Jedes Jahr der gleiche Kampf: Die Zeckensaison ist in vollem Gang

Foto: N. Munninger

Foto: N. Munninger

Der Winter war angenehm mild, der Frühling hat ungewöhnlich früh begonnen, aber darum schwelgen wir nicht nur in Blumenpracht und grünem Blattwerk, sondern haben längst die ein- oder andere Zecke aus dem Fell unserer Hunde entfernen müssen – oder es zumindest versucht.

Vielleicht wurden manche winzige „Mitesser“ aber auch in langem, dichten Fell übersehen und hat sich, kugelrund und prall mit Blut gefüllt, bereits wieder von seinem Wirt „fallen lassen“. Fakt ist: Die Zeckenzeit hat begonnen, und je wärmer es wird, desto größer wird die Gefahr, eine Zecke aufzusammeln.

Weil Zecken, die zu den Spinnentieren gehören, ihre Körpertemperatur nicht regulieren können, sind sie bei der Suche nach einer Blutmahlzeit von den Außentemperaturen abhängig – je höher die ist, desto agiler sind die kleinen Plagegeister. „Bei Temperaturen ab circa sieben Grad verlassen Zecken die schützende Laubschicht, in der sie den Winter überdauert haben und lauern im hohen Gras und Gebüsch auf einen warmblütigen Wirt “, erklärt Prof. Dr. Theo Mantel, Präsident der Bundestierärztekammer.
Dabei lassen sie sich übrigens nicht von den Bäumen fallen, sondern werden im Vorbeigehen abgestreift oder klettern mit erstaunlicher Geschwindigkeit auf Haus- und Wildtiere oder den Menschen. Dort suchen sie bis zu zwei Stunden lang nach einer geeigneten dünnhäutigen Körperstelle (Innenseite der Schenkel, Kopf, Ohren, Zwischenzehenbereich, Afterregion oder Unterbauch), um sich dort mit ihren speziellen Mundwerkzeugen fest zu bohren. Larven und Nymphen, also noch nicht ausgewachsene Zecken, sind besonders an Ohrrändern, Ohrmuscheln, Augenlidern und im Schnauzenbereich zu finden.

„Weil beim Blutsaugen Speichel der Zecke in die Wunde gelangt, können auch gefährliche Krankheitserreger übertragen werden. So überträgt zum Beispiel der Holzbock, die bekannteste und bei uns häufigste Zeckenart, unter anderem die Borreliose und die – für Tiere weniger bedeutsame – Gehirnhautentzündung FSME. Daneben macht uns Tierärzten die aus dem Mittelmeergebiet eingewanderte Auwaldzecke Sorgen, denn sie breitet sich in Deutschland immer weiter aus und kann neben der Borreliose unter anderem auch die Babesiose übertragen“, weiß Mantel.

Darum beachten:

  • Die krankmachenden einzelligen Erreger wie Borrelien oder Babesien gelangen erst nach zwölf bis 24 Stunden durch den Speichel der Zecke ins Blut. Wichtigste vorbeugende Schutzmaßnahme ist es darum, den Hund nach einem Spaziergang im Grünen gründlich abzusuchen und die Zecke so schnell wie möglich zu entfernen!
  • Die größere und durch ihr geflecktes Rückenschild (darum auch „Buntzecke“) vom Holzbock zu unterscheidende Auwaldzecke bevorzugt lichte Wald- und feuchte Wiesenflächen und kommt besonders häufig auf ehemaligen Rieselfeldern oder anderen Flächen vor, die gerne für den Hundeauslauf genutzt werden – hier nach dem Spaziergang besonders gründlich auf Zeckenbefall kontrollieren.
  • Weil die Gefahr einer Infektion infolge eines Zeckenbisses regional sehr unterschiedlich ist, besonders vor einer Reise gründlich vom Tierarzt beraten lassen – er weiß auch, welche Abwehrmittel besonders sinnvoll sind.
  • Zur Vorbeugung ist es ratsam, Hund oder Katze bis zum Ende der Zeckensaison regelmäßig mit einem Spot-on-Präparat oder Wirkstoffhalsband zu behandeln. Aber Achtung: Wirksame Mittel, die Zecken abhalten oder sogar töten, können bei unsachgemäßer Anwendung besonders für Katzen gefährlich sein! Darum die Präparate nur nach Beratung beim Tierarzt erwerben!

So wird die Zecke richtig entfernt

  • Die Zecke mit einer speziellen Zeckenzange oder mit den Fingern so dicht an der Einstichstelle wie möglich (zwischen Haut des Tieres und Zecken“kopf“) fest fassen ohne sie zu quetschen.
  • Dann vorsichtig, gefühlvoll aber beherzt und möglichst gerade herausziehen. Ein Drehen sollte vermieden werden!
  • Nagellack, Öl oder Ähnliches niemals auf die Einstichstelle und die Zecke träufeln! Das wurde früher geraten, begünstigt aber die Übertragung von Krankheitserregern, weil die Zecke durch den „Stress“ ihren mit Erregern „verseuchten“ Mageninhalt in die Wunde entleert.
  • Achtung: Wenn ein Teil der Zecke in der Haut steckenbleibt – meist der winzige schwarze Kopf, an dem noch die acht Beine hängen – kann sich diese Stelle entzünden. In diesem Falle unbedingt den Tierarzt aufsuchen!
  • Nymphen, das sind die frühen und sehr kleinen Entwicklungsstadien der Zecke, werden oft übersehen und lassen sich aufgrund ihrer geringen Größe auch schwer entfernen. Im Zweifel darum ebenfalls einen Tierarzt aufsuchen – er kennt das Problem und entfernt sie fachmännisch.

Außerdem macht es in diesem Jahr, das wahrscheinlich paradiesisch für Zecken werden wird, sicherlich Sinn, den Hund in bestimmten Gegenden chemisch vor Zecken zu schützen. Wer sich hauptsächlich in Parks mit regelmäßig gemähtem Rasen aufhält, hat vielleicht weniger Probleme als Leute, die mit ihrem Hund durch Felder, Wiesen und Auen streifen.

Für die glücklichen Hunde, die in Gegenden leben, in denen nur wenig Zecken vorkommen, kann man mit dem natürlichen Zeckenschutz Feeprotect® sehr gute Ergebnisse erzielen. Es besteht aus den rein natürlichen Inhaltsstoffen  Kokosöl (in Bioqualität) und kaltgepresstem Jojobaöl und schützt vor Zecken, Herbstgrasmilben, Flöhen und Mücken. Es ist ideal auch für Welpen, Senioren und Tiere, die durch Erkrankungen nicht alle Präparate vertragen. Allerdings muss man vor jedem Spaziergang daran denken, ein paar Tropfen Feeprotect auf den Handflächen zu verteilen und damit durch das Fell zu streichen. (Wenn Sie anschließend plötzlich Verlangen nach Pina Colada haben, liegt das an dem wunderbaren Kokos-Duft des Hundefells).

Leider werden Zecken (wie alle Parasiten) im Laufe der Zeit gegen die meisten chemischen Zeckenmittel immun. So scheinen Zecken zum Beispiel mittlerweile von “Frontline” völlig unbeeindruckt zu sein, wie die meisten Tierhalter vermelden.

DIe Tierärztin Dr. Simone Oberhäuser aus Berlin-Buch verwendet dieses Jahr das Spot-On “Preventic” der Firma Virbac und hat sehr gute Erfolge damit. Die Anwendung ist denkbar einfach: Einmal im Monat einfach einen Tropfapplikator an der Spitze aufschneiden und das Mittel auf den Nacken träufeln. preventic-spot-on-permethrin-loesung-6-x-2-ml

Es gibt zwei Packungsgrößen: Für Hunde bis 15 kg Körpergewicht haben die Applikatoren 1 ml, ab 15 kg Körpergewicht sind es 2 ml. Es sind aber immer 6 Applikatoren enthalten, ausreichend für eine Saison.

Der Wirkstoff ist Permethrin (744 mg auf 1 ml), der Rest ist Isopropylmyristat. Es dringt in die oberen Hautschichten ein. Flöhe und Zecken werden sich erstens gar nicht mehr so festbeißen, und zweitens werden sie abgetötet, wenn sie es doch tun. Der Wirkstoff lähmt den Parasiten vollständig und er erstickt.
Preventic ist nur apotheken- und nicht verschreibungspflichtig. Die Packung mit 6x 1 ml kostet um die 20 Euro. 

Hochwirksam ist das neue, wasserbeständige Ungezieferhalsband Seresto® von Bayer. Es tötet Zecken, Flöhe und Milben ab; Zecken werden wirksam abgewehrt und abgetötet, bevor sie stechen und Krankheiten übertragen können (es ist wirksam gegen Larven, Nymphen und adulte Zecken).  Es ist zwar recht teuer – für Hunde unter 8 kg kostete es je nach Anbieter um die 26 Euro, für Hunde über 8 kg – ca. 70 cm um die 38 Euro –  hält aber immerhin 7-8 Monate lang über die gesamte Zecken-Saison hinweg.

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Die Dosierung der Wirkstoffe von Seresto ist so gering, dass es sicher für die Gesundheit von Mensch und Tier ist. Außerdem ist das Band so entwickelt, dass die Gefahr von Erstickung/Strangulation nicht besteht: Sollte Ihr Hund sich irgendwie verfangen, dann löst sich die Schnalle. Für zusätzliche Sicherheit hat man eine Bruchstelle in das Halsband eingearbeitet.

Eine Freundin von mir verwendet es an einem ansonsten recht empfindlichen Windhund und einem Löwchen, das gerne auf alles  allergisch reagiert, hat aber mit Seresto gute Erfahrungen gemacht – und das Löwchen hat keine rosa juckenden Pfoten mehr, weil die blöden Grasmilben keine Chance mehr haben.

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