Werbung

Offener Brief von Harry, Fritz und Gretel an ihren Problem-Mensch

Schlafmützen
Liebe K.,

wir haben bisher nie beschwert, dass Du unser Privatleben für die Inhalte Deiner Kolumnen verwendest. Wir wissen, dass alle Beziehungen aus „Geben und Nehmen“ bestehen, und die Abenteuer, die Du durch uns erleben darfst, sind sozusagen unser Geben für die Annehmlichkeiten, die Du uns gewährst. Aber wir würden Dich insgesamt doch bitten, etwas weniger persönlich zu schreiben. Auch Hunde haben eine Privatsphäre.
Wir vierbeinigen Mitglieder dieses Haushalts haben Deine Kämpfe mit dem geschriebenen Wort und alle inhaltlichen Blackouts stets unterstützend begleitet – wie eigentlich alles, was Du tust, vor allem dann, wenn es um Essbares geht.. Ihr Menschen macht es Euch gerne leicht und behauptet einfach, wir Hunde seien genetisch vorprogrammiert und liebten Euch, egal was kommt. Das kann man so nicht sagen: Du hast unsere Zuneigung und Loyalität im Laufe der Jahre durch Freundlichkeit und guten Umgang verdient. Z.B. Harry kann sich stets darauf verlassen, dass Du jeden, der ihn als „dicklich“ bezeichnet, korrigierst und darüber informierst, dass Harry nur gut isoliert sei und außerdem direkt von Seehunden abstamme, was sich übrigens bereits an der Farbe erkennen ließe. Wir leisten unseren Beitrag, indem wir uns über jeden Ausflug freuen und Dich über das Vorkommen verschiedener Wildtierarten informieren, indem wir uns gründlich in deren Exkrementen wälzen (obwohl Du immer so tust, als fändest Du das nicht so toll: Wir wissen es besser). Du bist sehr aufmerksam, was unser Bedürfnis nach häufigen Spaziergängen betrifft (möglicherweise stammt diese ausgeprägte Empathie noch von einem traumatischen Erlebnis, als Du mit teegefüllter Blase in der ersten Reihe bei Händels „Messias“ sitzen musstest). Was immer der Grund: Wir wissen diese Aufmerksamkeit zu schätzen. Bei vielen Menschen lässt die Bereitschaft für Spaziergänge extrem zu wünschen übrig.
Irgendwann hast Du z.B. geschrieben, Gretel würde ihre Geschäfte , die sie gerne im Abseits parkt, mit „melancholischem Gesichtsausdruck“ und „beinahe schamhaft“ verrichten –völliger Quatsch. Kein Hund geniert sich für etwas. Du bist diejenige, die unsere Haufen aufhebt, nicht wir. Und wenn wir uns auf der Hundewiese mit Artgenossen treffen, dann geht es keineswegs darum, „Hundsein zu dürfen“: In Deinen Texten vermissen wir die Komplexität und Ernsthaftigkeit der Beziehungen von Hunden untereinander, und das verblüffende Tempo, mit dem wir exakt das erfahren, was uns interessiert und sofort zum Hinterteil des nächsten Hundes weitergehen: Schneller als eine Email, und wir haben auch nie Verbindungsprobleme. Ärgerlich ist auch, dass du uns Hunden immer Opportunismus unterstellst. Das mag mal so gewesen sein, als die ersten Hundeartigen sich den Lagerfeuern der Menschen näherten. Aber was uns und Dich betrifft, stimmt das einfach nicht. Aber wir verstehen, dass Du Dein bestes tust, um das Leben von Hunden zu verstehen. Wir vergeben Dir, weil wir Hunde nun mal so sind. Du bist schließlich auch nur ein Mensch.

Werbung

1 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Werbung