Vorwort zu "Ein Hund von Welt – Menschen mühelos erziehen"

Hier das Vorwort zu meinem neuen Buch,
12041-5_HundvWelt, das im September erscheint:

Ein gut erzogener Hund kommt nicht von ungefähr: Gute Erziehung fängt beim Menschen an. Mich erstaunt immer wieder, dass Hundebesitzer von ihrem Vierbeiner Contenance und makellose Manieren erwarten, ihrerseits aber herumschreien, weder ordentlich an der Leine gehen, noch „Bitte” und „Danke” sagen können; geschweige denn, die Hinterlassenschaften ihres Hundes zügig verschwinden lassen.
Dabei hat wohl jeder Hund einen Menschen verdient, der ihm das Kissen aufschüttelt, ihm liebevoll die Mahlzeiten zubereitet und den Personal Trainer für ihn spielt. Ein gut erzogener Mensch kann der beste Freund des Hundes werden.
Ich persönlich lebe mit vier Hunden zusammen: Luise, einer schwarzen Großpudelhündin, Ida, einem ähnlichen Modell in braun, Harry, ein völlig neurotisches, aber durchaus charmantes Italienisches Windspiel, und Fritz, ebenfalls einem Windspiel, das nur etwas zu groß geraten ist. Sie – und alle Hunde, mit denen ich vorher zusammen lebte – haben mich seit frühester Jugend sehr erfolgreich erzogen. Ich mache lange Spaziergänge, bin äußerst geschickt darin, verlorenes Spielzeug wieder zu finden und zu apportieren, ich gehe auch nachts spazieren, wenn es sein muss und habe gelernt, meinen Tagesablauf praktisch vollständig den Bedürfnissen meiner Hunde unterzuordnen. Ich bin sehr gehorsam, 100%ig stubenrein und ein anhänglicher, hingebungsvoller Hundefreund.
Das Geheimnis unserer guten Beziehung liegt im gegenseitigen Verständnis. Meine Hunde wissen, das meine Sinnesorgane mit den ihrigen schlicht nicht mithalten können: Ich benutze meine Nase hauptsächlich dafür, meine Brille darauf zu befestigen. Mein Gedächtnis lässt zu wünschen übrig; nie kann ich mich erinnern, wo eigentlich meine Autoschlüssel sind. Ein Hund vergisst jahrelang nicht, wo er einen Knochen vergraben oder einmal um ein Haar ein Kaninchen erwischt hat, während der Mensch stundenlang alle Schränke durchwühlen muss, um seinen Lieblingsschal zu finden, und dann seinen Ehepartner anschnauzt, wo der/die den Schal hinverräumt hat.
Ich weiß nichts von den Geheimnissen eines Kaninchenbaus, ich bin ahnungslos, was das besondere Aroma eines vor sieben Wochen verstorbenen Fisches betrifft, aber meine Hunde verzeihen mir diese Unzulänglichkeiten – sogar, wenn ich sie in totaler Ignoranz daran zu hindern versuche, wertvolle Nahrungs-Resourcen in Sicherheit zu bringen wie im Park herumliegende Grillabfälle, zeigen sie noch freundliches Entgegenkommen.

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Vor nicht allzu langer Zeit waren Hunde noch eine Notwendigkeit, keine Accessoires. Sie trieben Schafe durch bergiges Gelände, brachten halberfrorenen Bergsteigern wärmenden Schnaps in die Felsspalten, in die sie gefallen waren, und beschützten Haus, Hof und die Menschen darin vor Dieben und Wegelagerern. Sie liefen frei herum, weil sie ihren Unterhalt verdienten, ihre Wehrhaftigkeit und ihr Bewegungsbedürfnis wurde gepriesen, nicht an die Leine gelegt. Es war eine Zeit, in der sie mit allen Vieren auf dem Boden blieben, anstatt in kleinen gefütterten Täschchen herumgetragen zu werden, in der sie bei Bedarf mit dem Gartenschlauch abgespritzt wurden, und nicht in den Hundesalon gekarrt wurden. Es war eine Zeit, in der Hunde genau das sein sollten und durften, was sie sind: Eine andere Spezies. Hunde.
Meine Hunde haben mir beigebracht, sie nicht als kleine haarige Versionen des Menschen zu betrachten, sondern nie zu vergessen, dass wir zwei völlig unterschiedlichen Spezies angehören – egal, wie ähnlich wie uns manchmal zu sein scheinen. Wenn der Mensch versucht, den Hund zu imitieren, macht er seinen Hund damit ganz nervös: Der Hund sollte ebenso wenig versuchen, das Leben des Menschen zu bestimmen, wie der Mensch sich wie ein Hund behandeln lassen sollte (im historischen Gebrauch dieses Ausdrucks). Sie sollen Freunde werden, aber nicht versuchen einander zu imitieren: Wenn der Mensch das Spiel mit der Gummimaus seines Hundes zu ernst nimmt, wird der Hund ganz unsicher und überlegt sich, ob er nun auch auf zwei Beinen gehen und Zigarren rauchen soll, wird befangen, wenn er keine modischen T-Shirts trägt und fängt an, seinen Schwanz zu jagen und Nägel zu kauen.
Ein guter Hundemensch erkennt die Tatsache an, dass zwischen Hund und Mensch Welten liegen, was Überblick, Intelligenz und Weisheit betrifft, und wird nicht versuchen, das Unmögliche von sich und seinem Hund zu verlangen.
Nicht alle Hunde sind in der Erziehung so erfolgreich wie meine. Manche Hunde verwöhnen ihre Menschen zu sehr, andere nörgeln, ziehen und zerren, bis der Mensch völlig gestreßt ist. Der Schlüssel – um das noch einmal ganz deutlich zu betonen – liegt im gegenseitigen Verständnis für die Möglichkeiten Grenzen des anderen: dann ist alles möglich. Überlegen Sie doch: Ohne meine Hunde wäre dieses Buch nie geschrieben worden.

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