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Reich an Hunden – arm an Verstand?

bildvom 8.5.2011

Neulich stand ich mit allen meinen Hunden im „Fressnapf”, einem Supermarkt für Tierfutter, als ein Mann mich ansprach: „Vier Hunde? Das sind aber nicht alles Ihre, oder?” „Doch”, antwortete ich freundlich. “Alles meine.” Der Mann starrte mich fassungslos an. „Bitte”, bat er inständig, „sagen Sie das nicht meiner Frau!”
Ich weiß auch nicht genau, wie aus einem Hund vier werden konnten – oder momentan viereinhalb, um genau zu sein. Die einfachste Antwort wäre: Ich kann großen, dunklen, traurigen Augen nicht widerstehen. Oft helfe ich Freunden, einen Hund für sie zu finden, und bringe mich damit praktisch ständig in Gefahr: Ich kann keinen Züchter, kein Tierheim und kein Tiergeschäft besuchen, ohne mit irgendetwas Lebendem aus der Tür zu gehen (und sei es ein überarbeiteter Tierpfleger). Vor vielen Jahren fand ich in New York eine kleine, fast haarlose Hündin in der Mülltonne, die vor Angst zitterte und bebte, sobald man sie nur ansah. Sollte ich die vielleicht ins Tierheim geben? Acht Wochen lang lebte Paula unter meinem Bett und nahm auch nur dort ihre Mahlzeiten zu sich. Sie beherrschte den Moonwalk besser als Michael Jackson es je gelang; wenn man seinen Gürtel aus der Hose zog, duckte sie sich unter Stühle oder Sofas: kein Lebewesen lernt so was, weil jemand besonders nett zu ihr ist. Mit den langen, weißen Haaren, die nachwuchsen, wurde sie auch mutiger und entwickelte sich bald zur Diva, die mich auf allen Reisen begleitete. Das ist das Sensationelle an Hunden: Sie sind unglaublich elastisch und stabil. Sie können ihr altes Leben einfach abschütteln. Fröhlichkeit, Vertrauen und Hurra sind wieder möglich, wenn man Hunden etwas Neues bietet. Oder sie ins Auto setzt: Die Verwandlung ist ungeheuerlich, als wüssten sie, dass es nun nach vorne geht, in ein neues Leben (was ja auch stimmt). Anders als wir Menschen, die an unseren schlechten Erfahrungen ein Leben lang festhalten (könnte ja sein, dass wir sie noch brauchen)
In einer Pariser Tierhandlung an der Seine sah ich Paulas Pendant in grau. Natürlich brauchte ich keinen zweiten Hund. Ich wollte noch mal darüber schlafen. „Na, Kleine?” fragte ich, „soll ich noch mal wieder kommen?” Sie legte den Kopf schief, als wolle sie sagen: „Mal überlegen. Ich sitze in einem schrecklichen Tiergeschäft auf Sägespänen ohne Tageslicht, Spielsachen und Artgenossen. Was meinst Du wohl?” Also kam sie mit. Manche Hunde sollten nur „auf Durchreise” bei mir bleiben, bis ich ein gutes Zuhause gefunden hatte – aber dann erzählen sie einem ihre Geschichte und werden dadurch hochinteressant, oder sie sind besonders originell, oder einfach liebenswert. Einer dieser Hunde bekam eines Tages ungewollt Welpen, und natürlich blieb einer davon bei mir, fünfzehn Jahre lang.
Meine Pudelinnen waren ein Geschenk – und natürlich sagt man zu so einem Geschenk nicht nein, obwohl irgendeine Stimme im Hinterkopf immer sagt: „Mehr Hunde sind nicht drin, Mrs Doolittle. Völlig überflüssig.” (Oder, wie eine fremde Frau gerade zu mir sagte: „Wer so viele Hunde hat, muss ja blöd im Kopf sein!”). Wenn man Ihnen einen Ferrari schenken würde, würden Sie nein sagen, wenn Sie sich schon immer einen Ferrari gewünscht haben, auch wenn Sie schon ein wirklich gutes Auto besitzen? Na bitte. Wenn man erst einmal zwei Hunde hat, sind alle Schleusen offen: Das mit der Einzelhundhaltung ist ein- für allemal vorbei. Noch vor drei Hunden fürchtete ich, eines Tages als „die Hundetante” bekannt zu werden: Zu spät. Ich würde es nicht mehr anders wollen. Mir haben meine Hunde viel beigebracht; etwa, dass eine liebevolle Geste eine ganze Kette von Freundlichkeiten auslöst. Das ist gut zu wissen.

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