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Vom Diener zum Herrscher

Die wichtigsten Dinge des Lebens habe ich von meinen Hunden gelernt

Vor vielen, vielen tausend Jahren, als das Wünschen noch geholfen hat, gingen Hunde für ihr Futter noch auf die Jagd, tranken das Wasser aus Flüssen, Bächen und Teichen und lebten so autark wie ihre Cousins, die Wölfe. Im Laufe der Zeit entwickelten Hunde sich allerdings weiter und begannen, den Menschen sanft, aber konsequent zu trainieren: Nun ging der Mensch für den Hund auf die Jagd, belieferte ihn wenigstens zweimal täglich mit Futter in einer Schüssel oder einem Napf, versorgte ihn ausreichend mit frischem gefilterten Wasser, machte regelmäßige Ausflüge mit ihm, badete ihn, wenn er schmutzig war und ließ ihm medizinische Versorgung zukommen, wann immer dies notwendig war.

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Ich betrachte meine eigenen Hunde, die um mich herum in meinem Arbeitszimmer liegen in ihren schönen, orthopädisch sinnvollen Hundebetten, die ich regelmäßig wasche und mit dem Staubsauger von Hundehaaren befreie. Wenn ich morgens früh den Eindruck mache, als würde ich nach einer schreibintensiven, langen Nacht möglicherweise verschlafen, wecken sie mich fast pünktlich um spätestens halb acht, damit ich mit ihnen unseren morgendlichen Spaziergang durch Felder, Wiesen und Auen unternehme. Ich spiele mit meinen Hunden, sorge für interessante Erlebnisse und beantworte jeden ihrer grundsätzlichen Bedürfnisse und Wünsche. Wenn es stürmt, spazieren wir in den nachbarlichen Kuhstall, um ihnen ein – trockenes – Erlebnis zu gewähren. Manchmal gehen wir auch vorsätzlich zu anderen Nachbarn, wo ihnen frische Kuhmilch vorgesetzt und eine Runde Ball gespielt wird.

Im Laufe der fast 40 000 Jahre währenden engen Freundschaft zwischen Mensch und Hund hat der Hund zahlreiche Aufgaben für den Menschen erfüllt. Dazu gehörten die Jagd, das Hüten von Nutztieren, der Schutz von Mann, Haus und Hof, Begleitung und Kameradschaft.

Irgendwann fand eine interessante Wende statt, wer eigentlich wem nützlich ist: Es wird zunehmend schwieriger zu erkennen, ob der Hund eigentlich dem Menschen nützt, oder umgekehrt.

Vor vielen Jahren besuchte ich einmal die Verbotene Stadt in Beijing. Ich machte das, was ich schon als ganz junger Hüpfer immer tat, wenn ich fremd in einer Stadt war: ich suchte mir einen Stadtführer. Dieser Führer erzählte mir unter anderem, wie das Leben vor 500 Jahren in dieser Palastanlage ausgesehen hatte. Zum Beispiel gab es keinerlei Kanalisation. Wenn einer der Kaiser der Dynastien Min oder Qing aufs Klo musste, erschien ein Diener mit einem Nachttopf und entfernte diesen wieder, wenn der Kaiser fertig war. Kein wirklich toller Job, aber immerhin arbeitete der Diener direkt für den Kaiser.

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Heutzutage bewandern wir die Welt mit kleinen Plastikbeuteln in den Taschen und entfernen damit die Hinterlassenschaften unserer Hunde.

Irgendwie erinnert mich das sehr an den Job des chinesischen Dieners im kaiserlichen Palast.

Wie ist es geschehen, dass unsere Hunde unsere Kaiser und Könige ersetzt haben und wir Hundebesitzer zu ihrem Personal wurden?

Aber wir sollten uns an unseren Hunden und ihrer Evolution dringend ein Beispiel nehmen: Vom Jagdhelfer zum Imperator. Das nenne ich mal eine erfolgreiche Spezies! „Denken wie ein Hund“ scheint eine wirklich gute, erfolgreiche Lebensstrategie zu sein.

Meine Hunde haben mich wirklich überzeugende Dinge gelehrt:

  1. Belohnungen müssen dem Empfänger gefallen, nicht dem, der sie austeilt.
  2. Belohnungen auszuteilen ist genau so toll, wie Belohnungen zu bekommen.
  3. Manchmal ist ein „Nein“ einfach nicht akzeptabel.
  4. Um Hindernisse zu überwinden und zu erreichen, was man sich wünscht, ist Hartnäckigkeit das geeignetste Mittel der Wahl.
  5. Erfolg ist selten unmittelbar, sondern erfordert Vorbereitung und Durchhaltevermögen.
  6. Nichtverbale Kommunikation ist wichtig.
  7. Offene, ehrliche Kommunikation ist die beste Lösung in praktisch allen Situationen.
  8. Es bringt leider gar nichts, sich vor Dingen zu fürchten, die sich in der Zukunft ergeben könnten. Stattdessen sollte man das berühmte „Hier und Jetzt“ so effektiv wie möglich ausleben.
  9. Wenn man sich eingesperrt oder angekettet fühlt, muss man diesen Zustand ändern.
  10. Die Schuld auf andere oder „die Umstände“ zu schieben, löst nicht das Problem.
  11. Man muss weder mit allen freund sein, noch sich alle anderen vom Leib halten. Das ändert nichts daran, dass man sich seine Freunde sorgfältig aussuchen sollte.
  12. Verschwende keine Zeit damit herauszufinden, wer Recht hat und wer Unrecht. Meistens haben beide Seiten ein bisschen von Beidem.
  13. Der erste Eindruck ist häufig richtig, aber nicht immer.  
  14. Sogar der beste Plan entwickelt sich meistens nicht so, wie man erwartet hätte.
  15. Immer davon ausgehen, dass es anders kommen wird, als man dachte.
  16. Die Dinge ändern sich ständig, auch, wenn eine Veränderung nicht automatisch ene Verbesserung mit sich bringt. Es bleibt einem trotzdem nichts anderes übrig, als dies zu akzeptieren, flexibel zu bleiben und sich anzupassen. („Es ist, wie es ist“, sagte schon Erich Fried.)
  17.  Es hilft gegen große Überraschungen, wenn man auf kleine Veränderungen im Umfeld achtet.
  18. Den richtigen Hund, den richtigen Partner oder Geschäftspartner auszuwählen ist wichtiger als alles andere im Leben.
  19. Müdigkeit verursacht Unfälle, schränkt das Urteilsvermögen ein, lässt altern und macht einen vergesslich. Menschen schlafen nicht genug.
  20. Schlaf mehr.
  21. Spiel mehr.
  22. Loyalität macht das Leben einfacher und besser. Bleib loyal gegenüber deiner Gruppe – deiner Familie, deinen Arbeitgebern und Kollegen.
  23. Lob und Belohnungen funktionieren grundsätzlich besser als Kritik oder Bestrafungen.
  24. Der richtige Lehrer ist ausschlaggebend für gutes Lernen.
  25. Menschen tragen nur selten eine Leine, obwohl sie durchaus von unsichtbaren Leinen eingeengt werden. Seinen Partner ständig an kurzer Leine zu halten ist ein Ausübung von Dominanz. Eine lange Leine oder gar Freilauf können zu ungeahnten Entdeckungen führen.
  26. Man braucht Träume, aber um etwas zu erreichen, muss man etwas tun.
  27. Um etwas zu erreichen, braucht man einen Plan. Man braucht einen Plan für alles, was man tut.
  28. Man muss lernen, Ablenkungen zu ignorieren.
  29. Jeder muss irgendwo ein Zeichen setzen. Man muss sich rechtzeitig fragen, wo und wie das sein soll.
  30. Man muss nicht „alpha“ sein, um ein tolles Leben zu haben.

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