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Zwei Jahre mit Nano und ein bisschen weiser

IMG_3088Am 8. März sind es genau zwei Jahre her, dass Nano hier einzog.
Zwei Jahre, die einem Ritt auf der Kanonenkugel glichen.
Nano gehörte zu den fünzig- bis hundertfünzigtausend Galgos, die jedes Jahr nach der Jagdsaison in Spanien „entsorgt“ werden: Ausgesetzt, halb tot geprügelt, oder – wenn ihr Galguero einigermaßen anständig ist – in einem spanischen Tierheim abgegeben, wo der Hund 30 Tage bekommt. Wenn ihn in dieser Zeit keine Tierschutzorganisation oder eine Privatperson adoptiert, wird der Hund eingeschläfert. Die unglaubliche Zahl an Hunden ist auch kaum zu bewältigen ohne die stetig wachsende Zahl von in- und ausländischen Tierschützern, die versuchen, Lösungen für diese Hunde zu finden.

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Nano jedenfalls gab sich auf im Tierheim, fraß nichts mehr, verletzte sich selber am Vordergelenk und schrie wie am Spieß, sobald er ohne Begleitung eines anderen Hundes aus dem Zwinger geholt wurde.
Er wurde an mich als Pflegestelle vermittelt, weil ich eine kleine Truppe vorhandener Windhunde hatte, die sozial, sicher, freundlich und wohlerzogen sind und sich mit der Resozialisierung von gesellschaftlichen Misfits bereits bewährt haben.

Nano kannte nichts und wollte auch nichts – außer einem weichen Bett, je weicher, desto besser. Wäre er ein Mann gewesen, hätte er genau meinem Beuteschema entsprochen: Der große, dunkle, schlaksige und schweigende Typ, freundlich, aber unverbindlich, der allem von Weitem zusah, sich aber auf nichts wirklich einließ (hätte er nachts Gedichte oder Rocksongs geschrieben, hätte das hier niemanden überrascht). Nähe suchte er nicht, wenn alle Hunde im Wohnzimmer lagen, schlief er im Flur. Was ich noch lange nicht wußte, war scheinbar allen anderen von Anfang an klar: Freunde, meine Putzfrau (die später mit Kündigung drohte, falls ich Nano weiter vermitteln würde), unsere Hundesitterin, Nano selbst: Alle waren der Meinung, er habe sein Zuhause schon gefunden. IMG_3344

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Das Gute war: Mit Typen wie Nano kenne ich mich aus. Diese „lonesome Cowboys“, die dann doch nichts toller finden als Grillen mit den Nachbarn und Brettspielabende. Ich bedrängte ihn nicht – wenn er nicht wollte, hatte ich ja noch andere haarige kleine Bäuche und Ohren zum Kraulen. Ich erwartete keine „Dankbarkeit“, Gehorsam oder Anpassung, sondern gönnte ihm und mir den Luxus, einfach mal abzuwarten, wen uns das Schicksal da ins Haus gespült hatte.
Nano, der offenbar noch nie so richtig mit anderen Hunden getobt hatte, spielte für sein Leben gerne mit den anderen Hunden, buddelte Krater in die Erde, die direkt nach Peru zu führen schienen, warf sich mit Karacho in jeden Teich – und orientierte sich doch immer an mir. Er ließ mich nie aus den Augen, weshalb ich ihn ziemlich bald nachts ableinte, um einfach mal zu sehen, wie weit er sich entfernen würde. Ich muss dazu sagen: Ich wohne in einem 15 Hektar großen Park, der rundum hoch eingezäunt ist. Wer hier überfahren werden möchte, muss das wirklich sorgfältig planen. Hätte er sich erschreckt und wäre abgezwitschert, hätte ich einfach die Haustüren offen stehen lassen können: Selbst Angsthunde kommen, wenn sie nicht gestört werden, immer wieder zurück. Und Nano war definitiv kein Angsthund.
Er ging auch nicht verloren. Ich nutzte die „Honeymoon-Phase“, wie ich die Anfangszeit nenne, in der der neue Hund auf „vorbildliche Manieren“-Modus ist, weil er mich und die Lebensumstände erst kennenlernen und verstehen muss, um alle Grundkommandos aufzubauen: Noch war er unsicher genug, um immer ansprechbar und leicht zu beeinzudrucken zu sein. Er lernte an der drei-Meter-Leine, dass wir hier im Wald die Wege nicht verlassen und wie das Hand- und das Hörsignal für „Zu mir!“ ausschaut, dass es nach dem Pfeifensignal Leberkäse, Brathuhn und Frikadellen regnet und dass es im Wald viele, viele andere Hunde, fremde Kinder in Scharen und massenweise Leute gibt, die mit uns reden und sich unseren Spaziergängen anschließen – ob es ihm passt oder nicht. 63424_10207181673646750_3734273627006175106_n

Und ich lernte, dass zumindest dieser Galgo anders war als alle Hunde, die ich in meinem bisherigen Leben erzogen und ausgebildet hatte (und das waren viele, und sehr unterschiedliche Hunde). Dass Galgos nicht den geringsten Druck in der Erziehung aushalten, weil sie ihn einfach nicht tragen können und dann lieber das Weite suchen – spricht man den Galgo streng an, weil er beim vierten Mal noch immer nicht „zu mir!“ kommt, drängt man ihn sozusagen ins Jagdverhalten, obwohl eigentlich gar nichts da ist zum Jagen. Ich lernte, dass Galgos noch schneller als andere Hunde die Stimmung des Begleitmenschen spüren und sich sehr davon beeinflussen lassen (sind wir keine gute Gesellschaft, bleiben sie lieber auf Abstand) – denn anders als Hunde, die eng mit dem Menschen aufgewachsen sind und gelernt haben, dass man Menschen ihre Unzulänglichkeiten (Stress, Genervtheit, Unsicherheit, mangelnde Führungsqualität, mental völlig belegt sein mit anderen Themen) ruhig auch mal verzeihen kann, wissen die meisten Galgos das nicht. Sie kennen Menschen nicht gut, haben eher kein Verhältnis zu ihnen als ein gutes oder schlechtes, was aber auch nicht gerade zu einem unerschütterlichen Grundvertrauen beiträgt. Ich habe in den letzten zwei Jahren Nano zuliebe gelernt, noch gelassener und gerechter zu sein und mich noch weniger darum zu scheren, was andere Leute von mir denken oder erwarten.

Foto: N. Munninger

Foto: N. Munninger

Als Nano anfing, grölend auf fremde Hunde zu zurennen – eindeutig in der Absicht, sie zu vertreiben -, musste ich mir sofort überlegen, was dafür der Grund sein könnte. Ziel seiner Empörung waren vor allem Schäferhunde, große schwarze Hunde oder sehr langhaarige große Hunde. Die Schäferhunde schob ich darauf, dass viele Galgueros ihre Galgos von Kettenhunden gegen räuberische Zigeuner bewachen lassen (und sowieso viele, viele Windhunde Probleme mit Schäferhunden haben). Die großen Hunde darauf, dass er einfach keine Hunde kante, die nicht seinem eigenen Aussehen, seinem Phänotyp entsprachen. Und das mit dem Langhaar auf eine Art „Penisneid“, nur auf Frisuren bezogen. ☺
Weder wollte ich fremde Leute und Hunde erschrecken, noch, dass der Rest meiner Truppe auf die Idee kam, dass derlei Theater im Pulk noch viel effektiver ist, noch hatte ich die Zeit, mich monatelang bei meiner Umwelt zu entschuldigen.

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Tatsache ist: Der Galgo ist nicht dafür da, auf langen Spaziergängen mit fremden Hunden zum Zeitvertreib zu spielen. Derlei Luxusverhalten gehört nicht zu seiner Geschichte und seinen Aufgaben. Der Galgo ist ein „Low Energy“-Hund, der in Spanien nur selten „Ausgang“ hat – meistens nur zum Training oder zur Jagd – alles Veranstaltungen, die den Adrenalinspiegel sofort hochjagen lassen. Auf entspannten Spaziergängen vor sich hin zu trödeln und sich an Flora und Fauna zu erfreuen gehört nicht zu seinem Repertoire: Das muss er erst bei uns lernen. Deswegen kann es auch so schwer sein, jagdlich erfahrenen Galgos den Freilauf ohne Leine beizubringen: Bisher wurden sie so konditioniert, dass Leine los bedeutet: Halali, der Hase ist los, auf die Plätze, fertig, los!

Das ist also der eigentliche Kulturschock für diese Rassen: Unser Leben in Deutschland, England, Frankreich, Amerika etc. ist völlig anders als alles, wofür diese Hunde seit Jahrhunderten gezüchtet werden. Wir wollen ruhige, freundliche Begegnungen mit fremden Hunden, wir wollen lange, lange Spaziergänge in trauter Zweisamkeit, den beste Freund an unserer Seite, und wir hassen Blutvergießen.
Stattdessen ist der Galgo ein Hund, der für die Jagd anstelle des Gewehrs gezüchtet wurde – er ist durchaus ein Mörder. Die meisten der hiesigen Jagdhunde dürfen die Beute nur anzeigen, damit der Jäger die eigentliche Bluttat ausrichten kann. Der Galgo dagegen sieht und hetzt das Wild nicht nur, er erwischt es auch. Man muss ihn also entsprechend „umkehren“ – er muss verstehen, dass er ab jetzt sein (ausgeklügeltes, rationsberechnetes) Abendessen serviert bekommt und es nicht mehr selbst besorgen muss. Und man muss ihn entsprechend erziehen, was lange dauern kann – aber was für ein Tierschutz ist es denn, einen Sprinter bis ans Ende seines Lebens an die Leine zu legen? nanozahn
Obwohl der Galgo Jagd und Hetze großartig findet, ist er von „Zuviel des Guten“ sehr schnell gestresst: Drei Stunden-Spaziergänge sind für ihn schlicht zu lang – er ist ein Sprinter, kein Ausdauersportler. Wenn man an einem Wochenende mit ihm solche Touren unternimmt, muss man ihm die Zeit geben, sich den Rest der Woche ohne neue Aufregungen ausruhen zu dürfen. Wenn er sich überhaupt irgendwie aufregt, muss er anschließend ausreichend Ruhezeiten bekommen. Außerdem hat der Galgo überhaupt kein Interesse daran, auf der Hundewiese alle neun Sekunden neue Hunde kennen zu lernen, und dankt einem solche Ausflüge eher durch Riesenabstand im Unterholz, wo er seinen einsamen Parallelspaziergang macht, ohne sich dauernd mit neuen Hunden auseinander setzen zu müssen. Der Galgo ist eher kein Abenteurer, sondern ein Bürokrat. Er liebt Rituale mehr als alle anderen Hunderassen, die ich je kennen gelernt habe, und wenn er etwas leistet, will er sich anschließend ausruhen dürfen. Hetze und Druck kann er nicht leiden und verweigert sich dann eher.
Das muss man auch erst einmal wissen.

Das alles heißt nicht, dass der Galgo das nicht lernen kann. Aber es dauert eben, und man muss ihn dabei unterstützen: Ihn einfach an der Leine durch die Gegend schleppen und ihn in einen Windhundauslauf mitzunehmen ist noch keine Erziehung. Bis dahin hat der durchschnittliche Galgo viel Stress, was man auch erst einmal zu erkennen lernen muss. Und es passt nicht immer zum eigenen Leben. Der Galgo ist kein unkomplizierter Hund, und kein Hund für jeden. Er ist insofern unkompliziert, weil es ein Low-Energy-Hund ist, der im Haus gewöhnlich gemütlich im weichen Hundebett oder auf dem Sofa herumliegt und leise schnarcht, gewöhnlich nicht bellt und – weil er selber so schmerzempfindlich ist – normalerweise keine Kinder umwirft vor lauter Begeisterung. Aber er merkt auch jede Regung, jeden Gedanken im Kopf seines Menschen – ob gut, ob böse, zickig oder angespannt – und reagiert entsprechend. Wer einen Galgo hat, muss lernen, seine Gedanken in den Griff zu bekommen und Gelassenheit lernen.
IMG_3390Nano beschloss nun, er wolle unbedingt bei mir leben. Das ehrte mich und schmeichelte mir, aber mein Leben ist eigentlich nicht unbedingt Galgo-freundlich: Ich bin hochgradig kommunikativ und unterhalte mich im Wald mit jedem, der einen halbwegs interessanten Hund oder ein niedliches Kind dabei hat; ich habe viel Besuch – gerne auch mit Hunden -, ich reise viel, habe immer viel zu viel gleichzeitig im Kopf, vergesse viel, mache immer drei Projekte gleichzeitig und übernehme immer mindestens eine Aufgabe zuviel. Meine Brüder finden mich chaotisch. Wer mich liebt, nennt mich kreativ.

Für einen Hund wie Nano ist mein Leben nicht ganz leicht, der möglichst immer in meiner Nähe sein möchte. Reisen strengt ihn an – aber es strengt ihn auch an, wenn er bei der Hundesitterin untergebracht werden sollte. IMG_2834Fremde Hunde fand er zunehmend blöd – aber weil sein Sidekick Pixel andauernd zu allen Hunden hinrennt und begeistert neue Freundschaften schließt, stand Nano unter dem Zugzwang, die anderen Hunde auch kennen lernen zu müssen, anstatt sie einfach zu ignorieren, wie es ihm besser gefallen hätte. Ich musste ihm erst beibringen, dass er diese Option überhaupt hatte: Hunde, die ihm nicht gefielen, einfach links liegen zu lassen. Und ich musste sie gedanklich loslassen, um ihn nicht versehentlich mental zu den anderen Hunden „zu schicken“.
Aber schließlich lernt man lernt immer nur von den schwierigeren Hunden. Die einfachen bringen einem nichts bei und schicken einen höchstens auf einen Ego-Trip, weil man sich für den geborenen Hundeflüsterer und – dompteur hält, nur, weil der Hund so unglaublich kooperationsbereit ist, dass er uns zuliebe alles richtig macht.

Nanos Glück war es, dass ich schon von einigen seiner schwierigen Vorgänger gelernt habe, meinen Hunden zuzuhören. Und irgendwann wurde klar, dass sein „Hochfahren“ beim Anblick fremder Hunde (die noch gute 700 Meter entfernt waren und gar nicht notwendigerweise in unsere Richtung gingen) und das völlig Außer-Sich-Geraten beim Anblick ihm längst bekannter Schäferhunde nichts mehr mit Erziehung und Führung zu tun hatte: Es musste einen anderen Grund geben, dass er nicht in der Lage war, sich wieder zu entspannen, wenn er sich aufgeregt hatte, oder dass er sich überhaupt so wahnsinnig aufregte bei Nebensächlichkeiten. Aufgrund seines Stresses nahm er kein bisschen zu, egal, wie sehr ich ihn mit Kokosöl und Kohlenhydraten vollstopfte. Zuhause schlief er den Schlaf des Erschöpften, als hätten wir eine riesige Wanderung hinter uns und nicht einen gemütlichen morgendlichen Waldspaziergang von einer dreiviertel Stunde.
An einem sonnigen, entspannten Sonntagmorgen kam es zu einem „Schlüsselerlebnis“: Die Hunde hatten auf einer riesigen Wiese am Waldrand mit Hundefreunden getobt und buddelten nun gemeinsam nach Wühlmäusen, während die Besitzer sich gutgelaunt unterhielten. Ein Jogger kam aus dem Wald und trabte ganz langsam und freundlich grüßend im Abstand von 30 Metern an uns vorbei – wirklich vorschriftsmäßig, keiner dieser Jogger, die auf Leben und Tod Strecke machen und unglaublichen Stress ausstrahlen. Und als er längst an uns vorbei war, nahm Nano plötzlich den Kopf hoch, schoß brüllend hinter dem armen Jogger her und raste grölend im Kreis um ihn herum. Kaum hatte ich in an die Leine genommen, war er sofort still und ruhig – mit Aggression oder Hetzverhalten hatte das also nichts zu tun. Der Jogger hatte nun Pulshochstand erreicht und regte sich Gott sei Dank nicht zu sehr auf, weil er meine und Hunde mich schon viele, viele Male gesehen hatte und wußte, dass ich sie eigentlich im Griff hatte.

Am nächsten Tag ging ich mit Nano zum Tierarzt und ließ ein Schilddrüsenprofil erstellen mit den T4-Werten, fT4, TSH und den jeweiligen Antikörpern. Auch das bedarf einer gewissen Recherche: Windhunde haben nämlich von vorneherein deutlich niedrigere Schilddrüsenwerte, und ein Tierarzt, der das nicht weiß, wird den Windhund grundsätzlich mit Hormonen versorgen.
Aber weil ich ein Schlaumeier bin und das alles weiß, wandte ich mich gleich an eine Tierärztin mit Schwerpunkt Verhalten, Dr. Daniela Zurr. Und siehe da: Nanos Schilddrüsenwerte waren nicht einmal mehr messbar, so niedrig waren sie. Praktisch nicht vorhanden. Der arme Hund muss wahnsinnigen Stress gehabt haben.
Er wurde sofort mit Forthyron eingestellt, was sein Verhalten aber natürlich nicht über Nacht veränderte: Gelernt ist gelernt, und er hatte sich sein Rotzlöffel-Verhalten ja nun einmal angewöhnt. Schäferhunde waren iiiiihh, große schwarze Hunde waren auch iiiiihh, Berner Sennenhunde ganz furchtbar, Fahrradfahrer eine ernstzunehmende Gefahr, Jogger, die auf uns zurannten auch, Hunde wurden schon von Weitem angebrüllt, oder er ließ es sich nicht nehmen, man eben hinzurennen und ihnen den Marsch zu blasen. An der Leine war er dagegen das Gegenteil: Entspannt, reizend, orientierte sich ausdrücklich an mir und stellte sein Gebell auch sofort auf ein kleines Wort von mir ein, wenn uns einer der Feindbildhunde etwas zu nah kam (seine Individualdistanz betrug zu diesem Zeitpunkt dann ca. 78 Meter).
Wenn man solche Verhaltensweisen als „PROBLEM“ bewertet, anstatt als hochinteressanten Zustand, für den man eine Lösung finden will, könnte man verzweifeln. Glücklicherweise hat mir mein lebenslanges Training mit vermeintlich genialen und dann doch nur schwierigen Männern in diesen Dingen immer schon geholfen: Ich nehme kein absurdes Verhalten persönlich (im zwischenmenschlichen Bereich kann das allerdings auch zu Problemen führen, wenn ich nämlich die Ding ruhig viel schneller persönlich nehmen sollte), sondern sehe es mir genau an, um dann zu überlegen, was die Ursache sein könnte. Wenn man die Ursache verstanden hat, fällt einem gewöhnlich auch eine sinnvolle Lösung ein.
Meine Hunde haben mich gelehrt, das Leben nicht als Kriegsschauplatz, sondern als eine Art Intelligenzspiel zu betrachten. Macht deutlich mehr Spaß, kann ich Ihnen versichern.

Eindeutig geholfen hat ihm auch die Umstellung von Barfen auf gekochtes Fleisch mit einem hohen Anteil von Kohlenhydraten. Galgos sind keine Fleischfresser, sondern werden in Spanien von den Jägern hauptsächlich mit altem Weißbrot ernährt – Fleischreste oder Trockenfutter bekommen sie nur drei-vier Mal in der Woche. Zu „hochwertiges“ Futter verursacht bei ihnen Bauchweh, Durchfall und Darmentzündungen. Nano liebt seinen Haferbrei zum Frühstück, mit etwas geschmolzener Butter oder Kefir darüber (ich dagegen habe nur Zeit für einen Milchkaffee und einen Apfel). Auch das hilft seiner Selbstbeherrschung sehr – mittlerweile ist meine Vermutung, dass leicht erregbare Hunde von Kohlenhydraten profitieren, auch durch mehrere Studien belegt worden: Ohne Glukose im Hirn keine Selbstbeherrschung, ohne Kohlenhydrate liegen die Nerven blank. Geht mir auch nicht anders (ich esse aus rein gesundheitlichen Gründen so viel Schokolade und Eis).

Nach zwei Jahren ist Nano praktisch die Ruhe selbst. Er reist gerne, wenn wir bestimmte Rituale einhalten (Hunde sind nun einmal im tiefsten ihres Inneren Beamte). Alles ist für ihn leichter, wenn er neue Situationen zuerst an der Leine erleben darf, bevor ich ihn dann frei lasse: An der Leine fühlt er sich von mir beschützt und kann sich an die neuen Situationen dann in der „Verbindung zu mir“ gewöhnen.
Er gehorcht gut, wir haben immer noch kleine Unstimmigkeiten, was seine Bereitschaft betrifft, Fersengeld zu geben oder wie weit sein Radius sein darf – aber auch dann bleibt er zuverlässig in der Nähe und kann mich immer sehen (umgedreht kann ich ihn durchaus nicht immer sehen, weshalb ich stark an meinen telepathischen Fähigkeiten arbeite ☺ ). Es waren zwei anstrengende Jahre, keine Frage, aber immer spannend und meiner inneren Erleuchtung dienlich. Es ist eben so: Die Typen mit Charisma, die, die selber viel nachdenken und die, die am interessantesten sind, sind eben manchmal mühsam. Aber dafür sind sie unterhaltsamer, lustiger, wilder, umwerfender als die, die easygoing sind.
Man muss nur genau wissen, welcher Sorte Beziehung man auch gewachsen ist, damit man damit glücklich werden kann. Dafür bin ich mittlerweile ja alt genug. Ehrlich gesagt hat sich bei mir diesbezüglich nicht viel geändert, seit ich 20 war.

Nano ist kein alberner Junghund mehr, seine Beziehung zu Pixel ist deutlich abgekühlt, und die Spiel-Flashes von Amali gehen ihm auch ziemlich auf die Nerven. Wenn es nach Nano ginge, könnten wir eigentlich überhaupt alle anderen Hunde mit einem Bindfaden an der nächsten Raststätte anbinden. Auch wenn er freundlich und liebevoll den anderen Hunden gegenüber ist, reiche ich ihm völlig zu seinem Glück.
Tja. Da hat er wohl Pech gehabt.

 

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