Wenn das Outfit zum Autschfit wird

Neulich habe ich am Wannsee einen Yorkshire-Terrier in einem rosa Rüschenkleidchen gesehen.
Ich möchte mich nur ungern als Moralapostel der Hundewelt aufspielen, aber ich finde: Das geht zu weit. Was kommt als Nächstes? Pit-Bulls im Bikini? Schäferhunde auf hohen Absätzen?
„Wie der Herr, so’s G’Scherr”, lautet ein altes Sprichwort, und sicher: Der Hund sollte irgendwie zu einem passen. Aber das heißt nicht, dass der Hund sich dem Trachtenfaible seines Herrchens anpassen muss, oder dem Leoparden-Look seiner Halterin. Ist das Besondere an Hunden nicht auch, dass sie uns so gut erden?
Bis zu einem gewissen Grad haben auch meine Hunde durchaus ein Faible für schicke Accessoires, allerdings ausschließlich meine. Meine braune Pudelin Ida hat auch recht schnell eine Faszination für hochwertige Accessoires entwickelt: Sie hat noch nie einen Schuh von mir vernichtet, der weniger als hundertfünfzig Euro gekostet hatte. Einfachen Turnschuhen kann sie dagegen nichts abgewinnen. Bisher hat sie auch nur Unterwäsche von La Perla gefressen, schlichte Baumwollwäsche ignoriert sie.
Dagegen interessiert es Hunde nicht im geringsten, was sie selber am Körper tragen – solange niemand über sie lacht. Hunde haben nämlich durchaus ein Gefühl für Würde. Und es ist die Pflicht und Schuldigkeit des Hundehalters, sie zu bewahren.
Das bedeutet also: Keine Kleidchen, keine Matrosenanzüge und vor allem: kein Glitzerschmuck für Hunde. Keine Tiaras. Keine Straß-Barettes. Keine Glitzer-Halsketten in Fuchsia mit Glücksanhänger, keine Süßwasserperlenketten: Hunde sind doch keine Discostars. Würde man sie fragen, sähen sich die meisten Hunde bestimmt lieber als der Gary Cooper, denn als die Mariah Carey der Hunde.
Glitzeranhänger, Strasssteine und ähnlicher Tand degradieren Hunde zu Lifestyle-Objekten. Sie sehen dann aus wie der Fiffi von Paris Hilton, und das hat kein Hund verdient.
Glitzeranhänger an Hunden sind so ironiefrei wie Ohrstecker an Babies. Glitzer am Hund sieht
so aus, als habe man es nötig: Dabei gibt es keinen Grund, den Hund als wandelnde Discokugel als Einkommensnachweis zu missbrauchen – dafür hat man doch schon das Auto.
Das Gute an Hunden ist doch, dass sie uns dauernd daran erinnern, was Instinkte sind. Sie haben eine biologische Natur, gegen die wir meistens nicht ankommen. Sie heben das Bein, bekläffen die Nachbarn an und fressen am liebsten Dinge, die grün schillern. In ihren Körpern – egal, wie zart und zitterig – schlummert noch immer das Herz eines wilden Wolfes. Nicht das einer amerikanischen Eisprinzessin.
Stellen Sie sich mal vor, Ihr Hund wälzt sich in einem halbverwesten Maulwurf – wie bekommen Sie dessen pre-mumifizierte Barthaare zwischen dem Halbedelsteinbesatz am Halsband wieder heraus? Im Lieferumfang der Hersteller sind jedenfalls keine geeigneten Pinzetten inbegriffen, soviel steht fest.

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