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Wild im Winter

Rehe im Schnee

Gestern traf ich einen anderen Hundebesitzer im Wald, der sich über meinen Anblick lustig machte: Alle Hunde an der Schleppleine, was bei vier sehr agilen Hunden aussieht wie eine Übung in Makramée für Fortgeschrittene. Das Ganze verlangt von der Begleitperson während des Spaziergangs hohe motorische Fähigkeiten, denn die Hunde wechseln ja dauernd die Spur, und man will und darf ja nicht auf die langen Schnüre treten.
Wieso ich mich denn so anstellen würde, fragte mich der Besitzer eines Neufundländermischlings, die Hunde würden die Rehe doch nicht erwischen und nur ein bisschen herumscheuchen, das wäre doch nicht so schlimm.

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Mal abgesehen davon, dass ich nicht unterschreiben würde, dass Fritz, Harry und Gretel ein Reh nicht doch erwischen würden, ist übrigens gerade das Hetzen ein echtes Problem im Winter.

Ich wohne hier mitten im Wald, und noch dazu in einem sehr wildreichen Wald: Rehe überall, Wildschweine, Kraniche und Wildgänseetwas weiter hinten gibt es viele Hirsche. Der Winter war hart: Viel Schnee, wenig zu Fressen für das Wild. Pflanzenfresser leben jetzt sozusagen auf Sparflamme: Sie senken ihren Puls und ihre Körpertemperatur. Hirsche können z.B. ihren Herzschlag von normalerweise 60 Schlägen auf 30 pro Minute senken. Aber das macht sie auch sehr langsam. Gerade jetzt, im nicht enden wollenden Spätwinter kann schon allein das Herumlaufen auf Nahrungssuche bedeuten, dass durch die Bewegung mehr Energie verbraucht wird, als mit dem kargen Futter überhaupt aufgenommen werden kann.
Die Beweglichkeit der Tiere ist so stark eingeschränkt, dass das Wild selbst bei Störungen vermeintlich ruhig stehen bleibt. Diese Situation stresst die Tiere enorm, das wiederum verbraucht Energie. Eine Flucht wird deshalb hinausgezögert, weil sie noch mehr Energie verbrauchen würde. Werden Tiere ständig aufgeschreckt – sei es durch Jogger, Spaziergänger oder gutgelaunte Hunde abseits der Wege – überleben sie im schlimmsten Fall den Winter nicht.

Das bedeutet also: Für unser Wild ist Ruhe viel wichtiger als zusätzliches Futter – unter normalen Umständen schaffen sie das schon.
Wirklich unterstützen kann unsere Wildtiere nur der, der auf den Wegen bleibt und für Ruhe im Wald sorgt, die Hunde nicht von den Wegen ins Unterholz laufen lässt – und dafür sorgt, dass sie schon gar nicht hinterher rennen. Bitte. Ja?

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Ricke im Schnee
Langsam durch den Winter: Eisige Temperaturen und frostiger Wind zwingen die heimischen Wildtiere dazu, ihren Pulsschlag abzusenken und sich mit einem dichteren Fell vor der Kälte zu schützen.

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