an ihre Bestimmung, rannten los, um irgendwie VOR das Brautpaar zu gelangen, wobei die Braut sanft zur Seite geschubst wurde – und weil sie so schön in Fahrt waren, rasten die Blumenbauftragten einfach weiter, das Körbchen fest im Griff, nach draußen, ins Freie, ins Licht.
Jedenfalls war es unvergesslich, soviel steht fest.

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