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Sippenhaft

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vom 28.07.2013

Manchmal werde ich auf meinen Hundespaziergängen völlig unvermittelt angesprochen von Leuten, die die Unterhaltung beginnen mit „Ich bin bestimmt kein Hundehasser, aber….“ Dann folgen Tiraden über Leute, die Hundehaufen liegen lassen, über Hunde, die bellen oder irgendwen neulich angesprungen haben. Nichts davon hat mit mir und meinen Hunden zu tun. Aber weil ich – wie 5,4 Millionen meiner Mitbürger – Hunde habe, habe ich so etwas wie Kollektivschuld.
Nicht jeder liebt Hunde. Ich respektiere das. Ich frage deshalb am Nachbartisch, bevor ich mich mit Hunden im Café an einen Tisch setze. Ich lasse sie nicht auf öffentliche Sitze springen. Ich verstehe, das Leute sich friedlich am Badesee sonnen wollen, ohne dass ein nasser fremder Hund auf ihrem Handtuch olfaktorische Forschungen betreibt. Auch mich graust das oh so bekannte Gefühl, in einem weichen Hundehaufen auszurutschen. Ich finde, es ist genauso selbstverständlich, auf Gehwegen die Hinterlassenschaften seiner Hunde wegzuräumen, wie man auch keine Schulbrote, Flaschen oder Müll auf die Straße wirft. Hunde müssen nicht auf Friedhöfe, in Drogerien oder Supermärkte mitkommen: Es ist nicht ihr Platz und macht zu vielen Menschen zu viele Probleme. Ich nehme auch ernst, wenn jemand sich vor Hunden fürchtet. Umgedreht erwarte ich das genauso: Neulich hatte ich einen sehr ängstlichen Hund dabei, der sich nicht von einem fremden Kind anfassen lassen wollte. Ich bat die Mutter, das Kind lieber meinen Pudel streicheln zu lassen, der andere Hund sei nicht ganz sicher im Umgang. Woraufhin sie mich anblaffte, wieso ich einen solchen Hund überhaupt mit in die Öffentlichkeit nehmen würde, Hundehalter seien so rücksichtslos.
Wie sind eigentlich „Hundehalter“ so im Durchschnitt? Sind sie wie „Eltern“? Oder „Kinder“? Wie sind „Rentner“ im allgemeinen? Und „Biertrinker“?
Im Zusammenleben ist gegenseitige Rücksichtname unerlässlich. Manieren sollen eine gewisse Norm schaffen, die einem das Zusammenleben erleichtern soll. Tischmanieren sind z.B. dafür da, dass man diesen nicht sehr attraktiven physischen Vorgang einander erträglicher macht. Rücksichtnahme ist der Schlüssel zum friedlichen Miteinander – das gilt für Hunde wie Kinder und Erwachsene. Und selbst die besterzogenen Kinder und Hunde können mal unangenehm auffallen: Das macht nichts. Es gehört zum Leben dazu.
Aber nur, weil ich Hunde halte, bin ich nicht der Blitzableiter für die schlechte Laune meiner Mitmenschen. Ich muss mich nicht aus heiterem Himmel von Fremden maßregeln lassen, nur weil ich Hunde dabei habe. Ich bin nicht für jeden Hundehaufen m Umkreis von 20 km zuständig, und die Unzulänglichkeiten der anderen. Mehr Toleranz für Randgruppen! Für Hundehalter, Eltern, Kinder und Rentner. Und Biertrinker.

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