Mutter Natur und ihre Bälger

bildvom 20. 9.2009

Neulich musste ich mehrere Hundert Euro zahlen, weil mein Auto nicht anspringen wollte. Schuld war die Natur. Sie ist völlig außer Kontrolle.
Grundsätzlich bin ich ja für die Natur. Ich bin sogar für Natur, wenn sie erschreckende Formen annimmt wie z.B. die Form von Haien oder Schlangen, weil ich weiß, dass Haie oder Schlange wichtige Bestandteile des Ökosystems darstellen.
Aber ich finde, die Natur sollte da bleiben, wo sie hin gehört. Beispielsweise ist meiner Meinung nach der geeignete soziale Kontext von Schlangen Asien. Schlangen sollten nicht in europäischen Gärten leben, wenn sie dafür keine schriftliche Genehmigung haben. Vor allem sollten sie nicht in meinem Garten herum liegen. Genau das tat aber eine wirklich lange, dunkle Schlange mit einem Muster aus Rechtecken auf dem Rücken, und sah dabei sehr non-chalant aus, Miss Kaltblütig, sozusagen. Trotzdem beunruhigte sie mich, weil ich mir nur einen Grund denken kann, warum Schlangen im Garten liegen: Weil sie entweder einen jungen Vogel, einen jungen Hund oder mich fressen wollen. Diese Schlange hatte mir schon ein paar Tage lang aufgelauert; ich hatte sie schon vorher an anderer Stelle im Garten gesehen, als ich mit meinen Hunden spielte, die dabei einen sehr wachsamen und beschützerischen Eindruck machten. Die Schlange hielt ganz still, was ein alter Schlangen-Trick ist, damit man sie für einen Gartenschlauch oder eine Gummischlange hält. Solche Kniffe funktionieren nur, wenn der Beobachter den IQ eines TicTacs besitzt, weshalb es hervorragend bei meinen Hunden klappte, die sehr entspannt an der Schlange vorbei schlenderten. Ida stieg sogar über ein Stück der Schlange. Wäre die Schlange ungefährlich gewesen, hätten die Hunde sie natürlich auf den ersten Blick entdeckt. Harry z.B. explodiert jedes Mal in hysterischen Bell-Attacken, sobald er sieht, wie sich der Rasensprenger bewegt. Ein sanftes, unauffälliges, klassisches Gartengerät, das noch nie in seinem Leben eine falsche Bewegung gemacht hat, aber Harry ist überzeugt, dass es eine bösartige Kreatur ist, die nur auf den richtigen Moment wartet, um sich heimtückisch aufzubäumen und tödliche Wassermengen über den hilflosen Opfern auszuspucken.
Ich wollte den Hunden die Schlange zeigen. Sie kamen mit aufmerksamem Gesichtsausdruck zu mir und schnüffelten an meinem Zeigefinger, ob vielleicht Wiener Würstchen daran klebten. Die Schlange hielt noch immer still und dachte sich wahrscheinlich: „Es wird ein Kinderspiel sein, diese Person zu vergiften.”
Seither trage ich im Garten stets einen Regenschirm bei mir als eine Art Schlangen-Ableiter.
Inzwischen haben Sie vergessen, dass ich Ihnen eigentlich von meinem Problem mit meinem Auto erzählen wollte. Es startete nicht, also kam der ADAC. Der ADAC-Mann versuchte erst einmal, das Auto zu starten (falls sich herausstellen sollte, ich sei möglicherweise einfach zu doof dafür), überprüfte dann den Tank (fast voll), und öffnete dann die Motorhaube. „Ha!” rief er aus. Er warf mir einen finsteren Blick zu. „Kein Wunder.” „Kein Wunder – was?” fragte ich bang. Er hielt ein kaputtes Kabel hoch. „Marder!” brachte er verachtungsvoll zwischen den Zähnen hervor.
Das meine ich, wenn ich sage: Die Natur ist außer Kontrolle. Es ist doch nicht natürlich für Marder, Autokabel zu fressen. Sie sollten sich von dem ernähren, was das Ökosystem für sie bereit hält, wie Dönerreste und alte Schulbrote am Straßenrand. Ich glaube, die Natur will sich an uns rächen, weil wir sie permanent mißhandeln. Ich fürchte, wenn Sie eines Tages nichts mehr von mir hören, dann deshalb, weil die Polizei in meinem Garten eine Schlange findet, die offenbar gerade ein gewaltiges Mal verschlungen hat, ein Auto, das als Fluchtwagen nicht taugte, weil ein Marder die Kabel gefressen hatte, und natürlich Harry, der den Rasensprenger anschreit.

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